Ein Smartphone mit der Airbnb-App vor einem Wohnkomplex

Touristen finden über Airbnb schnell eine Unterkunft. Kritiker sehen Folgen für den Wohnungsmarkt.

Bildquelle: Jens Krick / picture alliance / Flashpic

Angespannter Wohnungsmarkt Treibt Airbnb die Preise hoch?

Stand:

Die Buchungsplattform Airbnb ist beliebt, steht aber immer wieder in der Kritik. Ein häufiger Vorwurf: Dauerhafte Kurzzeitvermietungen verknappen den Wohnraum und treiben die Mieten hoch. Das gilt allerdings nicht pauschal.

Von Katja Scherer

Ob ein langes Wochenende im Sauerland oder ein Städtetrip nach Münster: Wer als Tourist eine Unterkunft sucht, findet auf Buchungsplattformen wie Airbnb ein breites Angebot. Für Reisende ist das praktisch, aber für Einwohnerinnen und Einwohner manchmal ein Ärgernis. Immer wieder gibt es die Kritik, dass Kurzzeitvermietungen den Wohnraum verringern und die Mietpreise in die Höhe treiben.

Diese Vorwürfe lassen sich wissenschaftlich belegen, sagt Pekka Sagner, Volkswirt und Wohnungsmarktexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Allerdings gebe es diese Effekte nicht überall.

Portraitfoto von Dr. Pekka Sagner im Sakko mit Brille lächelnd
"Ob Kurzzeitvermietungen das Wohnraumangebot verknappen und die Mietpreise erhöhen, ist regional sehr unterschiedlich" Pekka Sagner, Volkswirt und Wohnungsmarktexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft

Klar negativer Effekt in touristischen Hot-Spots

Nachweisen lassen sich solche negativen Folgen für internationale Touristen-Hotspots wie Lissabon. Forschende aus den USA und aus Portugal zeigten in einer Studie im Jahr 2021, dass ein Anstieg des Airbnb-Anteils in einer Gemeinde um durchschnittlich einen Prozentpunkt zu einem Anstieg der Immobilienpreise um 3,7 Prozent führt. In den touristisch beliebten historischen Stadtkernen von Lissabon und Porto stiegen die Preise besonders stark. Auf solche Orte ziele auch der Plan der EU, Kurzzeitvermietungen einheitlicher zu erfassen und bei Bedarf zu kontrollieren, sagt Sagner.

Zweckentfremdete Wohnungen in Köln

In Tourismus-Hotspots konkurrieren Kurzzeitvermietungen und regulärer Wohnraum besonders stark miteinander.

Bildquelle: Stefan Clauser

In Deutschland gibt es solche Effekte augenscheinlich auch, wenn auch schwächer ausgeprägt. Daher seien sie schwieriger zu belegen, sagt der IW-Ökonom. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat im Jahr 2021 die Folgen von Kurzzeitvermietungen für die Mietpreise in Berlin analysiert. "Durch eine zusätzliche Airbnb-Unterkunft steigen Angebotsmieten im direkten Umfeld um durchschnittlich 13 Cent je Quadratmeter", heißt es in der Studie.

13 Cent pro Quadratmeter: Das sei moderat. Dennoch sei der Effekt nicht zu vernachlässigen, sagt IW-Volkswirt Pekka Sagner. Er sieht darin ein Warnsignal: Je mehr Wohnungen in einem Viertel dauerhaft in Kurzzeit vermietet werden, desto größer die negativen Folgen, warnt er. Das gelte nicht nur für große Städte, sondern auch für kleinere Ortschaften mit hohem Touristenaufkommen wie Winterberg im Sauerland. Auch dort könnten Wohnraum und Kurzzeitvermietungen in Konkurrenz stehen.

Die Auswirkungen bleiben umstritten

Es gibt allerdings auch Studien, die keinen negativen Zusammenhang sehen. In einer Analyse des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO im Auftrag von Airbnb heißt es, "dass Vermietungen über Airbnb keinen spürbaren Einfluss auf die Verfügbarkeit von Wohnraum oder die Mietpreisentwicklung in deutschen Städten haben". Die Anzahl der Unterkünfte, die 2023 mehr als 90 Tage über Airbnb vermietet wurden, sei zu gering, um signifikant Einfluss auf Wohnraum zu haben. Es sei auch kein direkter Zusammenhang zwischen Mietpreissteigerungen und Inseraten auf Airbnb erkennbar.

Airbnb-Effekt: Das sind die Folgen von Kurzzeitvermietungen

WDR 09.09.2026 1 Min. 6 Sek. Verfügbar bis 08.09.2028 WDR Online

Weit weg, aber nichtsdestotrotz interessant ist in diesem Zusammenhang das Beispiel New York. Die Stadt hat Kurzzeitvermietungen im Jahr 2023 drastisch eingeschränkt. Wie die amerikanischen Zeitungen Wall Street Journal und die New York Post berichten, hat sich das Wohnraumangebot dadurch allerdings nicht wesentlich verbessert. Die Mieten sind weiter gestiegen – allerdings nur vergleichsweise moderat, wie andere Beobachter schreiben. Profitiert haben demnach vor allem Hotels, die nun mehr Nachfrage haben und höhere Preise verlangen können.

Problem vor allem bei knappem Wohnraum

Ein Zettel mit der Aufschrift "Wohnung gesucht" hängt an einer Laterne

In vielen Städten ist der Wohnungsmarkt ohnehin schon angespannt.

Bildquelle: dpa/Oliver Berg

Das Beispiel zeigt: Die Effekte von Kurzzeitvermietungen auf den Wohnungsmarkt zu beurteilen, ist komplex. Grundsätzlich könne man aber davon ausgehen, dass es für Mieterinnen und Mieter schlecht sei, wenn in einem Stadtteil eine große Zahl an Unterkünften dauerhaft kurzfristig vermietet wird, sagt Pekka Sagner vom IW Köln. "Das gilt zumindest dort, wo Wohnraum eh schon knapp ist." Die Studie vom Fraunhofer IAO zeige diese negativen Effekte nicht, schließe sie aber auch nicht aus.

Leonie Sieben-Prinz, Sprecherin des Bündnis Bezahlbarer Wohnraum in Düsseldorf, kommt durch ihre Arbeit zu einer ähnlichen Einschätzung. Sie schätzt, dass im Düsseldorfer Stadtgebiet mehrere tausend Unterkünfte auf Buchungsplattformen wie Airbnb vermietet werden.

"Das ist natürlich nicht der alleinige Grund für die Wohnraumknappheit, aber ein Faktor, der das Problem verschärft" Leonie Sieben-Prinz, Sprecherin des Bündnis Bezahlbarer Wohnraum in Düsseldorf

Es mache die Wohnungssuche noch schwieriger und führe etwa dazu, dass Haushalte, die eine größere Wohnung brauchen, nicht umziehen könnten.

Unproblematisch sind Kurzzeitvermietungen aus Sicht von Sagner dagegen dort, wo Wohnungen nicht knapp sind oder zumindest genug Wohnraum für Einheimische vorgehalten wird. Gleiches gilt, wenn die Kurzzeitvermietung nur als Übergangslösung genutzt wird: etwa, wenn man seine Wohnung während des Urlaubs vermietet oder weil man beruflich für ein paar Wochen unterwegs ist. In solchen Fällen hält der Forscher die Zwischennutzung für sinnvoll.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR.de, Treibt Airbnb die Preise hoch, 09.09.2026, 15.48 Uhr

Weitere Beiträge aus der Wirtschaft

1 / 2