Vor den Wahlen im Osten: Woher kommt der Frust im Land?

Vor den Wahlen im Osten: Woher kommt der Frust im Land? Der Faktencheck zur Sendung vom 31.08.2026

Vor den Wahlen im Osten: Woher kommt der Frust im Land?

Die aktuelle Ausgabe von HART ABER FAIR beschäftigt sich mit den kommenden Landtagswahlen und der politischen Stimmung im Land. Eine zentrale Frage dabei: Welche Rolle spielen bestehende wirtschaftliche Unterschiede zwischen Ost und West?

Lohnunterschiede zwischen Ost und West

Der Journalist Nikolaus Blome sagt in diesem Zusammenhang: „Es gibt regionale Unterschiede in ganz Deutschland zwischen Norden und Süden, Osten und Westen.“ Ein Beispiel dafür ist der Durchschnittslohn. Laut Jan „Monchi“ Gorkow, dem Sänger der Band Feine Sahne Fischfilet, sei Mecklenburg-Vorpommern das Bundesland mit den geringsten Löhnen.

Zur wirtschaftlichen Lage in Ost und West gibt es einige Studien, die zu leicht verschiedenen Ergebnissen kommen. Einig sind sie sich darin, dass weiterhin Unterschiede existieren.

Die Löhne in den ostdeutschen Bundesländern sind im Schnitt niedriger als im Westen. Laut aktualisierten Quelldaten des ifo „Faktenmonitors“ lagen die ostdeutschen Bruttostundenlöhne 2025 gut 10 Prozent unter dem westdeutschen Niveau – allerdings wird hier die Metropole Berlin dazu gezählt. Rechnet man Berlin raus, wird der Unterschied deutlicher – gut 16 Prozent. Im gesamtdeutschen Vergleich ist der Stundenlohn in Mecklenburg-Vorpommern am niedrigsten; er liegt mehr als 18 Prozent unter dem westdeutschen Durchschnitt. Das Bild ändert sich jedoch mit Blick auf den Reallohn, der ins Verhältnis setzt, wieviel man sich von seinem Lohn kaufen kann. Hier ist Berlin das bundesdeutsche Schlusslicht, während sich Mecklenburg-Vorpommern im unteren Mittelfeld bewegt. Übrigens zeigen sich auch unter den westdeutschen Ländern starke Differenzen: So verdienen Menschen im Saarland gut 9 Prozent weniger pro Stunde als der westdeutsche Durchschnitt.

Vermögensunterschiede zwischen Ost und West

Nicht nur über die Lohnunterschiede wurde gesprochen, auch die Vermögensverteilung war ein Thema in der Sendung. Die Historikerin Hedwig Richter sagt, das Vermögen im Osten habe sich in den letzten 35 Jahren vervierfacht, während es sich im Westen nur verdoppelt habe.

Zwar ist das Vermögen in den ostdeutschen Bundesländern über die Jahrzehnte deutlich gestiegen, allerdings ist der Unterschied zu Westdeutschland nach wie vor signifikant. Laut ifo Faktenmonitor erreichte das Nettovermögen 2023 je Haushalt in Ostdeutschland (mit Berlin) im Durchschnitt nur 46,6 Prozent des westdeutschen Durchschnitts. Betrachtet man den Median, also den Zentralwert, der nicht durch Spitzenwerte verzerrt wird, wird der Unterschied noch klarer: der ostdeutsche Nettovermögenswert beträgt dann nur ein Viertel des westdeutschen Werts. Unterschiede in Vermögen führen auch zu Unterschieden bei Erbschaften: Der MDR hat errechnet, dass in den „alten Bundesländern“ pro Einwohner rund neun Mal so viel steuerpflichtiges Vermögen vererbt oder verschenkt wird wie in Ostdeutschland.

Quellen: