Stephan Brandner (AfD) wehrte sich in der Sendung gegen den Vorwurf, dass die Verbindungen seiner Partei nach Russland ein Sicherheitsrisiko für Deutschland darstellen könnten. In diesem Zusammenhang äußerte er sich auch zu dem vereitelten Drohnenanschlag am Leipziger Flughafen. Brandner sagte, die Beweislage sei bislang nicht ausreichend, um Russland für den Angriff verantwortlich zu machen. Was über die Hintergründe des Anschlagsversuchs bekannt ist, schauen wir uns hier genauer an.
Nach dem Leipziger Drohnenanschlag: Was wissen wir über die Täter?
1 Min. 13 Sek.. Verfügbar bis 10.09.2027.
Maischberger: "Können Sie bitte auf den Vorwurf antworten, dass die Russlandnähe etlicher AfD-Politiker ein Sicherheitsrisiko für Deutschland sein kann, weil wir – Leipzig genannt – möglicherweise da Angriffe erleben."
Brandner: "Also Leipzig, meinen Sie jetzt diesen dubiosen Drohnenangriff, der da stattgefunden haben soll. Der aber auch, wenn man heute beispielsweise die Zeitungen gelesen hat, die uns nicht gewogen sind, völlig umstritten ist, was da überhaupt passiert ist. Wir sagen ja, wenn das ein russischer Angriff war, gar keine Frage, dass man das ahnden muss. Dass man sich dagegen verteidigen muss, und dass das Ganze –"
Fiedler: "Wie?"
Brandner: "Das wird man dann sehen, wenn es soweit ist."
Fiedler: "Nein, wie?"
Brandner: "Aber wir haben ja nach vier Wochen irgendwie die Aussagen – wir sind ja in den ganzen Gremien nicht drin, wir kennen ja die Fakten nicht. Wir kennen ja nur das, was nach draußen transportiert wird. Nach vier Wochen war der Russe schuld. Auf der anderen Seite haben wir diesen katastrophalen Anschlag, den größten Anschlag auf deutsche Infrastruktur mit Nord Stream, wo vier, fünf Jahre lang rumgewurstelt wurde. Jetzt steht fest nach Auffassung der Bundesanwaltschaft, dass es ukrainischer Staatsterrorismus ist. Das ist für mich noch mal wichtig. Und da passiert überhaupt nichts. Hier wird mit absolut zweierlei Maß gemessen."
Fiedler: "Das ist gelogen."
Maischberger: "Darf ich das korrigieren? Also, der Prozess kommt noch. Die Bundesanwaltschaft hat eine Annahme, aber noch ist es nicht vor Gericht. Also deswegen, ich wollte es einfach nur korrigieren."
Hintergrund: Was ist über den vereitelten Drohnenanschlag am Leipziger Flughafen bekannt?
In der Nacht zum 5. August 2026 entdeckte ein Mitarbeiter des Flughafens Leipzig/Halle eine mit Sprengstoff bestückte Drohne in der Nähe zweier Frachtmaschinen einer ukrainischen Fluggesellschaft. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums habe eines der Flugzeuge kurz zuvor Munition aus Frankreich über Leipzig in Richtung Osten transportiert und sei dann nach Leipzig zurückgekehrt. Der Flughafen gilt als eine der zentralen Drehscheiben bei der Weiterleitung von Rüstungs- und Hilfsgütern für die Ukraine.
Nach Sichtung der Drohne sperrte die Bundespolizei das Flughafengelände weiträumig ab. Mit Hilfe eines Roboters konnte der Sprengsatz entschärft werden. Experten gehen davon aus, dass Leipzig nur knapp einer Katastrophe entgangen ist.
Der Generalbundesanwalt übernahm die Ermittlungen wegen des Verdachts des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr. Die Tat sei geeignet gewesen, "die äußere und innere Sicherheit der Bundesrepublik zu beeinträchtigen", hieß es.
Bundesregierung beschuldigt Russland
Die Bundesregierung sah zunächst davon ab, die mutmaßlich Verantwortlichen hinter dem Anschlagsversuch deutlich zu benennen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) erklärte am Tag nach dem Vorfall, es werde "in alle Richtungen" ermittelt, um Hintermänner identifizieren zu können. "Es gehört zum Prinzip der hybriden Bedrohungen, dass nicht immer klar ist, wo es herkommt", so Dobrindt. Ohne einen möglichen Urheber zu nennen, sprach der Innenminister von einem "Wettbewerb", der "möglicherweise auch fremde Mächte mit einschließt".
Knapp einen Monat später, am 1. September 2026, wurde Dobrindt deutlicher. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) machte er Russland für den Drohnen-Vorfall in Leipzig verantwortlich. Die Erkenntnisse deutscher Sicherheitsbehörden und die von europäischen Partnern deuteten "klar auf russische Involvierung" hin. Am Tatort seien eine Drohnenkonfiguration, Sprengstoff und Zündtechnik sichergestellt worden, die aus anderen hybriden Operationen Russlands und aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine bekannt seien, so Dobrindt. Die Ausführung des versuchten Anschlags sei "dem Bereich von Low-Level-Agenten zuzuordnen". Als Low-Level-Agenten – umgangssprachlich auch "Wegwerf-Agenten" genannt – werden Personen ohne nachrichtendienstliche Ausbildung bezeichnet, die von ausländischen Geheimdiensten für kleinere Spionage- oder Sabotageakte angeworben werden.
Laut Innenminister Dobrindt wiesen die bisherigen Erkenntnisse "auf beteiligte Personen hin, die im Auftrag russischer staatlicher Stellen gehandelt haben". Konkrete Angaben zu möglichen Tatverdächtigen machte er aber nicht.
Medienberichte: Verdächtige mit Verbindungen nach Russland
Am Tag nach der Pressekonferenz wurden jedoch Recherchen von NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung öffentlich, wonach es den Ermittlern des Bundeskriminalamtes (BKA) inzwischen gelungen sei, Tatverdächtige zu identifizieren. Bei einem Verdächtigen soll es sich um einen Belarussen handeln, dessen DNA am Tatort und im Umland des Leipziger Flughafens entdeckt wurde. Der Mann, der auch einen russischen Pass haben soll, soll bereits im Baltikum mit Straftaten aufgefallen sein. Seine Ein- und Ausreise konnten die deutschen Ermittler rekonstruieren.
Ein zweiter Mann soll als Logistiker und Instrukteur des Anschlags agiert haben. Er reiste offenbar Ende Juli über den Berliner Flughafen BER ein und fuhr anschließend mit einem Mietwagen nach Sachsen. Zwei Tage vor dem gescheiterten Drohnenanschlag in Leipzig soll er per Flugzeug ausgereist sein. Der Tatverdächtige soll neben einem lettischen auch einen russischen Pass besitzen.
Die Bundesregierung kommentierte die Recherchen nicht. Die Vorwürfe gegenüber Moskau bekräftigte man aber. Am 5. September 2026 bezeichnete Bundeskanzler Friedrich Merz die Beweislage als "gerichtsfest", ohne dabei näher ins Detail zu gehen.
Russland bestreitet die Vorwürfe. In einer Mitteilung der russischen Botschaft in Berlin hieß es, das Ganze sei eine "hastig zusammengezimmerte Provokation". Kreml-Chef Wladimir Putin fragte öffentlich: "Wo sind die Beweise?"
Opposition fordert mehr Informationen
Während die AfD die Darstellung der Bundesregierung grundsätzlich anzweifelt, fordern die Grünen eine bessere Unterrichtung der Abgeordneten über den Ermittlungsstand. Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, unser Studio-Gast Sebastian Fiedler, reagierte am heutigen Donnerstag (10.9.2026) auf die Kritik und verwies auf das laufende Verfahren. Wenn man wolle, dass die Ermittlungen erfolgreich abgeschlossen werden, "dann gibt man nicht zwischendurch irgendwelche detaillierten Beweismittel der Öffentlichkeit preis, sondern die gehören hinterher in ein Gericht", sagte Fiedler am Rande einer Sondersitzung des Innenausschusses. Er rief die Opposition auf, der Bundesregierung in diesem Punkt zu vertrauen. "Man kann sicher sein, wenn der Bundeskanzler, wenn der Bundesinnenminister sich vor die Presse stellt und sagt, das war hier Russland und es gibt keinen Zweifel – und ich schließe mich dem ausdrücklich an – dann war es auch Russland."
Anschlag auf Nord-Stream-Pipelines: Wie ist der Ermittlungsstand?
Unser Studio-Gast Stephan Brandner (AfD) erinnerte im Zusammenhang des Leipziger Drohnenvorfalls an den Sprengstoffanschlag auf die Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 im September 2022. Hier habe man deutlich länger gebraucht, um die Täter zu ermitteln, sagte er. "Jetzt steht fest nach Auffassung der Bundesanwaltschaft, dass es ukrainischer Staatsterrorismus ist", so Brandner wörtlich.
Richtig ist: Der Generalbundesanwalt hat in dem Fall Anklage gegen den ukrainischen Staatsbürger Serhii K. erhoben. In der Anklageschrift wird ihm vorgeworfen, "im Auftrag staatlicher Stellen in der Ukraine" den Anschlag mitgeplant und -durchgeführt zu haben. Zum Tatzeitpunkt, so heißt es, sei der Angeklagte Offizier der ukrainischen Armee gewesen.
Ob Serhii K. schuldig ist und ob der Anschlag im Auftrag des ukrainischen Staats verübt wurde, ist aber noch nicht geklärt. Der Prozess vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg beginnt erst am 14. Oktober 2026.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat wiederholt bekräftigt, dass die Ukraine nicht an dem Anschlag beteiligt gewesen sei. Kiew habe sich "niemals offiziell an irgendeiner Operation beteiligt, die mit der Sprengung von Nord Stream zu tun hatte", sagte er Ende August. Man unterstütze die Behörden in Deutschland bei deren Ermittlungen und hoffe, dass diese keinen Bruch in den Beziehungen verursachen würden.
Der Prozess gegen Serhii K. ist der erste im Zusammenhang mit dem Nord-Stream-Anschlag. Ein zweiter Tatverdächtiger wurde im August 2026 in Kroatien festgenommen und befindet sich derzeit in Auslieferungshaft.
Fazit
Wenige Wochen nach dem vereitelten Drohnenanschlag auf dem Flughafen Leipzig/Halle machte die Bundesregierung Russland für die Tat verantwortlich. Laut Innenminister Alexander Dobrindt weisen die bisherigen Erkenntnisse "auf beteiligte Personen hin, die im Auftrag russischer staatlicher Stellen gehandelt haben". Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete die Beweise sogar als "gerichtsfest". Öffentlich einsehbar sind diese bislang aber nicht – zum Unmut der Oppositionsparteien im Bundestag. Während sie mehr Informationen fordern, betont die Bundesregierung, dass das Ermittlungsverfahren noch nicht abgeschlossen sei. Russland bestreitet die Vorwürfe unterdessen.
Stand: 10.09.2026, 18:54 Uhr