Sicherheit : Nachts sicher unterwegs: smarte Straßenbeleuchtung selbst steuern
Stand: 20.08.2026, 10:00 Von Amezz Ali Gamechanger
Von Amezz Ali
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KommentierenLicht gibt uns Orientierung und kann dafür sorgen, dass wir uns nachts sicherer fühlen. Doch wenn Straßen und Plätze dauerhaft hell erleuchtet sind, hat das auch Folgen für Tiere, den Nachthimmel und die Umwelt. Die smarte Straßenbeleuchtung kann hier ein Gamechanger sein.
Straßenbeleuchtung nachts per App anmachen
Wenn du nachts nach Hause kommst, kann das letzte Stück des Heimwegs ziemlich dunkel sein. Gerade die Straßen in ländlichen Regionen sind oft nicht die ganze Nacht beleuchtet. Damit du dich trotzdem sicher fühlst, kannst du Straßenlaternen per App selbst einschalten. Das geht von 22 Uhr abends bis 6 Uhr morgens in acht Gemeinden in Schleswig-Holstein.
Dafür wählst du in der App die Laternen auf deinem Heimweg aus und aktivierst das Licht mit einem Klick. Die Laternen bleiben zehn Minuten an und gehen anschließend automatisch wieder aus. Wenn du länger unterwegs bist, kannst du die Leuchtdauer über die App verlängern. So hast du genau dann Licht, wenn du es brauchst.
Mehr Sicherheit im Dunkeln, weniger Lichtverschmutzung
Dass Dunkelheit unser Sicherheitsempfinden tatsächlich beeinflussen kann, zeigt eine Studie des Bundeskriminalamts 2024: Beim Wechsel von Tag zu Nacht nahm das wahrgenommene Sicherheitsgefühl bei den Befragten stark ab. Wer also abends noch mit dem Hund rausgeht oder von Freund:innen nach Hause läuft, kann durch die selbstgesteuerten Laternen in wenig beleuchteten Gegenden ein sichereres Gefühl auf dem Heimweg haben.
So (un)sicher fühlen sich Menschen in Deutschland
Die Studie des BKA (SKiD, 2024) zeigt: Im ÖPNV, auf öffentlichen Straßen oder in Bahnhöfen fühlen sich nachts weniger als die Hälfte der Befragten sicher. Noch deutlicher wird das Gefühl bei den Befragten in Parks: Dort fühlen sich nur knapp 23 Prozent nachts sicher.
Dabei sind Unterschiede zwischen dem Sicherheitsgefühl von Männern und Frauen in der Nacht erkennbar. Die Studie zeigt: Der größte Unterschied zwischen Männern und Frauen kann in Parks und Parkanlagen beobachtet werden, dort fühlen sich nur gut 11 Prozent der Frauen, aber knapp 35 Prozent der Männer nachts sicher. Auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen sind es nur halb so viele Frauen (27 Prozent) wie Männer (54 Prozent).
Diese Vorteile hat die smarte Straßenbeleuchtung
Trotzdem hat es auch Vorteile, wenn nachts nicht überall Licht brennt. Es spart Energie und Kosten. Gleichzeitig gibt es weniger Lichtverschmutzung. Dadurch kannst du nachts z. B. mehr Sterne sehen. Wenn du nachts künstlichem Licht ausgesetzt bist, kann das außerdem deinen Schlafrhythmus beeinflussen. Eine Studie aus dem Jahr 2025 zeigt, dass das gesundheitliche Folgen haben und Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen kann.
Für Tiere hat künstliches Licht in der Nacht unterschiedliche Folgen. Während scheue Arten beleuchtete Orte meiden und sich in dunklere Bereiche zurückziehen, werden viele andere Tiere – vor allem Insekten – durch den sogenannten Staubsaugereffekt vom Licht angezogen. Dadurch verlassen sie ihren natürlichen Lebensraum und können deshalb in der Nacht nicht mehr auf Nahrungs- oder Partnersuche gehen. Durch das Umkreisen des Lichts können die Tiere sogar vor Erschöpfung sterben.
Smarte Beleuchtung in anderen Städten
Neben den Laternen mit App-Steuerung in Schleswig-Holstein gibt‘s auch in anderen Städten Lösungen gegen Lichtverschmutzung. Im Berliner Brunnenviertel sorgen bestimmte Laternenhüte dafür, dass das Licht gezielt nach unten fällt, statt sich in alle Richtungen auszubreiten. Dafür wurden kleine Hüte auf den kugelförmigen Straßenlaternen angebracht. So gelangt weniger Licht in den Himmel und in Lebensräume, in denen es nachts eigentlich dunkel sein sollte. Das reduziert Blendung, ohne dabei auf Beleuchtung und Sicherheit zu verzichten.
In Fulda wurden im Zuge eines Projekts Straßenlaternen mit energiesparenden LEDs ausgestattet. Einige gedimmte Laternen an ländlicheren Radwegen können außerdem ihr Licht anpassen und leuchten bei Bewegung kurz heller auf. Die Stadt Fulda sagt, dass das Projekt dazu beiträgt, Energie zu sparen und die Sterne wieder sichtbarer zu machen.
Ein sicheres Gefühl trotz Dunkelheit
Die Herausforderung liegt darin, Menschen nachts ein sicheres Gefühl zu geben und gleichzeitig die Dunkelheit für die Natur und Tiere zu bewahren. Das erfordert kreative Ideen, die beides miteinander verbinden. Ob Straßenlaternen per App steuern, auf Bewegungsmelder setzen oder die Helligkeit von Laternen begrenzen. All diese Ideen vereinen wichtige Punkte miteinander: einen entspannteren Heimweg für alle und bessere Gegebenheiten für Tier und Umwelt.
Dieser Beitrag liefert Informationen zum Instagram-Reel von kugelzwei "Straßenlicht selbst steuern" vom 28.07.2026, 08:15 Uhr.
Umfrage: Viele Menschen haben nachts Angst auf der Straße (sueddeutsche.de)
Projekt: Die Nachtretter (bund.bawue.de)
Quellen:
Journal Landscape and Urban Planning (sciencedirect.com)
Bundeskriminalamt: Ergebnisbericht SKiD 2024 (bka.de)
Den Nachthimmel schützen und erleben (nationalparl-eifel.de)
Laternenhüte gegen Lichtverschmutzung (berlin.nabu.de)
Die Angst vor Kriminalität bleibt (mpg.de)
Gemeinde Glasau: Info zur Knoop-App (glasau.info)
Plattform „Foll smart“ geht online (fulda.de)
Leitfaden zur Neugestaltung und Umrüstung von Außenbeleuchtungsanlagen (bfn.bsz-bw.de)
Wenn die Nacht verschwindet (nabu.de)
Light Exposure at Night and Cardiovascular Disease Incidence (jamanetwork.com)
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