Das Bild zeigt eine Illustration zwei jungen Personen, die an einem Fenster stehen und schreien.

Tipps gegen Stress Stress abbauen: Warum gemeinsames Schreien guttun kann

Stand: 10.07.2026, 14:45 Von Franziska Klasen Gamechanger

Von Franziska Klasen

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Wann hast du das letzte Mal so richtig laut gebrüllt? Studis in Schweden verabreden sich regelmäßig zum gemeinsamen Schreien. Auch in deutschen Städten, wie zum Beispiel Köln, gibt es sogenannte Scream Clubs. Das Ziel: Stress abbauen. Wir zeigen dir, was dahintersteckt.

Schreien und Stress reduzieren: In Schweden hat das Tradition

Jeden Abend um 22 Uhr schreien Studierende in Uppsala gemeinsam ihren Stress aus dem Fenster. Der "Flogsta-Schrei" ist schon seit rund 50 Jahren Tradition. Zur Herkunft gibt es verschiedene Theorien: Manche sagen, er sei entstanden, weil sich Nachbar:innen zwischen den Häusern verständigen wollten, andere erzählen, ein Student habe irgendwann einfach mal Frust abgelassen.

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Ob Prüfungsphase, Jobsuche, lange To-do-Listen oder Geldsorgen: Wenn du dich wegen dieser oder anderer Faktoren gestresst fühlst, bist du damit nicht allein.

Stress bei jungen Menschen: So groß ist die Belastung

Laut dem TK-Dossier 2026 fühlen sich 86 Prozent der Studierenden in Deutschland manchmal gestresst, 41 Prozent sogar häufig. Hauptgründe dafür sind Prüfungen, aber auch Nebenjobs, Notendruck und Geldsorgen.

Doch nicht nur Studis erleben Stress: Der TK-Stressreport 2025 zeigt, dass sich zwei Drittel aller befragten Menschen in Deutschland häufig oder manchmal gestresst fühlen. Damit gehen in gut 60 Prozent der Fälle körperliche Symptome wie Muskelverspannungen oder Rückenschmerzen einher. Am stärksten betroffen von Stress sind die 18- bis 39-Jährigen mit 83 Prozent.

Kann Schreien beim Stressabbau helfen?

Dass Schreien Stress abbauen kann, ist nicht eindeutig belegt. Was aber laut Ashwini Nadkarni, Psychiatrie-Professorin an der Harvard Medical School, dahinterstecken könnte: Beim Schreien aktiviert sich das sympathische Nervensystem. Heißt: Der Körper schüttet Adrenalin aus und Puls sowie Atmung steigen. Danach kann das parasympathische Nervensystem übernehmen, das für Erholung sorgt. Wie beim Sport geht der Puls also erst hoch, um danach spürbar runterzufahren, sagt die Professorin.

Wichtiger scheint beim gemeinsamen Schreien die soziale Komponente: Teilnehmende berichten von einem beruhigenden Gefühl, mit dem Stress nicht allein zu sein. Ein ähnlicher Effekt wird beim Singen beobachtet: Singen an sich senkt nachweislich unseren Stresspegel. Trällern wir mit anderen zusammen, steigert das zudem das Gemeinschaftsgefühl und schafft Verbundenheit.

Scream Clubs: Mehr schreien, weniger Stress

Nicht nur in Schweden wird geschrien. An vielen Orten weltweit gibt es inzwischen sogenannte Scream Clubs: Treffen, bei denen sich Menschen verabreden, um gemeinsam zu schreien. Meist draußen und oft begleitet von Atemübungen und anschließendem Austausch. Die Initiativen beschreiben die Treffen als Ritual, um Stress, Wut oder andere angestaute Emotionen durch kollektives Schreien loszulassen.

Einer der ersten Scream Clubs findet seit 2024 in Chicago statt. Hier kommen jede Woche hunderte Menschen zusammen. Andere Städte in den USA haben das Konzept übernommen. Weitere Scream Clubs gibt es zum Beispiel in England, etwa in London und Birmingham. Auch in Deutschland ist die Idee angekommen: Inspiriert von Chicago hat eine Kölner Content-Creatorin das "Rhein Schreien" ins Leben gerufen. Gemeinsam mit anderen stehst du dabei am Rhein und schreist dreimal, um deine Gefühle rauszulassen.

So kannst du Stress im Alltag reduzieren

Ob Schreien wirklich befreiend wirkt, ist von Person zu Person unterschiedlich. Ein Psychologe erklärt: Nicht für alle ist es eine Lösung, denn Schreien kann auch mit belastenden Erinnerungen verbunden sein. Aber keine Sorge: Stressreduktion geht auch leise. Yoga, Massagen oder eine Umarmung von Friends können oft schon viel bewirken.

Du willst mehr Action und dich mal richtig "abreagieren"? Dann ab in einen "Rage Room": Dort kannst du alte Möbel, Geschirr oder Elektronik zertrümmern und auf diese Weise Stress abbauen. Langfristig helfen eher Sport und regelmäßige Bewegung gegen Stress. Am besten gehst du dafür in den Wald: Studien weisen darauf hin, dass ein Aufenthalt unter Bäumen das Stressempfinden senken kann.

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Laut oder leise? Hauptsache Stress abbauen

Ob am Fenster in Uppsala oder am Rheinufer in Köln: Manchmal hilft es, gemeinsam laut zu werden. Doch auch wenn du es lieber leise magst, können kleine Hacks und Aktivitäten im Alltag helfen, besser durch stressige Phasen zu kommen.

Dieser Beitrag liefert Informationen zum Instagram-Reel von kugelzwei "Schreien gegen Prüfungsstress" vom 06.07.2026, um 08:10 Uhr.

Mehr zum Thema:

Entspannung: Wie geht es richtig? (quarks.de)

Schreien – Eine verkannte Fähigkeit (swr.de)

Stress abbauen: Tipps zur Entspannung im Alltag (ndr.de)

Quellen:

Uppsala University: Student Traditions (uu.se)

Die Techniker: Stressreport 2025 (tk.de)

TK-Dossier 2026: Wie geht's Deutschlands Studierenden? (tk.de)

Scream your way to happiness? Maybe not, but scream clubs promise some relief (ap.de)

Choir versus Solo Singing: Effects on Mood, and Salivary Oxytocin and Cortisol Concentrations (frontiersin.org)

Singing and social bonding: changes in connectivity and pain threshold as a function of group size (sciencedirect.com)

Chicago Scream Club (thescreamclub.com)

Stressabbau im Scream Club (deutschlandfunknova.de)

Schreien ist besser als Explodieren (deutschlandfunknova.de)

London Scream Club (theguardian.com)

Effects of a year-long aerobic exercise intervention on neuroendocrine, autonomic, and neural correlates of stress, emotion, and cardiovascular disease risk in midlife adults (sciencedirect.com)

Unlocking the Power of Nature: Insights from a 20-Minute Forest Visit on Well-Being (mpdi.com)

The Psychological and Physical Effects of Forests on Human Health: A Systematic Review of Systematic Reviews and Meta-Analyses (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)

Effects of yoga on stress in stressed adults: a systematic review and meta-analysis (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)

A systematic review and multivariate meta-analysis of the physical and mental health benefits of touch interventions (nature.com)

Interview mit Prof. Dr. Ehrenthal (2025)

Does Venting Anger Feed or Extinguish the Flame? Catharsis, Rumination, Distraction, Anger, and Aggressive Responding (faculty.washington.edu)

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