Pro und Contra : Einschränkungen auch für Geimpfte - wäre das gerecht?
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In Deutschland erkranken wieder viele Menschen an Corona. Sind daher sogar für Geimpfte und Genese wieder mehr Einschränkungen nötig - 2-G plus Test oder gar ein kompletter Lockdown? Ein Pro und Contra.
Von Jörn Seidel, Suska Döpp
Ja! Auch Geimpfte sollten sich einschränken.
Meine kleinen Kinder sind noch nicht geimpft. Ich will nicht, dass sie Corona kriegen. Aber die Statistik beruhigt mich. Ihnen würde wohl nichts passieren. Anders ist das bei meinen Eltern. Ihre Booster-Impfung steht bald an. Aber bis dahin werden noch Wochen vergehen. Es sind Wochen, die mich verunsichern - nicht mehr so groß wie im Frühjahr. Aber die Schutzwirkung der Impfung lässt mit der Zeit eben nach. Daher sollten sich Geimpfte noch einschränken - und zur Not auch eingeschränkt werden.
Wir stehen in Deutschland erst am Anfang der Booster-Impfungen. Aber die vierte Welle haut jetzt voll rein. Auch in den kommenden Wochen werden wohl hunderte Menschen nach Impfdurchbrüchen sterben, vor allem Alte. Wegen voller Kliniken müssen nicht-infizierte Intensivpatienten verlegt werden - eine Zumutung. Und das medizinische Personal ist am Limit. Ich will das alles nicht.
Als Geimpfter will ich aber auch keine Ausgangsbeschränkungen mehr ertragen. Verordnete Einschränkungen sollten vor allem für Ungeimpfte gelten. Geimpfte und Genesene sollten sich aber noch zurückhalten - Kontakte mit Vorsicht genießen, sowohl auf der großen Hochzeitsfeier als auch mit Freunden zu Hause. Bei Partys, so sie denn sein müssen, auf zig Umarmungen verzichten, Maske auf dem Weihnachtsmarkt tragen und sich vor manchen Treffen testen - was ist daran so schwer?
Und bei zu vielen schweren Impfdurchbrüchen braucht es sogar für Geimpfte wieder etwas strengere verordnete Einschränkungen - zum Beispiel weniger gefüllte Stadien und wieder Mindestabstände zwischen Tischen in Restaurants.
Denn es ist keine "Pandemie der Ungeimpften". Auch Geimpfte verbreiten das Virus - und fallen ihm zum Opfer. Häufiger, als es sein müsste. Es ist noch nicht vorbei.
Nein! Wer nicht geimpft ist, soll bitte zuhause bleiben.
Der Blick auf die Zahlen macht klar: In Deutschland ist Covid inzwischen eine Epidemie der Ungeimpften. Auf unseren Intensivstationen liegen deutlich mehr nicht geimpfte Patienten als Menschen mit Impfdurchbrüchen. Wer geimpft (und geboostert) ist, muss sich keine großen Sorgen machen - und kann sich zusätzlich schützen durch Masken, Abstand und Kontaktverzicht.
Suska Döpp
Weil ich genau darauf gehofft hatte, habe ich mich impfen lassen. Und zwar bei der ersten Gelegenheit - weil es nichts anderes gab mit Astrazeneca, obwohl der Impfstoff für mich nicht empfohlen war. Damit schütze ich nicht nur mich, sondern auch andere. Und jetzt kann und möchte ich ein weitgehend normales Leben genießen. Ich habe keine Angst mehr um meinen Sohn oder meine Eltern, die zum Glück auch vernünftig sind. Ich gehe Karneval feiern und treffe mich mit Freunden in der Kneipe. Ich verreise, ohne Unsummen für PCR-Tests auszugeben.
Mein Mitgefühl und meine Solidarität gelten den Menschen, die unter Corona leiden und nichts dagegen tun können: Weil sie in Pflegeheimen von Impfgegnern betreut werden, weil sie wegen Corona ihren Job verloren haben, als Musiker nicht auftreten können, oder ihre Kneipe schließen müssen.
Auf keinen Fall möchte ich zurück in die kollektive Niedergeschlagenheit des Lockdowns. In die Angst um meine Familie und meine Freunde. Ich feiere noch heute, dass ich vor sechs Monaten geimpft wurde. Mitfeiern muss natürlich niemand - aber bitte hört auf zu jammern und geht von der Tanzfläche. Das Zeug ist da - holt es euch! So viele Menschen auf der Welt würden sich sofort impfen lassen, wenn sie die Gelegenheit hätten.