Sicht von der Bühne auf die Sitze

Das Trauerspiel der Kölner Oper. Sanierungsdrama, letzter Akt.

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Im September 2026 sollen die Kölner Oper und das Schauspielhaus endlich wiedereröffnet werden. 14 Jahre hat die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudeensembles gedauert - immer wieder wurde die Fertigstellung verschoben, die Premiere wegen bautechnischer Mängel abgesagt: Rund 250 Millionen Euro sollte es ursprünglich kosten – inzwischen summieren sich die Gesamtbaukosten auf nahezu 1,5 Milliarden Euro.

Wie konnte diese öffentliche Baumaßnahme derart aus dem Ruder laufen? „Die Sanierung der Bühnen Köln war eine schwierige, eine lange und eine teure Geschichte. Sie hat die Stadtkasse in ohnehin herausfordernden Zeiten stark belastet – und wird das noch für Jahrzehnte tun. Sie hat Vertrauen gekostet“, resümiert der Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester.

Bauarbeiter im Bühnensaal

Fehlende Planung, unklare Zuständigkeiten und tausende Baumängel.

Interne Dokumente belegen das Versagen der städtischen Verantwortlichen. Den eisernen Grundsatz „erst planen, dann bauen“ ignorierten sie und begannen Mitte 2012 die komplexen Sanierungsarbeiten, obwohl die notwendigen Planungen noch immer nicht abgeschlossen waren. Beteiligte Firmen hatten noch vor Baubeginn gewarnt – vor „Planungsmängeln“ und „unweigerlich entstehenden Problemen im Projektablauf“. Vergeblich.

Bauherr waren die Bühnen der Stadt Köln – sie drängten darauf, den ehrgeizigen Zeitplan einzuhalten. Experten, wie der Verwaltungswissenschaftler Dr. Wolfgang Seibel, sehen darin ein schwerwiegendes Organisationsversagen: Die Bühnen der Stadt Köln seien weder personell noch fachlich geeignet gewesen, eine solche Sanierungsmaßnahme durchzuführen. 2015 mussten die Arbeiten gestoppt werden, mehr als 8.000 Mängel gab es auf der Baustelle. Die komplette Haustechnik wurde ausgebaut, neugeplant und erneuert. Trotz anhaltender Schwierigkeiten verkündete die Stadt immer wieder neue Fertigstellungstermine, die dann doch verschoben werden mussten.

Feuerwehrautos vor dem Operngebäude

Die Feuerwehr überprüft den Brandschutz.

Im Rat der Stadt Köln formierte sich Widerstand. Anfang September 2024 wurde das städtische Rechnungsprüfungsamt beauftragt, die Vorgänge zu untersuchen. Das Ergebnis der Prüfer war verheerend. Das Amt stellte in zwei internen Berichten planerische und bauliche Mängel, fehlende Zuständigkeiten und Projektverantwortung sowie eine fehlerhafte Terminplanung fest. Dutzende von Aufträgen im Wert von mehr als 145 Mio. Euro waren zudem ohne ordnungsgemäßes Verfahren vergeben worden.

Ende 2025 wurden die Sanierungsarbeiten an der Oper und dem Schauspielhaus nun offiziell abgeschlossen. Während die bautechnischen Abnahmen und behördlichen Prüfungen auf der Baustelle noch laufen, ziehen schon die Oper und das Schauspielhaus aus ihren Interimsspielstätten zurück in die sanierten Gebäude.

Wird diesmal alles klappen? Und wer übernimmt am Ende die Verantwortung für das Milliardendesaster?

Ein Film von Georg Wellmann und Ingolf Gritschneder

Redaktion: Gudrun Wolter

Dieser Film wurde im Jahr 2026 produziert. Alle Aussagen und Fakten entsprechen dem damaligen Stand und wurden seitdem nicht aktualisiert.