- Sendehinweis: Hier und heute | 16. Oktober 2025, 16.15 - 18.00 Uhr | WDR
Das Gleichgewicht hilft uns, sicher zu stehen, zu gehen und uns im Alltag zu bewegen. Besonders im Alter wird ein gutes Gleichgewicht immer wichtiger, denn es kann Stürze, Knochenbrüche und Kopfverletzungen verhindern.
Wie unser Gleichgewicht funktioniert
Das Innenohr ist wichtig für den Gleichgewichtssinn.
Damit wir stabil durchs Leben gehen können, arbeiten mehrere Körpersysteme zusammen: das Gleichgewichtsorgan im Innenohr, die Augen, die Tiefensensibilität in Muskeln und Gelenken sowie das Gehirn. Wird eines dieser Systeme gestört – etwa durch Alter, Krankheit oder Verletzung – leidet das Gleichgewicht sofort. Mit dem Älterwerden nimmt außerdem die Reaktionsgeschwindigkeit ab, was das Risiko für Stürze erhöht. Deshalb gilt es, das Gleichgewicht regelmäßig zu trainieren – in jedem Alter.
Prävention statt Risiko
Am besten beginnt man mit dem Gleichgewichtstraining, bevor Probleme auftreten – idealerweise ab dem 40. Lebensjahr, spätestens aber ab 60.
Warnsignale erkennen
Ein unsicherer Gang, häufiges Stolpern, Schwindel oder ein auffällig breiter Stand können Hinweise darauf sein, dass das Gleichgewicht nachlässt. Auch kurze Schritte oder das Gefühl, instabil zu sein, sind typische Warnzeichen. Moderne Analysen – etwa per Video – machen solche Veränderungen sichtbar und helfen bei gezieltem Training.
Ursachen für Gleichgewichtsstörungen
Mögliche Auslöser sind Muskelabbau, Nervenschäden (z. B. Polyneuropathie), Störungen im Innenohr oder neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Parkinson oder Multiple Sklerose. Doch auch bei solchen Erkrankungen kann gezieltes Training helfen. Das Gehirn bleibt ein Leben lang lernfähig.
Übungen für mehr Balance im Alltag
Gleichgewichtstraining ist von zu Hause aus möglich.
Es braucht kein Fitnessstudio, um das Gleichgewicht zu trainieren. Schon einfache Übungen wie Zähneputzen im Einbeinstand oder langsames Gehen auf einer gedachten Linie fördern Koordination und Stabilität. Chaled Qarizada empfiehlt zudem:
- Fersen-Zehengang: Dabei trainieren Sie Balance und Konzentration gleichzeitig
- Sensopro-Training: ein spezielles Gerät für sicheres, alltagsnahes Koordinationstraining
- Heimprogramme: Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, gibt es angeleitete Übungen, die auch im Sitzen oder mit Unterstützung durchgeführt werden können.
- Balance-Training mit Hilfsmitteln: Auch einfache Trainingsgeräte können helfen, das Gleichgewicht zu verbessern: Airex-Schaumstoffmatten, Bosu-Bälle (Halbball mit fester Unterlage), Faszienbälle zur Förderung der Tiefensensibilität.
Solche Hilfsmittel gibt es mittlerweile nicht nur im Fachhandel, sondern auch im Discounter. Qarizada rät beim Kauf: „Wichtig ist, dass die Produkte rutschfest, stabil und dem eigenen Fitnesslevel angepasst sind. Lieber einfach starten und sich steigern.“
Wer regelmäßig trainiert, am besten täglich zehn Minuten, kann meist schon nach drei bis vier Wochen Verbesserungen spüren. Bei Menschen mit neurologischen Erkrankungen dauert es oft länger, aber Fortschritte sind auch hier messbar und spürbar.
Gleichgewicht ganz einfach testen
Einfach mal ausprobieren: Der sogenannte Flamingo-Test – auf einem Bein stehen und die Balance halten. Wer dabei wackelt, sollte sein Gleichgewichtstraining vielleicht nicht länger aufschieben.