- Sendehinweis: Menschen hautnah | 8. Oktober 2026, 22.45 - 23.30 Uhr | WDR
Ein Angeklagter wird von zwei Wachtmeistern in den Saal 7 des Kölner Landgerichts geführt. Er soll seine Stieftochter über viele Jahre sexuell missbraucht haben, bis zu 15 Jahre Haft drohen ihm. Der Richter, der das Urteil über ihn sprechen wird, heißt Christoph Kaufmann, seit über 20 Jahren schon ist er am Kölner Landgericht.
Angespannte Stimmung vor dem Urteil.
Als Vorsitzender Richter verhandelt er „Jugendschutzsachen", eine harmlos klingende Umschreibung dessen, was für viele schlimmer ist als Mord: sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen. Kein Richter, keine Richterin in Deutschland hat so viel Erfahrung mit der strafrechtlichen Aufarbeitung dieses Delikts, das oft menschliche Abgründe offenbart, die auch für einen Richter manchmal schwer zu ertragen sind.
Richter Christoph Kaufmann verhandelt seit über 20 Jahren Fälle von sexuellem Missbrauch.
Es gab Zeiten, in denen Kaufmanns 2. Große Strafkammer am Kölner Landgericht als „Schmuddelkammer" bezeichnet wurde.
In Deutschland wohl der erfahrenste Richter bei der strafrechtlichen Aufarbeitung.
Viele Juristen machen meiden diesen Bereich. Kaufmann weiß warum: „Nirgends ist die Wahrheitsfindung für einen Richter schwieriger." Wenn es um sexuelle Gewalt geht, steht oft Aussage gegen Aussage. Selten gibt es Fotos oder Videos, auf denen die Täter zu sehen sind. „Meistens sind unsere einzigen Beweismittel die Erinnerungsbilder der fraglichen Opfer." Es sind fragile Beweise, weil die Taten oft sehr lang zurückliegen, die Erinnerungen an die traumatisierenden Erlebnisse sich verformt haben könnten oder verdrängt wurden.
Zwischenstation für verurteilte Täter: der Gewahrsam des Landgerichts Köln
Es ist das erste Mal, dass ein Richter bereit ist, Einblick in seinen Arbeitsalltag am Gericht zu geben. : Welche innere Haltung braucht es, um als Jurist diese Arbeit zu tun?
Landgericht Köln.
Ein Film von Cornelia Übel
Redaktion: Gudrun Wolter
Dieser Film wurde im Jahr 2026 produziert. Alle Aussagen und Fakten entsprechen dem damaligen Stand und wurden seitdem nicht aktualisiert.