Steigt der Hass gegen Zoos?

Bildquelle: dpa / Daniel Karmann

Aktuelle Stunde 06.08.2025 34:17 Min. UT Verfügbar bis 06.08.2027 WDR Von Birgit Grigo

Nach Pavian-Tötungen: Wieso Zoos gesunde Tiere töten

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Nach der Tötung von zwölf Pavianen im Tiergarten Nürnberg erhält der Direktor Morddrohungen. Zehn Fälle hat der Zoo inzwischen angezeigt, hunderte Fälle liegen zur Prüfung bei der Polizei. Der Tiergarten geht auf WDR-Anfrage davon aus, dass noch die ganze Woche Proteste vor seinen Toren stattfinden. Die (nicht ganz neue) Debatte ist aufgeheizt. Doch warum töten Zoos überhaupt gesunde Tiere?

Von Stefan Erdmann

Die zwölf Paviane im Tiergarten Nürnberg stammen aus einer über Jahre gewachsenen Gruppe. Über 40 Tiere lebten teilweise in der Anlage - zu viele für das vorhandene Gehege. Der Tiergarten begründete die Tötung mit Platzmangel und damit, dass alle Vermittlungsversuche gescheitert waren.

Gezielte Zuchtprogramme und Überpopulation

Zoos sind keine Tierheime, sondern zumeist Teil eines internationalen Artenschutz-Netzwerks. In europäischen Erhaltungszuchtprogrammen wird gezielt nachgezüchtet - oft mit dem Ziel, bedrohte Arten langfristig zu erhalten und genetisch stabile Populationen aufzubauen. Dabei entstehen jedoch immer wieder sogenannte "Überbestände".

Vor allem männliche Tiere gelten als schwer vermittelbar. Da viele Arten wie Paviane oder Löwen in freier Natur von kleinen Männchengruppen oder Alphatieren dominiert werden, können Zoos oft nicht mehrere adulte Männchen in einem Gehege halten. Kastration oder Verhütung sind bei vielen Tierarten entweder nicht praktikabel oder aus genetischer Sicht unerwünscht.

Jeder Einzelfall wird geprüft

Die Tötung von Tieren ist laut Tierschutzgesetz (§ 17 TierSchG) nur mit "vernünftigem Grund" erlaubt. In Zoos kann das der Fall sein, wenn Platz fehlt, Tiere nicht vermittelbar sind und ihre Haltung das Wohl der Gesamtgruppe gefährdet. Dabei wird jeder Einzelfall geprüft - von wissenschaftlichen Mitarbeitern, Tierärzten und oft auch Ethikkommissionen.

Im Nürnberger Fall schreibt der Tiergarten, Anhaltspunkte für die Entscheidungen seien unter anderem die Altersstruktur innerhalb der Gruppe gewesen, das Geschlechterverhältnis, der Trainingszustand des Tieres und ob Weibchen trächtig sind beziehungsweise ein Jungtier säugen.

Der Versuch, Tiere in andere Einrichtungen abzugeben, sei mehrfach gescheitert - kein Zoo habe die Paviane übernehmen wollen. Letztlich wurden zwölf Tiere eingeschläfert, einige als Futter verwertet.

Rechtfertigt Artenschutz die Tötung?

Bei der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth sind mittlerweile rund 350 Anzeigen wegen der Tötung der Paviane eingegangen. Die Behörde prüft laut einer Sprecherin in erster Linie, ob im Sinne des Paragrafen 17 des Tierschutzgesetzes ein vernünftiger Grund für die Tötung der Tiere vorlag.

Bekam Morddrohungen: Dag Encke, Direktor des Nürnberger Tiergartens | Bildquelle: IMAGO/Ardan Fuessmann

Die Organisation Pro Wildlife plädiert dafür, die Anzahl der Nachzuchten stärker zu regulieren, um solche Entscheidungen zu vermeiden. Sie nennt es einen "Skandal", dass der Tiergarten Nürnberg weiterzüchten möchte.

Kritik nicht nur an Tötungen, sondern an Zoos generell

Die Tötungen aus Platzmangel in den Gehegen befeuern die generelle Kritik an Zoos und Tierparks, die es seit Jahren gibt. So kritisieren die Aktivisten von Peta unter anderem den Betrieb der beiden letzten Delfinarien in Deutschland - neben Nürnberg auch im Zoo Duisburg. Tiere würden hier großem Stress ausgesetzt, als Show-Clowns missbraucht, müssten Kunststücke aufführen.

Demonstration gegen die Tötung von Pavianen im Tiergarten in Nürnberg. | Bildquelle: IMAGO/Ardan Fuessmann

Außerdem verweisen die Zoo-Kritiker darauf, dass viele Tiere in Gefangenschaft verhaltensauffällig seien. So zeige ein Großteil der Elefanten in US- und europäischen Zoos ein gestörtes Verhalten, indem sie mit Köpfen und Körper wackelten.

Und selbst moderne Gehege könnten natürliche Lebensräume der meisten Tiere nicht ersetzen, heißt es weiter.

Tötung in Zoos nicht unüblich

Die Europäische Zoo-Vereinigung EAZA hat 2014 auf BBC-Anfrage eine Schätzung ausgegeben, nach der jährlich zwischen 3.000 und 5.000 Tiere in Zoos getötet werden, darunter ein paar hundert größere Tiere. Zum Teil, wie in Nürnberg, weil der Platz fehlt und keine Vermittlungsmöglichkeiten für die Tiere bestehen.

Ein Löwe frisst 2014 Teile des getöteten Giraffenbullen Marius im Kopenhagener Zoo | Bildquelle: Kasper Palsnov / dpa

Es geht aber auch darum, eine gute Zucht zu ermöglichen - und beispielsweise Inzucht zu verhindern. So wie 2014 bei Giraffenbulle Marius im Kopenhagener Zoo: Ein Tierarzt hat ihn öffentlich seziert, später hat der Zoo die Giraffe an Löwen verfüttert. Marius war gesund, aber seine Gene waren in der Zuchtpopulation ausreichend vertreten. Um den Genpool ausgewogen zu halten, sollte er nicht weiterverpaart werden.

Aber - die Zoos sagen auch: Ein Tier zu töten ist immer das letzte Mittel der Wahl. Der Tiergarten Nürnberg schreibt, das Töten sei der schwierigste Weg gewesen, das "geht ausnahmslos allen [Mitarbeitern] sehr nahe."

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