Touristen vor dem Kölner Dom

Touristen vor dem Kölner Dom: NRW ist kein klassisches Urlaubsland

Bildquelle: WDR / dpa

Urlaub im Westen Ohne Berge und Meer hat's NRW schwer

Stand:

Hitze, hohe Kosten, kürzere Reisen: Viele Unterkünfte in NRW blicken ernüchtert auf den Sommer.

Von
Heiko Dolle
Heiko Dolle
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Julian Piepkorn
und
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Marco Poltronieri

"Urlaub in NRW boomt", so schreibt es der Tourismusverband NRW auf seiner Webseite. 5,2 Millionen mehrtägige Urlaubsreisen gab es 2025, 40 Prozent mehr als 2019, vor der Corona-Pandemie. Auch das Statistische Landesamt verzeichnet im Juni 2026 mehr Gäste als im Vorjahr. Grund zur Freude also? Vor Ort fällt die Bilanz deutlich gemischter aus.

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Jugendherbergen sind ernüchtert

Kevin Deppe zuckt nur mit den Schultern. In seiner Jugendherberge im oberbergischen Waldbröl sind die Gästezahlen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 15 Prozent eingebrochen. Und das, obwohl man am Baumwipfelpfad Panabora in Baumhäusern oder echten asiatischen Jurten schlafen kann.

Der Sommer war einfach zu heiß, vermutet Deppe. Und die Spritpreise seien zu hoch. Viele Familien überlegten sich zweimal, ob sie zum Beispiel aus dem Rheinland ins Oberbergische fahren. Eine Entwickung, die sich in den meisten Jugendherbergen vom Niederrhein bis zur Eifel abzeichnet. Und wer kommt, bleibe oft nur kurz.

Ein Mann steht vor einem Wegweiser zu den Baumhäusern.

Kevin Deppe leitet die Jugendherberge Panabora

Bildquelle: WDR / Piepkorn

Genau das zeigen auch die Daten des Statistischen Landesamts: Mehrtägige Urlaubsreisen sind in NRW selten.

Der Hotelverband DEHOGA NRW sagt, nicht Touristen, sondern Geschäftsreisende seien für viele Häuser weiter die wichtigsten Gäste, gefolgt von Kurzurlaubern und Städtereisenden. Klar sei aber: Ohne Berge und Meer sei NRW eben kein klassisches Urlaubsziel.

Da aktuelle Gästedaten bislang nur bis Juni vorliegen, hat der WDR bei Tourismusverbänden und Hoteliers in mehreren Regionen nachgefragt.

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Bergisches Land

Verhalten optimistisch blicken die Unterkünfte im Bergischen auf die aktuelle Sommersaison. Die Region werde für Freizeitreisende immer attraktiver, heißt es vom Tourismusverband "Das Bergische". Dennoch: Bei einer stichprobenartigen Umfrage sagte die Mehrheit der Betriebe, dass die Buchungslage in der aktuellen Feriensaison schlechter als im vergangenen Jahr sei.

Ein Baumhaus aus Holz mit erleuchtetem Schlafzimmer.

Baumhaus der Jugendherberge Panabora

Bildquelle: WDR / Piepkorn

Hoteliers bestätigen diesen Eindruck: Klassische Urlaubsgäste seien im Bergischen Land weiterhin eher die Ausnahme. Geschäftsreisende, die zu den Messen nach Köln oder Düsseldorf wollen, seien weiterhin die wichtigsten Gäste.

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Stadt Münster und Münsterland

Das Historische Rathaus in Münster

Das Historische Rathaus in Münster

Bildquelle: IMAGO/imagebroker

Positiver fällt die Bilanz in Münster und dem Münsterland aus: Die Touristikbranche ist mit den Sommerferien und der ersten Halbjahresbilanz insgesamt zufrieden. Die westfälische Metropole Münster besuchten im ersten Halbjahr rund 380.000 Menschen. Das sind 3,5 Prozent mehr Übernachtungsgäste als im gleichen Zeitraum des letzten Jahres.

Die Zahl der Übernachtungen ist hingegen leicht zurückgegangen. Es kommen also mehr Besucher, aber die Gäste bleiben nicht mehr so lange wie früher.

Eine Frau sitzt am Schreibtisch.
"Im Sommer war bei uns ein bisschen weniger los als sonst. Es ist nicht mehr so wie früher. Und das ist dem heißen Wetter geschuldet – wenn es sehr heiß oder zu heiß ist, buchen Touristen lieber zu einem anderen Zeitpunkt. Das haben wir schon auch gespürt." Bernadette Spinnen, Stadt Münster

Münster punkte weiterhin als Fahrrad-/Freizeitstadt, als Wissenschafts- und Studentenstadt mit viel grüner Urbanität, sagt Tourismus-Chefin Bernadette Spinnen. Nach Köln und Düsseldorf liegt die Stadt bei den Übernachtungen auf Platz 3 in NRW. Allerdings beeinflusse das Wetter die Buchungslage zunehmend.

Ähnlich fällt die Sommerbilanz im Münsterland aus. Dort waren vor allem Urlaub auf dem Bauernhof, Ferienwohnungen und Camping gefragt. "Die Zahl der Gäste ist zumindest gleichgeblieben, sogar leicht gestiegen", bilanziert Michael Kösters von der Münsterland-Touristik. Aber auch hier gilt: Die Gäste bleiben nicht mehr so lange wie früher. Einige Touren wurden sogar wegen der Hitze storniert, sagt Kösters.

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Sauerland

Bis Ende Juni zählte Winterberg 6,4 Prozent mehr Übernachtungen als im Vorjahr. Vor allem der Mai sticht hervor, mit einem Plus von über 15 Prozent. Beim Tagestourismus ist die Stimmung gemischter. Der Panoramapark Kirchhundem ist zufrieden – auch wenn Hitze und Trockenheit den Betreibern zu schaffen machten. Für Schwung sorgte der neue Rutschenturm "Ramas Rutschenriese", der in diesem Sommer richtig gut ankam.

Die neue Attraktion im Panoramapark, „Ramas Rutschenriese“.

Im AquaMagis in Plettenberg zieht es Gäste bei Hitze eher ins Freibad: Statt der erhofften 1.500 kamen im Schnitt nur 1.200 Besucher täglich. Ganz unzufrieden ist man trotzdem nicht, denn seit Jahresanfang lockt dort der "ShootingSTAR" – Deutschlands höchste Outdoor-Wasserrutsche. Auch das angeschlossene Ferienresort war bei Sportteams gefragt, die sich hier auf die neue Saison vorbereiteten.

Tourismus-Chefin Michaela Pelz freut sich, mahnt aber: Nicht nur die Zahl der Gäste zählt, sondern dass sie zufrieden sind und gerne wiederkommen.

Das Sauerland steht auch für einen Boom beim Campingurlaub: Ferienanlagen berichten von Rekorden bei den Besucherzahlen. So hatte der Campingplatz "Vier Jahreszeiten" in Olpe am Biggesee im Juli ein sattes Plus von 20 Prozent bei den Übernachtungen und insgesamt 13.000 Besucher.

Und das trotz - oder gerade wegen - der hohen Spritpreise: Denn viele der Campinggäste am Biggesee kamen aus dem näheren Umfeld.

Urlaub im Westen: Ohne Berge und Meer hat´s NRW schwer

WDR 01.09.2026 2 Min. 57 Sek. Verfügbar bis 31.08.2028

Unsere Quellen:

  • IT-NRW (Statistisches Landesamt)
  • Tourismusverband NRW
  • DEHOGA NRW
  • Tourismusverbände im Bergischen Land, Münster, Münsterland und Siegerland
  • WDR-Gespräch mit Kevin Deppe, Leiter der Jugendherberge Panabora in Waldbröl

Sendung: WDR 5, Morgenecho, 31.08.2026, 6 Uhr

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