Ob in der Villa Zanders in Bergisch Gladbach, im Kolumba in Köln oder im Josef Albers Museum Quadrat Bottrop: Mehr und mehr Museen entdecken das Thema Mental Health für sich. Das Angebot reicht von Yoga über regelmäßige Kurzmeditationen hin zu geführten Betrachtungen von Kunstwerken.
Ein neuer Trend
Für Linda Walther, Direktorin des Josef Albers Museums, ist das kein modischer Zusatz, sondern eine Erweiterung des Bildungsauftrags: „Wir sind natürlich als Museen Institutionen, die im Dienste der Gesellschaft stehen und mit dazu beitragen können, dass man ein resilientes Mitglied der Gesellschaft ist und bleibt“, sagt sie.
Museen hätten weiterhin ihre klassischen Aufgaben – sammeln, bewahren, forschen, ausstellen, vermitteln. Gleichzeitig könnten sie Räume bieten, in denen Besucherinnen und Besucher ihre Wahrnehmung schärfen, ins Gespräch kommen und auf verschiedenen Ebenen in die Kunst eintauchen.
Wie läuft eine Meditation im Museum ab?
In Bottrop findet die Meditation in der Dauerausstellung zum Künstler Josef Albers statt. Eine ausgebildete Yoga- und Achtsamkeitstrainerin gestaltet die Einheiten. Für jedes Treffen wählt sie ein konkretes Bild von Josef Albers aus.
Die Teilnehmenden sitzen auf Meditationskissen oder Sitzsäcken direkt vor dem Werk. Rund 30 Minuten lang gibt es etwa Übungen zur Farbwahrnehmung oder zur Atmung.
Anschließend bleibt Zeit, bei einem Tee miteinander ins Gespräch zu kommen oder die Erfahrung für sich nachklingen zu lassen. Die Architektur des Museums mit viel Glas und Blick ins Grüne unterstützt die ruhige Atmosphäre.
Ausstellungsraum im Josef Albers Museum mit Aussicht ins Grüne
Bildquelle: Josef Albers Museum Quadrant BottropJosef Albers selbst, bekannt für seine Farbfeldserien, wollte "meditative Ikonen des 20. Jahrhunderts" schaffen. Die Konzentration auf Farbe und Form bietet ideale Voraussetzungen für eine achtsame Kunstbetrachtung.
Wolhbefinden als Auftrag
Der Internationale Museumsrat hat schon vor einigen Jahren betont, dass Museen Orte des Wohlbefindens werden und eine Kultur der Fürsorge und Wertschätzung fördern sollen.
Museen sollten inklusiv, nachhaltig und barrierefreie sein und diverse Initiativen anbieten. Jedes Haus kann dabei prüfen, was zum eigenen Profil passt. „Wir sind mit Albers, mit Farbe, mit Natur und Ruhe im Raum prädestiniert dafür, uns mit dem Thema zu beschäftigen", sagt Linda Walther vom Bottroper Josef Albers Museum.
Wichtig ist ihr aber eine klare Abgrenzung: „Das ist kein Therapieangebot. Wir können Medizinerinnen und Therapeuten nicht ersetzen.“ Museen könnten das „Gesamtpaket mentales Wohlbefinden“ unterstützen - durch die Kernkompetenz Kunst- und Kulturvermittlung, so Walther.
Kostenlos und für alle zugänglich
Damit möglichst viele Menschen Zugang zu den Angeboten haben, spielt Barrierefreiheit eine große Rolle – nicht nur baulich, sondern auch finanziell. Für die Meditationen gibt es laut Josef Albers Museum Förderer, dadurch können sie kostenlos angeboten werden.
Yoga-Führung im Düsseldorfer Kunstpalast
Bildquelle: Christoph Reichwein / dpaDie Meditation findet derzeit an jedem zweiten Donnerstag im Monat um 17.30 Uhr statt. Die Plätze sind begrenzt, eine Anmeldung ist aber nicht zwingend erforderlich, das Angebot ist offen.
Museen können so zu Orten werden, an denen Menschen nicht nur Kunst erleben, sondern auch zur Ruhe kommen, sich konzentrieren, ins Gespräch kommen – und ein Stück seelische Stabilität zurückgewinnen.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Linda Walther, Direktorin Josef Albers Museum Quadrat in Bottrop
Sendung: WDR 3, Westart, 13.08.2026, 12:10 Uhr