Niedrigwasser

Was jetzt ans Licht kommt

Stand:

Die Hitze lässt die Pegel in Flüssen sinken - für Archäologen ein Grund, ganz genau hinzusehen.

Von Nicola Reyk

Wenn sich das Wasser der Flüsse zurückzieht, werden verborgene Welten sichtbar. An den ausgetrockneten Ufern lassen sich nicht nur Muscheln und weggeworfene Gegenstände entdecken - sondern auch archäologische Fundstücke. Für Manuel Zeiler, Archäologe beim LWL - Landschaftsverband Westfalen-Lippe - sind besonders Brückenfundamente spannend, die jetzt auftauchen. Er berichtet von einem Fund bei Arnslecht, wo durch die niedrigen Pegel alte Brückenfundamente aus Holz frei liegen. Daran könne man jetzt sehen, wo die alten Brücken waren und bis wohin das Ufer früher reichte.

Unscheinbar, aber potenziell gefährlich: alte Granate bei Düsseldorf. | Bildquelle: Blockblocks Cleanup gGmbH

Gefährlich wird's, wenn Kriegsmunition auftaucht

Nicht alle Funde sind harmlos. Immer wieder legt das sinkende Wasser Relikte des Krieges frei: Munition oder ganze Schiffe. Das ist dann spektakulär und medienwirksam - aber eben auch potenziell gefährlich. Aus den großen Wasserstrassen wie dem Rhein wurden diese Überbleibsel aus dem Krieg deshalb laut Zeiler längst geräumt. Anders zum Beispiel in Serbien, wo die Wehrmacht bei Kriegsende ganze Schlachtschiffe versenkt hat - die immer noch tief unter Wasser liegen.

Ein lachendes und ein weinendes Auge

So spannend neue Funde für die Archäologen sind, sie sehen die Trockenheit auch mit Sorge. Denn das Wasser schützt auch. Alte Holzstrukturen und andere organische Materialien bleiben unter Wasser und abgeschlossen von Sauerstoff sehr lange erhalten - während sie im Trockenen schnell zerfallen.

"Flüsse und Feuchtgebiete sind wichtige Archive." Manuel Zeiler, Archäologe Landschaftsverband Westfalen-Lippe

Feuchte Ufergebiete schützen auch auf den ersten Blick Unspektakuläres wie Pollen. Die sind für die Forschung wichtige Informationsspeicher und geben Aufschluss über die Landschaftsgeschichte über tausende von Jahre.Wenn die Böden austrocknen, sind diese Informationsspeicher verloren. Für Zeiler ist deshalb klar: Das Wasser konserviert mehr, als es zerstört.

Der Archäologe Manuel Zeiler mit eisenzeitlichen Beilen von den Bruchhauser-Steinen. | Bildquelle: picture alliance / dpa / Dieter Menne

Ein einziger Fund kann die Wirtschaftsgeschichte der Region auf den Kopf stellen

Wie wichtig der einzelne Fund ist, hängt eng mit dem Fundort zusammen. Letzten März fanden die LWL-Archäologen in den Bruchhauser Steinen im Sauerland eisenzeitliche Waffenteile, die für die weitere Forschung wichtig sind. Zeiler erzählt außerdem, dass am Oberlauf der Ruhr mal ein Schaufelblatt entdeckt wurde, das zu einem kleinen Wasserrad gehörte. Die Archäologen fanden heraus, dass das Blatt aus dem 12 . Jahrhundert stammte - und das änderte die Sicht auf die gesamte Regionalgeschichte. Denn mit diesem Fund wurde plötzlich klar, dass im oberen Ruhr-Tal schon so früh eine Mühle oder eine Hütte betrieben wurde. Hätte man dieses Objekt in Dortmund gefunden, wäre das keine Sensation gewesen.

Archäologie und Niedrigwasser

Bildquelle: WDR/Michelle Mink

WDR 3 Resonanzen 03.08.2026 09:32 Min. Verfügbar bis 03.08.2027 WDR 3

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Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Manuel Zeiler, Archäologe Landschaftsverband Westfalen-Lippe

Sendung: WDR 3, Resonanzen, 03.08.2026, 19:05 Uhr