Hitze und Dürre bedrohen Parks : Baumriesen in Not
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Im Park von Schloss Dyck bei Jüchen sterben jahrhundertealte Bäume. Wie pflanzt man angesichts des Klimawandels den Park der Zukunft? Das haben wir Jens Spanjer gefragt. Der Landschaftsarchitekt ist geschäftsführender Vorstand der Stiftung Schloss Dyck.
WDR: Wie wirken sich die häufigeren Hitzewellen auf die historischen Gartenanlagen aus? Zum Beispiel auf den Park von Schloss Dyck?
Jens Spanjer: Wenn wir längere Trockenperioden haben, dann ist der Wassermangel das große Thema. Ein Problem, mit dem wir schon länger zu tun haben. In diesem Jahr ist die Situation wieder dramatisch und der Wassermangel macht uns sehr zu schaffen.
WDR: Im Park von Schloss Dyck gibt es ja zum Teil jahrhundertealte Baumbestände. Wie geht es denen?
Spanjer: Ab 2008 beginnend hatten wir einen sehr hohen Ausfall: hitzebedingt und trockenheitsbedingt. Wir haben jetzt noch etwa 400 Bäume. Wir hatten früher 2.600 Bäume. Verloren haben wir vor allem große, alte Bäume, darunter viele Buchen. Wir haben klimaresistente Baumarten nachgepflanzt und führen Maßnahmen zur Vitalitätssteigerung durch. Die Bäume in den historischen Gärten dürfen und sollen alt werden.
WDR: Was brauchen die Bäume?
Spanjer: Sie brauchen mehr Pflege und möglichst gute Versorgung mit Wasser und Nährstoffen. Auch Schädlingsbekämpfung ist ein wichtiges Thema. Wir fördern Biodiversität, um möglichst vieles im Gleichgewicht zu halten. Insgesamt gehen wir heute mit einem ganzheitlichen Ansatz an die Pflege unserer Gärten heran.
Die Rückkehr der Exoten
WDR: Bei Ihnen gibt es einen Englischen Landschaftsgarten, der wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts gegründet, mit einer ganz umfangreichen Pflanzensammlung. Profitieren Sie von diesem reichen, kulturgeschichtlichen und botanischen Wissen jetzt? Gibt es da vielleicht besonders robuste Baumarten aus anderen Klimazonen?
Spanjer: Da sind wir tatsächlich ein Sonderfall. Landschaftsgärten in Deutschland bestehen oft stark aus wenigen, heimischen Baumarten. Schloss Dyck hat mit seinem englischen Landschaftsgarten eine Sonderstellung, weil er damals als Pflanzensammlung angelegt wurde. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war hier ein Ort, wo aus der ganzen Welt Bäume und Pflanzen zusammengetragen wurden. Auch sehr viele exotische Baumarten. Wir können heute sehen, wie diese Bäume sich verhalten. In der heutigen Situation des Klimawandels teils viel besser als die heimischen Arten.
WDR: Welche Arten sind das?
Spanjer: Wir haben zum Beispiel den nordamerikanischen Tulpenbaum. Dem geht es mit dieser Trockenheit viel besser als vorher. Oder Eichenarten aus Südeuropa und anderen Kontinenten. Daraus können wir Rückschlüsse ziehen, was wir zukünftig pflanzen. Das ist ein äußerst spannendes Feld. Wir pflanzen heute anders nach, als man es vielleicht früher in Gartendenkmälern gemacht hat. Wir schauen viel mehr danach: was funktioniert zukünftig auch bei neuen Klimabedingungen.
Parks als lebende Denkmäler
WDR: Was heißt das für die kulturelle Identität und auch den Denkmalwert von solchen Landschaftsgärten, wenn andere Baumarten gepflanzt werden?
Spanjer: Das ist immer eine Gratwanderung. Wir wollen natürlich das historische Bild bestmöglich erhalten. Das ist die Idee der Gartendenkmalpflege. Dennoch haben wir es mit lebenden Denkmälern zu tun. Da gibt es immer einen Wandel. Wenn wir jetzt einen besonderen Standort mit Buchen oder Eichen haben, dann pflanzen wir dort weiterhin Buchen und Eichen. Aber was die Experten uns sagen: Wir dürfen nicht mehr ganz eingleisig denken, sondern wir müssen versuchen, Parkanlagen viel diverser zu gestalten.
WDR: Und wie machen Sie das?
Spanjer: Buchen sind ein ein gutes Beispiel, weil unser Park hier im Schloss Dyck zu einem großen Teil aus Buchen besteht. Wir versuchen zu stärken, was jetzt noch gut steht und sich gut vermehren kann. Wir gehen aber auch mit neuen Arten hinein, Buchen die aus anderen Klimazonen kommen. Wir haben beispielsweise die amerikanische Buche oder die orientalische Buche. Bei den Eichen versuchen wir es auch einmal mit der ungarischen Eiche. Wir bleiben bei den Baumarten, versuchen aber durch eine Vielfalt den Park für die Zukunft lebensfähig zu machen. Wir wissen einfach nicht was in zehn, 20 oder 30 Jahren funktioniert.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Jens Spanjer
Sendung: WDR 3, Westart, 29.07.2026, 12:10 Uhr