Symbolbild: Deutschlandticket

Deutschlandticket: Bund und Länder vertagen Entscheidung

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Wie es mit dem Deutschlandticket über 2025 hinaus weitergeht, ist vorerst offen. Bund und Länder haben eine Entscheidung vertagt. NRW-Verkehrsminister Krischer ist optimistisch, dass sich beide Seiten einigen.

Für Fahrgäste und die Verkehrsbranche gibt es nach wie vor keine Sicherheit, wie es mit dem Deutschlandticket über 2025 hinaus weitergeht. Die Verkehrsministerinnen und -minister von Bund und Ländern konnten sich am Freitag auf einem Treffen in Berlin nicht auf eine weitere Finanzierung ab dem kommenden Jahr einigen. Knackpunkt bleibt, wie mögliche Mehrkosten für die Verkehrsunternehmen ausgeglichen werden sollen. Auch über den künftigen Preis des Abos, der bisher bei 58 Euro pro Monat liegt, gab es kein Übereinkommen.

"Wir Länder, wir stehen zum Deutschlandticket", sagte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) im Anschluss an die Sitzung. Mehr als die 1,5 Milliarden Euro, die die Länder bisher zugesagt haben, könnten diese aber nicht mehr zahlen, betonte er. Bayern hat derzeit den Vorsitz in der Verkehrsministerkonferenz (VMK). Bernreiter verwies auf weitere Verhandlungen auf der nächsten regulären VMK-Sitzung im Herbst in Straubing.

Wie viele Menschen nutzen das Deutschlandticket?

Das Deutschlandticket ist beliebt: Für einen monatlichen Festpreis kann man damit quer durch Deutschland mit dem Regionalzug fahren - nicht im ICE wohlgemerkt - und überall mit Bus und Bahn.

Laut Bundesregierung haben derzeit bundesweit rund 14 Millionen Menschen ein Deutschlandticket abonniert. Allein im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) fahren 1,7 Millionen Menschen mit dem Ticket, im Verbund Rhein Sieg (VRS) sind es über 800.000.

Wie teuer ist das Deutschlandticket aktuell?

Gestartet war das Ticket für einen Preis von neun Euro. Dann wurde auf 49 Euro erhöht, und seit Anfang des Jahres kostet es regulär 58 Euro - wegen gestiegener Betriebskosten, wie es offiziell heißt. Trotz Preiserhöhung sei die Nachfrage weitgehend stabil geblieben, melden die Verkehrsverbünde. 

Laut Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) konnten Nutzerinnen und Nutzer mit dem Deutschland-Ticket pro Monat 17,10 Euro gegenüber ihren vorherigen Ausgaben für den ÖPNV sparen. Mehr als ein Viertel aller Fahrten, die es 2024 mit dem Deutschland-Ticket gab, hätten laut VDV ohne dieses Ticket entweder gar nicht oder mit anderen Verkehrsmitteln stattgefunden. 

Warum soll der Preis überhaupt steigen?

Schon die Preiserhöhung von 49 Euro auf 58 Euro sei vor allem wegen gestiegener Energiekosten und einem "erhöhten Finanzierungsbedarf des öffentlichen Nahverkehrs" notwendig gewesen, teilt der Ticketbetreiber Transdev mit. Vielerorts sind die Schienennetze marode - im ÖPNV genauso wie bei der Deutschen Bahn. Mit den höheren Einnahmen bekämen die Verkehrsunternehmen "mehr Planungssicherheit".

Ist der bisherige Preis kostendeckend?

Nein. Der VRR rechnet dieses Jahr nach eigenen Angaben mit einem Defizit von rund 380 Millionen Euro. Deutschlandweit dürften es laut VRR bei den Nahverkehrsanbietern rund 3,5 Milliarden Euro werden. Der Bund gibt jedes Jahr 1,5 Milliarden Euro dazu, die Länder gemeinsam noch einmal 1,5 Milliarden. Auch die entstandenen Finanzierungslücken teilen sich Bund und Länder zu gleichen Anteilen.

Die wirtschaftliche Lage der Verkehrsunternehmen und Verbünde sei "extrem angespannt", meldet der VDV: Während die Anbieter zwar mehr Fahrgäste in Bus und Bahn verbuchten, sanken die Einnahmen. Andere Ticketangebote seien deutlich weniger gekauft worden. Gleichzeitig seien die Personalkosten um 11 Prozent gestiegen.

2024 hätten die Verkehrsunternehmen dadurch ein Finanzierungsloch von mindestens 3,45 Milliarden Euro gehabt, das sich Bund und Länder teilen mussten. Möglich sei das überhaupt nur durch sogenannte "Restmittel" aus 2023: Da das Deutschlandticket erst im Mai 2023 eingeführt wurde, sei von den drei Milliarden Euro, die Bund und Länder für das Jahr gemeinsam bereitgestellt hatten, noch etwas für die Miesen in 2024 und 2025 übrig gewesen.

NRW gebe derzeit über 400 Millionen für das Deutschlandticket aus, sagte NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) dem WDR am Donnerstag. "Da ist jetzt bei der momentanen Haushaltslage eine Grenze erreicht", der Bund müsse jetzt "eine aktivere Rolle" übernehmen. Bei der neuen Bundesregierung sehe er aber eine größere Offenheit dafür als bei der vorherigen.

Nach der Sitzung am Freitag zeigte sich der Grünen-Politiker "hoffnungsfroh", dass man zu einer Lösung für 2026 kommen werde. Erneut betonte der Minister, dass etwaige zusätzliche Kosten für das Ticket "vom Bund finanziert" werden müssten.

Wie teuer könnte das Ticket werden?

Darüber wird zurzeit diskutiert. Denkbar wäre eine Anpassung des Ticketpreises an die Inflationsrate, sagte Oliver Wittke, ehemaliger NRW-Verkehrsminister und heute VRR-Vorstandschef. Oder man orientiere sich an den Personal- und Energiekosten und der Trassenentgelte, die die Bahn für die Nutzung des Schienennetzes zahlen muss.

Eine Steigerung des Preises um drei Prozent - also 1,74 Euro - würde dem System rund 168 Millionen Euro in die Kassen spülen, sagte Wittke. "Das wäre zumutbar." Doch der Betrag klingt nach einem Tropfen auf den heißen Stein:

"Die von Bund und Ländern jährlich zur Verfügung gestellten drei Milliarden Euro werden dauerhaft nicht ausreichen, um den Verlust der Branche auszugleichen", sagt VDV-Präsident Ingo Wortmann. Für eine langfristige Finanzierung des Deutschland-Tickets brauche es verbindlich zugesagte Mittel von Bund und Ländern in ausreichender Höhe und eine jährliche Anpassung des Ticketpreises.

Alle Länder wollten "natürlich einen möglichst niedrigen Preis", sagte NRW-Verkehrsminister Krischer. Im Gespräch mit dem WDR plädierte er dafür, dass man zu einem Preis von 49 Euro zurückkehre.

Verbände wie die Umweltorganisation Robin Wood fordern eine Senkung des Preises, die Caritas will ein Deutschlandticket für Familien, bei dem Kinder unter 16 Jahren kostenlos mitgenommen werden können. Der Deutsche Tourismusverband (DTV) drängt auf eine langfristige finanzielle Sicherung für das Deutschlandticket. Nutzerinnen und Nutzer bräuchten Planungssicherheit.

Wie groß ist das Risiko, dass das Deutschlandticket abgeschafft wird?

Patrick Schnieder am Rednerpult des Deutschen Bundestags

Patrick Schnieder

Erklärtes Ziel sei es, die Finanzierung des Deutschlandtickets langfristig zu sichern, hatte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) noch vor wenigen Tagen versichert. "Ob das gelingt und wie das gelingt, darüber müssen wir uns jetzt auseinandersetzen."

Die Länder und der Bund müssten sich das Ticket auch leisten können, gab Schnieder zu bedenken. "Wir müssen eigentlich dahin kommen, dass ein Angebot wie das Deutschlandticket so attraktiv ist, dass es sich selber trägt."

Die Finanzierung ist zwar festgeschrieben im Regionalisierungsgesetz - aber nur noch für das Jahr 2025. Angesichts klammer Haushalte haben die meisten Länder inzwischen erklärt, Mehrkosten für das Ticket ab dem Jahr 2026 nicht mehr mitzutragen. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) hat bereits mehr Geld zur weiteren Finanzierung von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) gefordert.

Wer entscheidet darüber?

Bund und Länder müssen gemeinsam entscheiden, ob und wie das Ticket Zukunft finanzierbar ist - und wer wie viel bezahlen soll. Sollte eine Gesetzesänderung nötig werden, müssten Bundestag und Bundesrat zustimmen.

NRW-Verkehrsminister Krischer sagt, er hoffe, dass für die Zukunft ein dauerhafter Mechanismus zur Finanzierung des Deutschlandtickets gefunden würde. Er finde es "nicht sinnvoll, wenn 17 Verkehrsminister über Details eines Tickets und einen Preis verhandeln, da sollten wir zu anderen Regeln kommen".

Unsere Quellen:

  • Homepage der Bundesregierung zum Deutschlandticket
  • WDR-Interview mit NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer im WDR 5 Morgenecho
  • Meldung Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR)
  • Meldungen Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV)
  • Homepage Transdev
  • Nachrichtenagentur Reuters

Kommentare zum Thema

7 Kommentare

  • 7 Maria 28.06.2025, 02:14 Uhr

    Es tut mir leid zu sagen, aber sowohl bei den kommunalen Verkehrsunternehmen als auch DB war der ursprünglichen Preis beim Aspekt Sauberkeit, Verlässlichkeit und Sicherheit nicht gerechtfertig. Es gibt keinen Tag, an dem bspw. der RE2 pünktlich ist. Darüber hinaus waren auch vor dem Deutschlandticket die Züge massiv überfüllt. Für rund 120 EUR konnte ich gerade mal eine Hand an Städte erreichen. Wenn ein Termin ca. eine Verbindung von 50 Min. mit Umstieg bedeutet, muss ich eine komplette Verbindung früher nehmen (+60 Min), weil eine Umstiegszeit von 15 Min. oft nicht ausreicht (durch Verspätung). Wie oft durfte ich jeden Morgen am Gleis die selbe Nachricht hören (Verspätete Bereitstellung etc.). Das gleiche gilt für die lokalen Verkehrsunternehmen (muss regelmäßig durch verschiedene Städte fahren)... Ich bin gesundheitlich auf die Bahn angewiesen und habe jeden Tag Stress und Ärger...

  • 6 Neusser Bürger 27.06.2025, 23:22 Uhr

    Man sollte die Pendlerpauschale einfach noch weiter erhöhen. Ab dem ersten Kilometer und damit werden ja auch Bahnfahren oder der Bus billiger, sofern man denn die Steuererklärung macht. Schüler, Azubis und Rentner sollten stark vergünstigte Tickets bekommen. Und NRW sollte sich um ein deutlich vereinheitlichtes Tarifsystem im ÖPNV kümmern. Dazu können Kurzfahrdienste wie Neuss (Nemo) ausgebaut werden, dazu Buslinien etc ausbauen. Auch in die Radwegeinfrastruktur muss deutlich mehr investiert werden.

  • 5 Hansjörg 27.06.2025, 20:50 Uhr

    Die Länderminister diskutieren am Problemkern vorbei. In NRW haben wir nicht 1 Verkehrsverbund sondern 4 - dreimal Verwaltung/Bürokratie zuviel. Der VRR besteht aus x Stadtwerken - x Geschäftsführer, Aufsichtsräte, Personalabteilungen, Materialeinkäufen etc. Der Westfalentarif ist aus mehreren früheren Verkehrsverbünden "zusammengeschustert". Die Zonenübergreifenden Tarife wurden vereinheitlicht, die Tarife in den früheren Einzelverbünden blieben. So hat Münster andere Ticketmöglichkeiten als Lünen. Der Westfalentarif hat über 60 Verkehrsunternehmen und "28 Aufgabenträger". Wieviel Verwaltungswasserkopf ist da zuviel? Will man wirklich Kosten sparen muss man Synergien nutzen und die grotesk aufgeblähte Verwaltung/Bürokratie abschaffen. Aber dann kann der OB von Dortmund bspweise nicht mehr die Geschäftsführung von DSW21 besetzen - die Lokalpolitiker verlieren Macht. Deshalb geht das keiner an. Es gibt zu wenig Busse/Bahnen und viel zuviel Verwaltung.

    Antworten (1)
    • Jörg 27.06.2025, 23:52 Uhr

      Ganz genau!

  • 4 Mehr Tempo 27.06.2025, 18:55 Uhr

    Wir müssen schneller mehr Menschen überzeugen, das Auto stehenzulassen. ÖPNV-Nutzung und Fuss- und Radverkehr müssen gefördert werden. Die realen Kosten des Autoverkehrs werden noch immer ausgeblendet. Wir können uns die Umweltfolgen nicht mer leisten.

    Antworten (1)
    • B. C. 28.06.2025, 09:10 Uhr

      Autofahrer fahren fast überwiegend zur Arbeit und erwirtschaften das Gros aller Steuern in diesem Land. Wir müssen im Gegenteil endlich aufhören, Autofahrer zu gängeln, schröpfen und benachteiligen. Würde niemand mehr Autofahren, würde das komplette Land zusammenbrechen, weil dann auch kaum einer mehr arbeiten würde. Das ist auch ein Teil der Wahrheit.

  • 3 bittePortokasseöffnen 27.06.2025, 17:52 Uhr

    Das Deutschlandticket ist aus der Portokasse bezahlbar, einfach mal einen oder zwei Kilometer Autobahn (heilige Kuh) weniger bauen und schon ist es finanziert. Inhaltlich ist neben stabilem Preis auch noch Klärungsbedarf z. B. bei Familien- und Fahrradmitnahme. Also bitte was sinnvolles behalten und stärken. Ach ja, an neidische Autofahrende gerichtet, ihr werdet extrem subventioniert, und Autofahren wäre viel viel teurer, wenn ihr die vollen Kosten bezahlen müsstet.

  • 2 Ex-SPD-Wähler 27.06.2025, 17:29 Uhr

    Ich bin für FREIBIER FÜR ALLE, aber dafür ist auch kein Geld da. Der Gedanke mehr Geld auszugeben für öffentliche Verkehrsmittel ist zwar gut, am Ende müssen aber auf jeder Seite Einnahmen und Ausgaben im Gleichgewicht sein und das klappt eben nicht mehr auf keiner Seite. Der SPD-Parteitag läuft bei mir im Hintergrund und so ziemlich alles was Lars Klingbeil eben angesprochen hat erklärt warum ich heute AfD wähle in nicht mehr wie lange Zeit vorher die SPD. Zum Thema hier feiert die SPD die Abschaffung der Schuldenbremse. Das bedeutet im Klartext, die Defizite werden bezahlt durch Inflation und durch kommende Generationen. Man könnte auch an Krieg und Rüstung sparen und dafür lieber mehr Subventionen für ÖPNV aber daran will man auch nicht sparen. Ob wir vom Bund nach Ländern schieben und dann zur Kommune oder in die andere Richtung ändert nichts an der zu kurzen Bettdecke. Die Frage ob Ausgaben gut sind oder nicht macht wenig Sinn wenn nicht dazu gesagt wird wer wie die Zeche zahlt.

  • 1 Gaby 27.06.2025, 17:29 Uhr

    abschaffen! Ich halte diese Idee für sinnverfehlt, sich anderen Punkten zuwenden. Wann hört unsere Regierung endlich auf Bonbons zu verteilen, wo es ganz anders brennt! Wir brauchen andere Entlastung und keine Bonbons. Wendet Euch doch bitte endlich mal, liebe Regierung, den Kernpunkten und wahren Geldfressern für die Bevölkerung zu!

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