Anwohner und Schaulustige gucken hinter einer Absperrung zu einem explodierten Wohnhaus

Führerschein weg für Gaffer? Das fordert der Feuerwehr-Chef

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Rettungskräfte bei Unfällen klagen regelmäßig über Schaulustige. Bisherige Strafen würden nichts bringen. Jetzt hat der Verbandschef der Feuerwehr einen neuen Vorschlag gemacht: Führerschein weg für Gaffer.

Von Markus Meyer-Gehlen

Früher hätten sich die Rettungskräfte darauf konzentrieren können, Unfall-Opfer aus den Autowracks zu befreien, klagt Karl-Heinz Banse, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, in der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ). Heute müssten sie gleichzeitig auch Gaffer fernhalten.

"Da muss sich etwas ändern" sagt er - und hat auch eine Idee: härtere Strafen, bis zum Führerscheinentzug. Das würde die Menschen eher abschrecken als Geldstrafen.

Wann ist Gaffen strafbar?

Wäre das möglich? Aktuell nur teilweise. Wenn Gaffer "nur" zuschauen und dabei nicht im Weg stehen, filmen oder ähnliches, begehen sie höchstens eine Ordnungswidrigkeit. Denn Gucken ist grundsätzlich erstmal nicht verboten, außer wenn sich etwa eine Menschenansammlung trotz mehrfacher Aufforderung nicht auflöst. In diesem Fall müssen Gaffer höchstens mit einer Geldstrafe rechnen - von immerhin bis zu 1.000 Euro.

Symbolbild von einem Gaffer bei einem Feuerwehr/Rettungsdiensteinsatz, bei einem Verkehrsunfall

Wer einen Unfall filmt, macht sich strafbar.

In schwereren Fällen sieht das aber anders aus: Wer zum Beispiel an einem Unfallort steht und Einsatzkräfte behindert, macht sich strafbar. Genauso jeder, der nur zuschaut, statt gebotene Hilfe zu leisten. Und jeder, der filmt oder Fotos macht von Toten oder Verletzten. Die entsprechende Regel wurde 2021 nochmal verschärft. Für diese Straftaten kann es sogar Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren geben.

Fahrverbote auch heute schon möglich

Und: Bei Straftaten können Gerichte auch heute schon zumindest ein Fahrverbot anordnen. Ein Fahrverbot ist zwar etwas anderes als ein Führerscheinentzug: Beim Fahrverbot bekommen Betroffene den Führerschein nach einer gewissen Zeit automatisch wieder, beim Entzug muss er neu beantragt werden. Lange aufs Auto verzichten müssen sie aber so oder so.

Ein Fahrverbot ist übrigens auch möglich, wenn die Straftat gar nichts mit dem Auto zu tun hatte. Es wäre also denkbar, dass Gaffer bis zu sechs Monate ihren Führerschein abgeben müssen, die zu Fuß an der Unfallstelle waren.

ADAC: Aktuelle Strafen reichen

ADAC-Sprecher Alexander Schnaars hält auch deswegen eine zusätzliche Regel zum Fahrverbot nicht für notwendig. Und: "Wo fängt man an, wo hört man auf? Es haben auch gar nicht alle Gaffer einen Führerschein."

Die aktuellen Strafen seien durchaus schon heftig. "Vergehen müssen aber natürlich auch konsequent verfolgt werden", so Schnaars. Denn eines sei klar: "Gaffen ist kein Kavaliersdelikt. Und so etwas wie Rettungskräfte behindern oder Unfallopfer filmen, sollte man auf keinen Fall tun."

Feuerwehrverband fordert härtere Strafen für Gaffer

WDR Studios NRW 20.06.2025 57 Sek. Verfügbar bis 20.06.2027 WDR Online


Unsere Quellen:

  • Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ)
  • ADAC
  • Strafgesetzbuch StGB

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