Schuld ist leider das schöne Wetter der letzten Tage: Die Hochdruck-Wetterlage habe dazu geführt, dass die Luft nicht mehr ungehindert aufsteigen könne, erklärt der Deutsche Wetterdienst (DWD). Dadurch staut sich die Luft am Boden, Schadstoffe sammeln sich dort mehr und mehr.
Vor allem die Feinstaubwerte liegen in NRW derzeit vielerorts bedenklich hoch - wie allerdings fast jedes Jahr um diese Zeit. Das Umweltbundesamt rät, körperlich anstrengende Aktivitäten im Freien nur an Orten auszuüben, wo die Luftqualität besser ist - zum Beispiel abseits größerer Verkehrsstraßen. Bei Husten oder Kurzatmigkeit solle man ganz auf solche körperlichen Aktivitäten verzichten.
Was ist Feinstaub?
Feinstaub entsteht an vielen Stellen. Ein großer Teil wird durch Autos verursacht - nicht nur bei der Verbrennung von Benzin oder Diesel, sondern auch durch Reifenabrieb auf Asphalt und beim Bremsen.
Feinstaubmessgerät
Aber auch Holz-, Gas-, und Ölheizungen, die derzeit auf Hochtouren laufen, sorgen für dicke Luft. Die Spitzenwerte der Feinstaubbelastung werden deshalb an Orten gemessen, wo es entweder viel Verkehr oder viel Industrie gibt. Eine weitere wichtige Quelle ist laut Umweltbundesamt die Landwirtschaft.
Das Tückische am Feinstaub: Die Partikelchen sind winzig klein. Zwischen 10 und 2,5 Mikrometer (PM10 und PM2,5) groß, gelangen sie beim Einatmen nicht nur in die Lunge, sondern bis in die Bronchien und Lungenbläschen. Von dort aus können sie in die Blutbahn übertreten und sich so im Körper verteilen. Vor allem für Menschen mit Asthma, Allergien oder akuten Atemwegserkrankungen sind hohe Feinstaubwerte problematisch.
Wo sind in NRW derzeit die höchsten Feinstaubkonzentrationen?
Vor allem in größeren Städten und dort, wo es bestimmte Industrien gibt, sind die vom Landesumweltamt (LANUK) angegebenen Werte am Montagmorgen schlecht. Hotspots sind zum Beispiel einige vielbefahrene Straßen in Düsseldorf - Merowingerstraße, Corneliusstraße - Bonn, Essen oder die Wilhelmstraße in Aachen.
Aber auch in kleineren, ländlichen Orten herrscht teils schlechte Luft. In Jackerath und Jüchen nahe dem Braunkohletagebau Garzweiler ist die Feinstaubbelastung gerade sehr hoch. In Krefeld-Hafen sorgen Anlagen für Bauschuttverwertung für staubige Luft, in Ratingen-Tiefenbroich dürften der naheglegene Flughafen, die Autobahn 52 und ein Gewerbegebiet dazu beitragen.
Auf dieser Seite des Landesumweltamts kann man alle einzelnen Messstationen in NRW aufrufen und sich die Umgebungsbedingungen anschauen:
Bei den Überschreitungen der kritischen Feinstaubwerte lag NRW im vergangenen Jahr übrigens deutschlandweit weit vorne: Die Messstationen an der Gladbecker Straße in Essen zeigten 21 Mal Werte über 50 Mikrometer pro Kubikmeter Luft. Gefolgt von Messpunkten in Warstein (20 Mal) und Stolberg (20 Mal). Auch Niederzier, wo die Kraftwerke der RWE rauchen, und Krefeld-Hafen lagen unter den bundesweiten Spitzenreitern.
Die gute Nachricht: Die Situation hat sich schon deutlich gebessert. Seit 1990 registrieren die Umweltbehörden einen erkennbaren Rückgang der gemessenen Feinstaubwerte. Was vor allem daran liegt, dass Städte Vorkehrungen getroffen haben - zum Beispiel mit Tempo 30-Zonen - und für die Industrie schärfere Auflagen zur Vermeidung von Feinstaub gelten.
Warum ist Feinstaub gefährlich?
Laut Landesumweltamt kann Feinstaub - vor allem die superkleinen PM2,5-Teilchen - Entzündungen und Stress in menschlichen Zellen verursachen. Bei einer langfristigen Belastung könne das vielerlei Kankheiten auslösen: Asthma, Bronchitis oder Lungenkrebs, aber auch Arteriosklerose, Bluthochdruck oder Diabetes. Neuere Forschungen zeigten, dass auch das Nervensystem Schaden nehmen kann - was zum Beispiel Demenz begünstige.
Eine kurzfristige hohe Feinstaubbelastung verursache Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen. In Zeiten hoher Feinstaubbelastung würden dementsprechend viele Menschen in Krankenhäuser eingeliefert.
Kann ich selber im Alltag irgendetwas tun?
Abgesehen davon, dass man sich gut überlegen sollte, ob es heute wirklich die längere Joggingrunde sein soll, könne generell jeder dazu beitragen, dass die Feinstaubbelastung sinkt - nicht nur heute, sagt das Umweltbundesamt:
- Weniger mit dem eigenen Auto fahren - statt dessen Fahrgemeinschaften bilden oder auf Bus, Bahn oder sogar Fahrrad umsteigen.
- Wenn es nicht ohne Auto geht: Langsamer fahren, unnötig starkes Bremsen und Beschleunigen vermeiden.
- Weniger Holz im Garten oder in Kleinöfen verbrennen - es sei denn, der Ofen hat einen Staubabscheider
- Weniger Fleisch essen: Landwirtschaft mit Tierhaltung ist ebenfalls eine große Feinstaubquelle
Unsere Quellen:
- Umweltbundesamt
- Landesumweltamt (LANUK)
Sendung: WDR.de, Hohe Feinstaub-Werte in NRW, 26.01.2026, 13:40 Uhr