Zusammenhalt und Zukunft: So wichtig sind Jugendfeuerwehren
Aktuelle Stunde . 05.09.2025. 15:53 Min.. UT. Verfügbar bis 05.09.2027. WDR. Von Katharina Spreier.
Jugendfeuerwehren in NRW erleben Boom - eine Chance für die Zukunft
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Flächendeckend im ganzen Land so schnell wie möglich an Einsatzorte zu kommen - das ist das Ziel der Feuerwehr. Die Nachwuchsarbeit spielt dabei eine große Rolle - auch beim Deutschen Jugendfeuerwehrtag, der an diesem Wochenende stattfindet.
"Wir sind die Jugend von heute. Und die Retter von morgen." So wirbt der Verband der Feuerwehren (VdF) in NRW um Nachwuchs. Ob es nun an dieser Werbung liegt oder an einer ohnehin vorhandenen Attraktivität - Sorgen um den Nachwuchs müssen sich die Brandschützer in NRW nicht machen. In lediglich drei der 396 Städte und Gemeinden im Land gibt es keine Jugendfeuerwehr.
Mädchen-Anteil bei Jugendfeuerwehren über 20 Prozent
"Egal wo, überall kann man Mitglied der Jugendfeuerwehr werden. Die Jugendfeuerwehren haben 23.938 Mitglieder. Die Zahlen steigen tendenziell", sagt VdF-Sprecher Christoph Schöneborn. Damit sorge man auch dafür, dass die Zahlen auf Bundesebene gut aussehen. Immer besser stehe man mit Blick auf die weiblichen Mitglieder da, die bei den Jugendlichen bereits mehr als 20 Prozent stellen (5.342). Bei den Freiwilligen Feuerwehren liegt der Anteil allerdings noch unter zehn Prozent (8.966) und bei den Berufsfeuerwehren sogar unter drei Prozent (271). Stichtag für diese Zahlen war der 31. Dezember 2024.
Die Feuerwehr wird weiblicher. Das ist ein Verdienst der Jugendfeuerwehren. VdF-Landesgeschäftsführer Christoph Schöneborn
Genaue Zahlen zur Durchlässigkeit von der Jugendfeuerwehr in die Freiwillige Feuerwehr oder gar die Berufsfeuerwehr kann er nicht nennen, aber "in der Praxis möchte die Hälfte davon nachher auch in der Freiwilligen Feuerwehr Dienst tun", schätzt Schöneborn, der auch Landesgeschäftsführer des VdF ist: "Die Zahl ist, glaub ich, gar nicht schlecht, aber wir arbeiten daran, sie weiter zu steigern." Für die Feuerwehr sei es wichtig, Feuerwehren dezentral verteilt über das ganze Land ohne Nachwuchssorgen aufzubauen, um so immer schnell Helfer an jeden Einsatzort bringen zu können.
Deswegen sei auch der dezentrale Aufbau der Jugendorganisationen wichtig, und die Zahl der Jugendlichen, die sich mit dem Brandschutz vertraut machen wollen, müsse so hoch wie möglich gehalten werden. Umso bitterer sei es, wenn es bei Jugendfeuerwehren Wartelisten gebe, weil man nicht genug Betreuer habe. Genau dieses Problem hat die Jugendfeuerwehr Warendorf, weil es eben zu wenige Ehrenamtliche wie Thorsten Funk gibt, der die Jugendlichen nach seinem Job im Krankenhaus über mehrere Jahre begleitet.
Die Hälfte der Zeit, die die Jugendlichen bei der Jugendfeuerwehr verbringen, beschäftigen sie sich mit Feuerwehrinhalten, sagt Schöneborn. Den Rest der Zeit verbringen sie aber nicht mit Schläuchen, Auszeichnungen und Lehrgänge. "Es gibt Zeltlager in den Ferien, Besichtigungen, Stadionbesuche und Ausflüge. Das ist sehr unterschiedlich und vielfältig", so Schöneborn. Die Nachwuchsarbeit sei eine Chance für die Zukunft.
Bei der Feuerwehr kann man nichts alleine schaffen. Thorsten Funk, Betreuer bei der Jugendfeuerwehr in Warendorf
Funk erklärt, worauf es dabei ankomme: "Wir wollen, dass sie im Team zusammenarbeiten können. Dass sie ein soziales Verständnis kriegen, was es bedeutet, wenn jemand schwächer ist als man selber." Teamübungen würden dabei helfen, den Jugendlichen zu zeigen, "dass es immer ein Miteinander ist".
Boom bei Jugendfeuerwehren: Es gibt sogar Wartelisten
Die Jugendlichen in Warendorf schätzen nicht nur das. Sie begeistern die "Vielseitigkeit", die "Gemeinschaft" sowie "die gemeinsamen Aktionen und Übungen". Der Schutz vor Dingen, vor denen Menschen sich nicht selbst schützen können, ist für einige zusätzlich Motivation. Dass man für so viele Jugendliche attraktiv ist und die Wartelisten gleichzeitig nach Ansicht Schöneborns eine "seltene Ausnahme" bleiben sollten, liegt auch daran, dass die Feuerwehr die Weichen 2017 scheinbar richtig gestellt hat.
Weichen 2017 mit Kinderfeuerwehren gestellt
Damals gründeten sich in NRW viele Kinderfeuerwehren, was erst dadurch möglich geworden sei, dass die Betreuer nicht mehr zwangsläufig aus der Praxis kommen mussten, erklärt Schöneborn: "Die Betreuer kamen früher alle aus der Einsatzabteilung, mittlerweile gibt es eine Unterstützungsabteilung, sprich die Eltern oder andere Familienangehörige übernehmen die Betreuung." So sei es möglich, mehr Kinder und Jugendliche spielerisch mit der Feuerwehr und ihren Aufgaben vertraut zu machen.
"Kinderflamme" und "Jugendflamme" als erste Abzeichen
"Mehr" heißt im Falle der Kinderfeuerwehren in NRW, die es in etwa der Hälfte der Städte und Gemeinden gebe, 5.835 Kinder (1.751 davon sind Mädchen). Dort lernen sie ab dem Alter von sechs Jahren beispielsweise, welche Telefonnummer der Notruf hat und wie man richtig mit Kerze und Streichholz umgeht. Mit der "Kinderflamme" können sie sich auch ihr erstes Feuerwehr-Abzeichen verdienen.
Wer länger am Ball bleibt und mit zehn oder zwölf Jahren - das wird bei Feuerwehren laut Schöneborn unterschiedlich gehandhabt - zur Jugendfeuerwehr wechselt, lernt noch viel mehr und muss von diesem Wissen bei der Prüfung zur "Jugendflamme" auch deutlich mehr abrufen. Neben Fahrzeug- und Gerätekunde müssen die Teenager beim Kuppeln und Lösen zweier B-Druckschläuche und dem Aufbau einer Saugleitung überzeugen.
Wir betrachten die Nachwuchsarbeit als Chance für die Zukunft. Christoph Schöneborn
Wem das immer noch nicht reicht, dem empfiehlt Schöneborn ab 15 Jahren den Erwerb der Leistungsspange, der höchsten Auszeichnung in der Deutschen Jugendfeuerwehr. Dabei wird man sportlich wie auch feuerwehrtechnisch - zum Beispiel beim Kugelstoßen und Vortragen eines Löschangriffs - gefordert, und dies vor allem im Team. Mit 16 und 17 Jahren darf der Nachwuchs bereits erste Lehrgänge für den Einsatzdienst absolvieren. Aktiv in den Dienst einsteigen können nur Volljährige.
Unsere Quellen
- WDR-Gespräch mit VdF-Landesgeschäftsführer Christoph Schöneborn
- Feuerwehr Warendorf
- NRW-Innenministerium
- Verband der Feuerwehren in NRW