IAA: Kann Deutschland noch Auto?
Aktuelle Stunde . 09.09.2025. 30:38 Min.. UT. Verfügbar bis 09.09.2027. WDR. Von Nils Rode.
IAA: Gibt es bald mehr bezahlbare E-Kleinwagen aus deutscher Produktion?
Stand:
Die deutsche Auto-Branche fährt zur IAA groß auf. Endlich soll es auch mehr E-Kleinwagen geben, die preisgünstiger sind.
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Zu den Kommentaren [5]Auf der Automesse IAA Mobility, die am Dienstag in München beginnt, wollen die deutschen Hersteller der wachsenden Konkurrenz aus China Paroli bieten. BMW und Mercedes-Benz präsentieren neue Elektroautos, die Kunden mit dickem Geldbeutel und hohen Ansprüchen ansprechen sollen. VW hingegen ist mit einem E-Kleinwagen vertreten, der deutlich weniger kostet.
Fragen und Antworten zu E-Kleinwagen
- Wird es bald mehr preisgünstigere elektrische Kleinwagen aus deutscher Produktion geben?
- Mit welchen Modellen warten andere deutsche Hersteller bei der IAA auf?
- Wie groß ist der Druck auf die deutschen Hersteller, dass diese Modelle ein Erfolg werden?
- Wie beeinflusst die Politik die Kaufentscheidung zugunsten von E-Autos?
- Wie wichtig ist das Ladenetz für den Kauf von E-Autos?
- Wie entwickelt sich aktuell die Autoindustrie weltweit?
Wird es bald mehr preisgünstigere elektrische Kleinwagen aus deutscher Produktion geben?
Der ID.Polo von VW
Ja. Der VW-Konzern präsentiert auf der IAA elektrische Kleinwagen, die schon bald in den Handel kommen sollen. Zum Preis ab 24.990 Euro soll es ab dem ersten Halbjahr 2026 den ID.Polo geben - mit mehr als 400 Kilometern Reichweite.
Der ID.Cross von VW
Beim ID.Cross handelt es sich um ein kleines elektrisches SUV von 4,16 Metern mit gut 400 Kilometern Reichweite - das E-Auto soll für etwa 28.000 Euro zu haben sein.
Auch die VW-Konzerntöchter Skoda und Cupra wollen in München neue E-Modelle zeigen. Der Einstiegspreis bei dem Skoda-Modell soll bei unter 26.000 Euro liegen.
Bislang gibt es von Opel das E-Modell Rocks, das bereits seit 2021 auf dem Markt ist. Der Rocks ist ab rund 8.000 Euro zu haben und damit deutlich günstiger als ein konventioneller Kleinwagen. Für eine Familie ist er allerdings eher nicht alltagstauglich, mit dem man auch mal einen Großeinkauf oder eine lange Urlaubsfahrt machen kann: Der Rocks ist ein Zwei-Sitzer, der höchstens mit 45 Stundenkilometern unterwegs ist. Fahren dürfen ihn bereits Jugendliche ab 15 Jahren, die die Führerscheinklasse AM erworben haben.
Mit welchen Modellen warten andere deutsche Hersteller bei der IAA auf?
Um die chinesische Konkurrenz auszustechen, wollen BMW und Mercedes auf der IAA mit vollelektrischen SUVs punkten: Der BMW iX3 und der Mercedes GLC sollen für die Hersteller einen Neuanfang beim Elektroauto markieren.
Der BMW iX3
Den BMW iX3 soll es ab Frühjahr zum Preis ab 68.700 Euro geben:
- 345 kW/469 PS
- 109 kWh Akku-Kapazität
- 400 kW Ladeleistung
- 805 Kilometer Normreichweite
Den Mercedes GLC soll es ab der ersten Jahreshälfte für rund 72.000 Euro geben:
Der Mercedes GLC
- 360 kW/490 PS
- 94 kWh
- 330 kW Ladeleistung
- 713 Kilometer Normreichweite.
Noch teurer sind die E-Modelle von Porsche, die die Besucher auf der IAA anschauen können. Der vollelektrische Macan 4 ist ab 84.100 Euro erhältlich, den Electro-Taycan gibt es ab 102.600 Euro.
Wie groß ist der Druck auf die deutschen Hersteller, dass diese Modelle ein Erfolg werden?
"Der Druck ist enorm groß, die Profitmargen sinken", sagte Automobil-Experte Stefan Bratzel am Dienstag im ARD-Morgenmagazin. Man gebe bei den deutschen Herstellern sehr viel Geld aus, "um an Dynamik zu gewinnen". Mit den neuen deutschen Modellen gehe es nun "absolut in die richtige Richtung".
Es sei klar: "Wir brauchen attraktive Modelle, die in puncto Reichweite, Ladeleistung und Verbrauch an der Spitze sind." Auch müsse das Angebot an preiswerten E-Autos vergrößert werden. Es werde noch ein langer und harter Weg, sagte Bratzel. Ein Befreiungsschlag seien die nun auf der IAA präsentierten deutschen Elektrowagen noch nicht.
Wie beeinflusst die Politik die Kaufentscheidung zugunsten von E-Autos?
Auch die politischen Rahmenbedingungen haben einen deutlichen Einfluss auf den Kauf von Elektroautos. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) wurden 2024 in Deutschland rund 380.600 E-Autos neu zugelassen. Damit lag die Zahl im Vergleich zum Jahr 2023 fast 27,4 Prozent niedriger. 2023 hatte die Neuzulassung von E-Autos in Deutschland einen Höchstwert von mehr als einer halben Millionen Fahrzeugen erreicht.
Doch dann wurde im Dezember 2023 unerwartet das Ende der staatlichen Förderung verkündet. Ursprünglich war diese finanzielle Unterstützung bis 2024 geplant gewesen. Daraufhin fiel der Absatz von E-Autos deutlich. Allerdings scheint sich die Lage inzwischen mindestens zu stabilisieren: Zwischen Januar und August 2025 wurden mehr als 335.000 Elektrofahrzeuge neu zugelassen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist dies laut dem KBA ein Anstieg um gut 39 Prozent.
Wie wichtig ist das Ladenetz für den Kauf von E-Autos?
Die Versorgungsmöglichkeit mit Strom spiele eine große Rolle, sagte der Automobil-Experte Bratzel im ARD-Morgenmagazin. "Das Thema Elektromobilität funktioniert nur mit einer hochverlässlichen und breit verfügbaren Ladeinfrastruktur zu vernünftigen Ladestrompreisen." Insbesondere im städtischen Bereich müsse nachgebessert werden.
Laut Bundesnetzagentur gab es bundesweit am 1. August 2025 knapp 133.000 Normal-Ladepunkte und mehr als 42.000 Schnell-Ladepunkte. In NRW gibt es große regionale Unterschiede.
Wie entwickelt sich aktuell die Autoindustrie weltweit?
Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer zeigte sich im WDR-Gespräch zuversichtlich, dass die derzeit schwächelnde deutsche Autoindustrie ab dem kommenden Jahr "Stück für Stück" aufholen werde.
Nach Angaben von Dudenhöffer erwartet uns auf kurz oder lang "eine völlig neue Generation von Fahrzeugen, die autonom fahren". China sei der Marktführer für solche sogenannten Level-4-Fahrzeuge, die in vordefinierten Bereichen autonom fahren können. Fahrzeuge würden mehr und mehr intelligenter, sodass man sich demnächst beim Autofahren auch auf andere Sachen konzentrieren könne als aufs Lenken und auf den Verkehr achten.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagenturen DPA und Reuters
- Auto-Experte Stefan Bratzel im ARD-"Morgenmagazin"
- Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer gegenüber dem WDR
- BMW
- Mercedes
- VW-Konzern
- Porsche
- Bundesnetzagentur
Über dieses Thema berichten wir auch am 09.09.2025 in der Aktuellen Stunde im WDR Fernsehen um 18.45 Uhr.
5 Kommentare
Kommentar 5: Theo sucht Parkplatz schreibt am 10.09.2025, 17:24 Uhr :
Die Ladestruktur ist der Knackpunkt. Nur wer Garage oder Stellplatz mit Stromanschluss hat kann überhaupt nur über ein E-Auto nachdenken. Aufbau einer flächendeckenden Ladestruktur kostet viel Geld das Kommunen nicht haben, Land und Bund auch nicht. Hybridautos sind auch Unfug denn die schleppen mit zwei Motoren immer das Gewicht von einem Motor sinnlos mit herum was Energie verschlingt. Wenn Strom ohnehin noch oft aus fossilen Brennstoffen produziert wird mit enormen Leitungsverlusten ist die E-Mobilität ohnehin mehr Fluch als Segen, zumindest kurz- und mittelfristig. Bei der Kommunalwahl am Sonntag ist der Kampf von SPD und Grüne gegen das Auto mit Abstand der wichtigste Grund ganz weit Rechts zu wählen. Das ist alles unausgegoren, daher bin für für das Aus vom Verbrenner-Aus. Vielleicht kann sich das im nächsten Leben ändern aber in der verbleibenden Lebenserwartung bleibt die Erzählung der E-Mobilität für mich ein rotes Tuch.
Kommentar 4: Alex schreibt am 10.09.2025, 06:11 Uhr :
Die deutsche Autoindustrie ist schlichtweg zu teuer. Für wen als "Otto Normalverbraucher" soll denn ein Einstiegs(!)-Preis eines Elektro-VW-Polos von rund 25.000 Euro bezahlbar sein? Zumal gleichwertige Verbrenner wie Renault Clio oder Dacia Sandero für deutlich unter 20.000 Euro zu haben sind... Elektroautos aus deutscher Produktion sind erst dann wieder interessant zum Kauf, wenn sie mit vernünftiger Ausstattung und realistischer Reichweite von mind. 500 km für unter 20.000 Euro zu haben sind.
Kommentar 3: Zylinderkopf schreibt am 09.09.2025, 21:38 Uhr :
"Wir brauchen attraktive Modelle, die in puncto Reichweite, Ladeleistung und Verbrauch an der Spitze sind.". Mag zwar stimmen, aber zur "Attraktivität" zählt auch die Optik. Zumindest dann, sofern das Auto nicht nur als Gebrauchsgegenstand (klimapolitisch korrekt von A nach B) gesehen wird, sondern auch etwas für's Auge sein soll. Mir gefallen sie allesamt nicht (entweder zu groß oder zu schwer oder zu hässlich; ggf. auch alle drei Merkmale, wie etwa bei den o.g. iX3 und GLC). Für EUR 25000 bietet der Gebrauchtwagenmarkt schon recht fesche und nahezu unzählige Alternativen mit konventionellem Antriebskonzept. Da greife ich gerne und lieber zu. E-Autos können mir gestohlen bleiben ... solange es noch geht bzw. ich noch fahren darf, was mir auch gefällt. ;)
Kommentar 2: Peter Berger schreibt am 09.09.2025, 21:15 Uhr :
Wer ein Eigenheim mit Ladesäule hat - ja, der kann sich auch ein E-Auto leisten. Hmm... Es bleibt (noch) eine Sache für Reiche
Kommentar 1: Peter Berger schreibt am 09.09.2025, 21:05 Uhr :
Wer hat diesen Onlinebeitrag verfasst ? Eine Autorin ist nirgendwie auszumachen.
Antwort von WDR.de , geschrieben am 10.09.2025, 14:43 Uhr :
Unsere Autor:innen können selbst entscheiden, ob sie ihren Namen unter einen Artikel setzen oder nicht. Manchmal arbeiten auch mehrere Personen gemeinsam an einem Beitrag – dann wird häufig darauf verzichtet, eine einzelne Autorin oder einen einzelnen Autor zu nennen.
Antwort von Sebastian , geschrieben am 11.09.2025, 00:35 Uhr :
Ich finde es sehr erschreckend, dass Theo sucht Parkplatz eine gesichert rechtsextreme Partei wählen will nur weil er mit der E-Auto Politik einiger Parteien nicht zufrieden ist. Sicherlich hat der Abschied vom Verbrenner Folgen für die individuelle Mobilität und es funktioniert auch noch nicht alles optimal. Doch mit rechtsextremen an der Macht wird es für viele unserer Mitbürger sehr unangenehm werden. Das möchte ich nicht erleben. Ich mache mir da ernsthaft Sorgen. Doch wahrscheinlich müssen erst Menschen sterben bis einige wieder aufwachen.