Straßenkampf: Taxi gegen Uber
Aktuelle Stunde . 24.09.2025. 28 Min. 39 Sek.. UT. Verfügbar bis 24.09.2027. WDR. Von Jan Hofer.
Tod der Taxibranche durch Uber? Eher nicht! | MEINUNG
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Plattformen wie Uber drücken mit Dumpingpreisen den Lohn der Fahrer und gefährden die Taxibranche. Dieser Vorwurf ist zu kurz gedacht - die Taxibranche hat die Digitalisierung verpasst, meint Kolumnistin Minh Thu Tran.
Von Minh Thu Tran
In Essen greift jetzt Politik in die freie Wirtschaft ein. Der Essener Stadtrat hat diese Woche beschlossen: Ab Januar dürfen Fahrten bei Uber und anderen Mietwagenanbietern nur noch 7 Prozent günstiger sein als Taxifahrten. Die Stadt reagiert damit auf monatelange Proteste von Taxiunternehmen. Sie fürchten, nicht mehr mit den niedrigeren Preisen der Fahrt-Apps mithalten zu können. Damit ist Essen die zweite Stadt in Deutschland nach Heidelberg, die Mindestpreise für Uber und Co. vorgibt. Hier die Neuerung nochmal im Überblick:
Muss so ein Eingriff zum Schutz der Taxiunternehmen sein?
Ich muss gestehen: Ich nutze die Fahrt-Apps regelmäßig - und Taxis fast nie. Klar, ein Faktor ist der Preis. Uber und Co. haben für viele Leute in Großstädten Fahrdienste demokratisiert. Als Frau sicher vom Club heimkommen, spät nachts im angetrunkenen Zustand? In vielen Städten ist das Thema - in NRW hat Dortmund deshalb zum Beispiel Taxi-Gutscheine verschenkt. Mit einem kleinen Geldbeutel kommt man mit dem Taxi sicherlich nicht weit. Ein Uber kostet gerade ca. die Hälfte einer Taxifahrt.
Es gibt aber auch Ausnahmen: Der Preis ergibt sich durch eine “dynamische Preisgestaltung” - gibt es wenig Nachfrage, ist die Fahrt besonders günstig, gibt es mehr Nachfrage, wird es teurer. Bei Großevents kann z.B. eine Fahrt mit Uber auch mal teurer sein als eine Taxifahrt.
Tipps, wie ihr sonst sicher heimkommt, findet ihr auch hier:
Aber nicht nur beim Preis haben die Apps die Nase vorn. Viel wichtiger für mich: Sie sind praktischer und ich habe bei den Fahrten ein sichereres Gefühl. Ich hänge bei der Bestellung nicht in der Warteschleife bei der Taxizentrale, in der App dauert das nur wenige Sekunden. Ich kann über die App meinen Standort mit Freunden teilen, sie sehen dadurch, ob ich sicher nach Hause komme. Ich kann Bewertungen der Fahrer einsehen - dadurch müssen die sich durchaus mehr anstrengen, freundlich zur Kundschaft zu sein.
Die Apps sind für Kunden praktischer, transparenter und sicherer
Ich sehe schon vorab, wie viel mich eine Fahrt bei Uber oder Bolt kosten wird. Wenn ich doch mal ein Taxi nehme, ist mein Blick nervös auf das steigende Taxameter gerichtet. Und mit der Karte zahlen? Geht im Taxi oft auch nicht. Den Punkt muss sich die Taxibranche durchaus eingestehen: Die Digitalisierung wurde komplett verpennt. Auch deshalb haben Fahrtvermittlungsapps wie Uber oder Bolt im Wettbewerb die Nase vorn.
Die Fahrer*innen bei Uber sind meist jung, oft migrantisch. Bei fast jeder Fahrt unterhalte ich mich mit den Menschen am Steuer - mal in mehr, mal in weniger holprigem Deutsch. Oft werde ich gut gelaunt gefragt: "Und? Was für ne Landsfrau bist du?" Ich habe so viele Geschichten gehört - von Leuten, die aus dem Irak kommen, aus Syrien, aus dem Iran oder der Türkei. Warum sie flüchten mussten, welche Träume sie für sich und ihre Kinder haben. Manche holen mich so oft für eine Frühschicht bei der Arbeit ab, dass dadurch nette Bekanntschaften entstanden sind.
Genau deshalb ist mir ein Punkt nicht egal: Wie die Fahrer bezahlt werden.
Niedrigpreise durch Ausbeutung?
Meine anekdotischen Erkenntnisse: Bis zu 30 Prozent des Fahrpreises gehen an die App. Viele Fahrer sind bei Subunternehmen angestellt, müssen von dem übrigen Geld dann auch noch über die Hälfte ans Subunternehmen abgeben, bei dem sie angestellt sind. Wenn ein Kunde 10 Euro für eine Fahrt zahlt, bleiben beim Fahrer vielleicht 2 bis 3 Euro hängen. Manche fahren auch als Selbstständige, müssen aber die Kosten für den Wagen sowie Versicherungen selbst tragen.
Die Bezahlung der Taxi- und Appfahrer hat auch der BR recherchiert. Demnach verdient z.B. ein Fahrer laut Angaben der App Bolt durchschnittlich 2100 Euro im Monat, was etwa dem Mindestlohn entspricht. Weitere Absicherungen nennt das Unternehmen nicht konkret. Ein durchschnittlicher Taxifahrer hat zwar am Ende des Monats nicht eklatant viel mehr auf dem Konto. Laut Taxi-Verbänden bekommen ihre Fahrer auch mindestens den Mindestlohn plus Trinkgeld. Für sie gibt es aber oft noch zusätzliche Möglichkeiten, zum Beispiel für die Altersvorsorge.
Fahrdienste - egal ob per App oder das klassische Taxi - sind wichtig und werden es auch immer bleiben: Nicht nur für Nachtschwärmer oder Bequeme mit viel Geld, sondern z.B. für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, die anders nicht ins Krankenhaus kommen. Dass die Fahrer anständig bezahlt werden müssen, ist klar. Ob das richtige Mittel dafür ist, als Stadt Preise für die Fahrt-Apps zu bestimmen? Da bin ich mir nicht so sicher. Vor allem, weil wir in Deutschland eigentlich eh den Mindestlohn haben.
Stattdessen hätte ich es bevorzugt, wenn wir in Deutschland eigene Apps entwickeln, die die Übermacht des US-Konzerns Uber herausfordern können. So ist es übrigens in Südostasien passiert - in Ländern wie Indonesien, Malaysia, Singapur, Thailand und Vietnam. Uber hat diesen Markt verlassen, weil lokale Fahrtdienst-Apps wie Grab, Be und Gojek viel mehr Funktionen bieten. Sie wurden zu Super-Apps, über die man nicht nur Autofahrten, Mopedfahrten und Mitfahrgelegenheiten buchen kann, sondern man kann damit auch in Geschäften bezahlen, Briefe und Pakete liefern lassen oder Essen bestellen. Die Hoffnung der Taxibranche, alleine durch festgelegte Mindestpreise ihr Aussterben zu verhindern, wird so nicht funktionieren.
Was sagt ihr zu Mindestpreisen für Uber? Sollten andere NRW-Städte nachziehen? Lasst uns darüber diskutieren. In den Kommentaren auf WDR.de oder auf Social Media.