Soll die Bundeswehr in der Ukraine stationiert sein? | WDR aktuell 02:28 Min. Verfügbar bis 20.08.2027

CDU-Verteidigungsexperte: Bundeswehr soll in Ukraine stationiert sein

Stand:

Im Falle eines Friedens in der Ukraine müsse die Bundeswehr dort stationiert sein, meint Thomas Röwekamp, CDU-Verteidigungsexperte.

Im Ringen um einen Frieden in der Ukraine geht es im Moment vor allem um Sicherheitsgarantien, die die Nato-Staaten der Ukraine bieten sollen. Aber auch nach einem Ende des Krieges müsse die Bundeswehr Soldaten und Soldatinnen in der Ukraine stationieren, meint Thomas Röwekamp, Vorsitzender des Verteidigungsausschusses im Bundestag.

Der WDR erreichte ihn am Mittwochmorgen in Kiew, wo sich der CDU-Politiker gerade aufhält.

WDR: Herr Röwekamp, wenn Sie schon so weit denken: Glauben Sie, dass der Kreml bereit für ein Ende des Tötens ist?

Thomas Röwekamp: Ich bin sehr skeptisch, wie ernst die Zusagen von Wladimir Putin bei dem Gespräch mit Donald Trump sind. Wenn er es wirklich ernst meinen würde mit einem Frieden, dann könnten die Waffen ja sofort schweigen. Aber einen Waffenstillstand hat er bisher abgelehnt. Jetzt geht es darum, auszuloten, inwieweit er überhaupt zu einem Frieden in der Ukraine bereit ist.

CDU: "Frieden in der Ukraine militärisch absichern" WDR 5 Morgenecho - Interview 20.08.2025 09:49 Min. Verfügbar bis 20.08.2026 WDR 5

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WDR: Sie sagen aber selber: Es ist wahrscheinlich, dass deutsche Soldaten ihren Dienst in der Ukraine leisten müssen. Über wie viele Soldaten sprechen wir?

Röwekamp: Wir sprechen nicht so sehr über eine Anzahl von Soldaten, sondern über die Frage, welche Fähigkeiten in Zukunft in der Ukraine vorhanden sein müssen, um eine erneute militärische Aggression abzuwehren. Die Ukraine hat ja, wie Europa insgesamt, sehr schlechte Erfahrungen mit Friedenszusagen aus Russland gemacht. Auch nach der Annexion der Krim war man sich ja eigentlich einig, dass eine weitere militärische Eskalation durch Russland nicht stattfinden soll.

Leitet den Verteidigungsausschuss: Thomas Röwekamp | Bildquelle: IMAGO/Jürgen Heinrich

Deswegen muss dieser Frieden in der Ukraine auch militärisch abgesichert werden. Dazu braucht die Ukraine unsere Unterstützung bei bestimmten Fähigkeiten. In der Logistik zum Beispiel, bei der Luftabwehr oder auch bei der Ausbildung der eigenen Soldatinnen und Soldaten.

WDR: Also Unterstützung wie jetzt im Krieg, nur dann in Friedenszeiten.

Röwekamp: Es geht darum, der Ukraine verbindlich zuzusichern - und das auch militärisch abzusichern -, dass für den Fall eines erneuten Angriffs durch Russland die Europäer gemeinsam mit den Truppen der Amerikaner bereit sind, einen Angriff zurückzuschlagen. Am Ende will niemand Krieg, und der sicherste Weg, eine erneute kriegerische Auseinandersetzung zu verhindern, wäre, die russische Armee mit einer starken Truppenpräsenz gegen einen solchen Krieg abzuschrecken.

WDR: Und die Menschen in der Ukraine, die Leitung in Kiew - die sehen das ähnlich?

Röwekamp: Die Sicherheitsgarantie durch die Nato-Staaten ist die Voraussetzung dafür, dass auch die Ukraine sich überhaupt auf einen Friedensprozess einlassen will. Sie weiß genau, dass sie sich gegen einen erneuten militärischen Angriff Russlands nur eingeschränkt verteidigen kann. Und deswegen auch auf die Unterstützung insbesondere im militärischen Bereich durch die europäischen Staaten und durch Amerika angewiesen ist.

WDR: Dann besteht ja aber auch die Gefahr, dass, wenn es möglicherweise wieder zu Zwischenfällen kommt, dann auch deutsche Soldaten in kriegerische Handlungen involviert sind.

Röwekamp: Genau, das Prinzip der Friedenssicherung wird in Zukunft Abschreckung sein. Und um die Abschreckung glaubhaft zu machen, müssen wir militärische Fähigkeiten haben. Und das bedeutet eben auch, dass auch deutsche Soldatinnen und Soldaten in Zukunft nach einem Friedensschluss mit Russland hier dafür sorgen, dass der Frieden wahrhaft hält.

WDR: Was könnte denn die Bundeswehr leisten aktuell?

Röwekamp: Wir können auf jeden Fall, wie bisher auch, bei der militärischen Ausrüstung unterstützen. Das heißt, wir können hochwirksame Rüstungsgüter liefern. Wir können, wie wir es bisher auch schon machen, ukrainische Soldatinnen und Soldaten ausbilden - insbesondere in diesen hochpräzisen und hochentwickelten militärischen Fähigkeiten.

Wir können in der Logistik helfen, und auch bei der Frage, wie sich die Ukraine wirksam gegen russische Luftangriffe verteidigen kann. Es gibt eine ganze Palette von militärischen Fähigkeiten, die wir in der Bundeswehr haben, die den Frieden in der Ukraine dauerhaft absichern kann.

WDR: Da gibt es ja aber auch die Stachelschwein-Theorie: Dass man nämlich sagt, wir brauchen gar keine deutschen, italienischen, französischen Soldaten in die Ukraine bringen. Wir rüsten das Land, nachdem es einen Friedensbeschluss gegeben hat, so auf, dass es sich selbst verteidigen kann. Ist das keine Option?

Röwekamp: Wir sollten keine Option vom Tisch nehmen. Klar ist: Die Ukraine verfügt trotz des lang andauernden Krieges immer noch über eine gut ausgebildete und hocheffiziente eigene Armee. Und natürlich muss es darum gehen, auch nach einem möglichen Frieden die Ukraine in dieser Befähigung wieder zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass die Ukraine sich erstmal selbst effektiv verteidigen kann.

Aber daneben wird es auch die Notwendigkeit geben, dass für den Fall eines erneuten Angriffs auf die Ukraine diese nicht mit ihrer Armee alleine steht, sondern insbesondere auch in der militärischen Auseinandersetzung durch europäische Armeen und durch die Amerikaner unterstützt werden würde. Das gilt insbesondere für die Frage der Luftverteidigung, wo die Amerikaner eine ganz besondere Fähigkeit haben, die für die Ukraine auch eine wichtige Sicherheitsgarantie wäre.

WDR: Bundeswehreinsätze muss aber der Bundestag beschließen.

Röwekamp: Wir sind ja noch ganz am Anfang dieses Prozesses. Am Ende wird man anhand eines konkreten Beschlusses darüber entscheiden müssen, zu welchen militärischen Zwecken und mit wie vielen Soldatinnen und Soldaten man einen solchen Einsatz unterstützt. Aber das wäre jetzt der dritte Schritt vor dem ersten.

Jetzt geht es erst einmal darum, gemeinsam mit unseren Partnern in Amerika und Europa zu verabreden, wer welche Fähigkeiten zur Verfügung stellen kann. Und daneben ist ja noch die Voraussetzung, dass es überhaupt zu einem Friedensvertrag zwischen Russland und der Ukraine kommt.

Das Interview führte Andreas Bursche am 20. August 2025 im WDR 5 Morgenecho. Für die Online-Version wurde es sprachlich leicht angepasst, ohne den Inhalt zu verändern.

Kommentare zum Thema

  • Meda S. 22.08.2025, 01:36 Uhr

    Mal ganz provokativ gefragt: in wieviel Prozent der in den letzten 30 Jahren bewaffnet ausgetragenen Konfliktsituationen auf der Welt hat der Westen durch seine Einmischung irgendetwas verbessert? Ausser seinem auf dem Sofa sitzenden westlichen Gewissen? Genau, es waren wohl eher nicht soviele Prozent. Aber nun glauben wir allen Ernstes, es in diesem Konflikt besser zu machen? Dem Blick auf die Realität sollte der Blick auf die Landkarte vorausgehen.

  • Franziska 1 21.08.2025, 19:58 Uhr

    Die Hilflosigkeit die bei der Politik in Berlin herrscht beim UKR-Krieg erzürnt viele Menschen im Land. Politiker Meinungen was zählen die noch, wenn sie Ideen an Hilfe haben, die nicht zum Frieden führen können bei Putin. Die Ukraine wird jeden Tag mit Drohnen bedroht, sollen die deutschen Soldaten am Abschußgerät sitzen, somit Frieden für die UKR bringen? Oder werden sie an die Front geschickt, was den Krieg bestimmt nicht beenden wird. Da werden jeden Tag die Menschen belastet, ausweglos scheint die Lage in der Ukraine zu werden, auch wenn man sagt, das Gebiet haben wir uns zurück erkämpft. Die Lage wird dadurch nicht besser werden, wenn Menschen täglich sterben oder verletzt sind. Mag mag mir verzeihen was ich jetzt anbringe: " Himmerdonnerwetternochmal, einigt euch oder versündigt euch weiter an unschuldige Menschen die euren Kriegswahn erdulden "müssen". Nehmt den Hass weg aus dem Mund. Eure Waffe, sind nur die Waffen? Ein bitteres Ende kennt keinen Frieden nachhaltig.

  • Mirko 21.08.2025, 19:28 Uhr

    Gesellschaftlich ungewohnt und mit Vorbehalten begegnet, müssen wir doch schauen, welche Verantwortung wir in Europa haben. Und da stellt Deutschland nunmal das nicht nur bevölkerungsstärkste, sondern auch wirtschaftlich stärkste und finanzkräftigste Land dar. Wer, wenn nicht wir, sollte Truppenkontingente stellen? Klar, die Bundeswehr ist militärisch wie personell völlig ausgeblutet. Die CDU trägt hier eine erhebliche Mitverantwortung, wenn man sich die Entscheidungen der 2000er Jahre bis 2022 anschaut. Aber das muss leistbar sein. Wenn wir eine Brigade für Litauen aufstellen können, muss uns ähnliches auch für die Ukraine möglich sein. Die Grenze zu Russland ist so groß, die wird sowieso nicht lückenlos kontrollierbar sein. "Boots on the Ground" ist daher symbolisch zur Abschreckung. Und eine Bundeswehr-Brigade in der Ukraine dürfte auf die russische Gesellschaft eine erhebliche Abschreckungswirkung haben. Das sind wir der Ukraine schuldig.