Ein gesichtsloser Hacker mit Kapuze tippt etwas in einen Computer. Im Vordergunrd ist das Logo des Podcasts nah dran zu sehen.

Onlinebetrug und moderne Sklaverei: Die Methoden der Cybermafia

Stand:

Milliardenbetrug per Chatnachricht. Die neue Folge des WDR-Podcasts "nah dran - die Geschichte hinter der Nachricht" zeigt, wie die Cybermafia weltweit agiert, Opfer und Täter gleichermaßen in den Abgrund reißt und wie künstliche Intelligenz den Betrug noch gefährlicher macht.

Ob "Hallo Mama, das ist meine neue Nummer" per WhatsApp oder der Flirtversuch einer Unbekannten auf Instagram - hinter diesen auf den ersten Blick harmlos wirkenden Nachrichten stecken oft professionelle Betrugsnetzwerke. Die aktuelle ARD-Doku "Im Inneren der Cybermafia - Love.Like.Lost" zeigt, wie ausgeklügelt und perfide die Täter vorgehen.

Betroffene merken erst, was passiert ist, wenn es längst zu spät ist. Am Ende stehen oft Erpressung, Scham und der Verlust der gesamten Ersparnisse. Im Podcast "nah dran" schildert NDR-Journalistin Svea Eckert, wie gut die Maschen der Betrüger inszeniert sind.

Cybercrime: Täter, die auch Opfer sind

Porträtfoto von Svea Eckert. Sie schaut zur Seite und auf ein Mobiltelefon, das sie in Händen hält

NDR-Journalistin Svea Eckert

Was viele nicht wissen: Die eigentlichen Betrüger sind oft selbst Gefangene. Mit falschen Jobangeboten werden sie nach Südostasien gelockt, in Länder wie Myanmar oder Kambodscha verschleppt und in sogenannten Scam-Fabriken unter Gewaltandrohung zum Betrug gezwungen.

Wir werden gescammt und denken uns: "Was für miese Betrüger!" Aber dass es um hunderttausende Menschen geht, die zum Betrug gezwungen werden, teilweise unter Folter und Schlägen, das hat mich schon total überrascht. Svea Eckert, NDR-Journalistin

Die UN sprechen von moderner Sklaverei und schätzen, dass weltweit über 100.000 Menschen in solchen Zentren festgehalten werden.

KI - Gefahr und Hoffnung zugleich

Künstliche Intelligenz macht Betrugsversuche noch raffinierter. Automatisierte Chats, Deepfakes und synthetische Stimmen helfen Tätern dabei, weltweit und rund um die Uhr potenzielle Opfer zu täuschen.

Doch die Forschung schlägt zurück: Am Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit wurde eine Gegen-KI entwickelt. Sie gibt sich als potenzielles Opfer aus, chattet mit Betrügern und sammelt deren Zahlungsinformationen, um diese dann sperren zu lassen.

"Unser Modell ist 24/7 aktiv und konnte bereits in hunderten Fällen Zahlungsdaten sichern, die dann den Zahlungsdienstleistern gemeldet wurden", erklärt IT-Sicherheitsforscher Thorsten Holz. So konnten bereits über eine Million verdächtige Konten gesperrt werden.

Milliardenbetrug - auch in Deutschland

Laut UN liegt der jährliche Umsatz allein der Betrüger in Südostasien bei rund 40 Milliarden US-Dollar. Weltweit gesehen wird durch Online-Betrug sicherlich deutlich mehr erbeutet. Allerdings ist die Dunkelziffer sehr hoch, denn viele Opfer melden sich aus Scham nicht.

Das Problem betrifft auch Deutschland. Allein bei der Zentralstelle Cybercrime Bayern in Bamberg wurden im Jahr 2024 mehr als 18.000 Fälle erfasst und bearbeitet. Das entspricht einem ähnlich hohen Niveau wie im Vorjahr. Der dabei entstandene Gesamtschaden beläuft sich auf fast 49 Millionen Euro.

Die neue Podcast-Folge "nah dran" gibt einen seltenen Einblick in die Abgründe des globalen Online-Betrugs und zeigt, wie nah diese Gefahr tatsächlich ist.

Im Podcast "nah dran - die Geschichte hinter der Nachricht" erzählen unsere Reporterinnen und Reporter, was sie bei ihren Recherchen erlebt haben. Sie werfen einen Blick hinter die Nachrichten, hören Betroffenen zu und erleben selbst mit, wovon die meisten nur kurz in den wöchentlichen Schlagzeilen lesen. Näher ran als sie kommt niemand - egal ob im Ausland, in der Hauptstadt oder direkt vor unserer Tür in der Region.

Mehr Nachrichten