Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, gesellschaftliche Krisen - all das hat die psychische Gesundheit vieler Menschen stark belastet, sagt die Bundespsychotherapeutenkammer. Um schneller an Termine zu kommen, fordern die gesetzlichen Krankenversicherungen jetzt eine Meldepflicht für Psychotherapeuten.
Wie komme ich an Termine?
Eine Möglichkeit sind die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen. Sie sind über den Patientenservice 116117 erreichbar. Darüber muss nach einer Woche ein Termin vermittelt werden. Dieser darf höchstens vier Wochen in der Zukunft liegen - bei Akutbehandlungen nicht mehr als zwei Wochen. Eine Überweisung ist nicht nötig.
Laut Spitzenverband seien 2023 allerdings mehr als die Hälfte der Anfragen (54 Prozent) gar nicht oder nicht innerhalb der vorgeschriebenen Frist vermittelt worden. Viel einfacher sei es daher, wenn psychisch Erkrankte eine Praxis nach der anderen anrufen und auf eine Rückmeldung warten - die selten komme, wie Stefanie Stoff-Ahnis vom GKV-Spitzenverband kritisiert. Von der Deutschen Therapeutenvereinigung (DPtV) heißt es, der überwiegende Teil der Patientinnen und Patienten kontaktiere die Praxen direkt und erhalte in "angemessener Zeit" einen Termin.
Wo liegen die Probleme?
Ein Grund für die Probleme ist der steigende Bedarf. So zeigt zum Beispiel der Psychoreport der DAK für ihre Versicherten, dass im Jahr 2024 auf 100 Versicherte 342 Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Probleme kamen. Zehn Jahre zuvor waren es noch 237.
Trotzdem sagt Stoff-Ahnis: "Wir haben keinen Mangel an Psychotherapieplätzen. Aber gerade schwer psychisch Kranke haben Probleme, einen Therapieplatz zu finden." Das liege unter anderem daran, dass Therapeuten nicht alle freien Plätze weitermelden würden und Kapazitäten nicht voll ausschöpfen.
Wie kann es besser werden?
Die gesetzlichen Krankenkassen fordern vor allem mehr Transparenz bei den Psychotherapeuten. So soll es bundesweit einheitliche Regeln geben, wie Kassenärztliche Vereinigungen darauf achten, dass Vorgaben - zum Beispiel beim Angebot an Sprechstunden - eingehalten werden. Das sei derzeit noch regional sehr unterschiedlich.
Die Bundespsychotherapeutenkammer hingegen fordert mehr Kassensitze. Sie schätzt, dass 7.000 Sitze für Psychotherapeutinnen und -therapeuten fehlen. Laut Statistischem Bundesamt gibt es in Deutschland 48.000 approbierte Psychotherapinnen und -therapeuten. Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung dürfen aber nur 32.500 davon ihre Behandlungen mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen. Alle anderen müssen privat bezahlt werden.
Wie es besser werden kann, ist auch Thema im Koalitionsvertrag. Die neue Bundesregierung will die psychotherapeutische Versorgung zum Beispiel durch "niedrigschwellige Online-Beratung" und "digitale Gesundheitsanwendungen" stärken.
Unsere Quellen:
- Positionspapier des GKV Spitzenverbands
- Psychoreport der DAK
- Nachrichtenagenturen KNA, AFP
- Gespräch mit Janka Hegemeister, Pressereferentin GKV-Spitzenverband
Über dieses Thema berichten wir am 24. Juli 2025 auch im WDR Radio: Echo des Tages auf WDR 5, ab 18.30 Uhr.