An Seen und Flüssen: So findet man sichere Badestellen

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An heißen Tagen locken viele Flüsse und Seen in NRW mit kühlem Nass. Wilde Badestellen bergen aber auch Gefahren. Wie erkennt man eine sichere Badestelle? Tipps von der DLRG.

Dass Schwimmen im Rhein keine gute Idee ist, haben die Unfälle der vergangenen Wochen wieder einmal dramatisch gezeigt. In Düsseldorf und Neuss gelten deshalb jetzt Badeverbote.

Badeverbot jetzt auch in Neuss WDR Studios NRW 15.08.2025 00:19 Min. Verfügbar bis 15.08.2027 WDR Online

Wer zur Abkühlung aber in einen kleineren Fluss oder einen See springen möchte, sollte wissen, wie man an solchen wilden Badestellen Gefahren erkennt. Martin Holzhause von der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) hat Tipps, worauf man achten sollte.

WDR: Wie erkenne ich, ob eine solche "wilde" Badestelle sicher ist?

Holzhause: Sicher ist man natürlich immer dort, wo eine Badestelle bewacht ist, wo es im Notfall auch Rettungskräfte direkt vor Ort gibt. Deshalb sind Strandbäder immer die bessere Alternative.

"Das Sicherste sind Strandbäder": Martin Holzhause | Bildquelle: DLRG

Wenn man unbedingt an einer unbewachten Stelle baden möchte – egal, ob im See oder im Fluss – sollte man einige Hinweise beachten. Zum einen: Nie alleine baden gehen. Es sollten immer andere Menschen dabei sein, die im Notfall Hilfe holen können. Wer nicht gut schwimmen kann, sollte nicht weiter als bis zum Bauch ins Wasser. Schwimmer sind sicherer, wenn sie sich nicht weit vom Ufer weg bewegen, am besten parallel zum Ufer schwimmen.

WDR: Gibt es typische Stellen an Gewässern, wo auf jeden Fall Vorsicht geboten ist?

Holzhause: Seen zum Beispiel, die irgendwann mal ausgebaggert wurden, haben meistens unter Wasser eine Abbruchkante. Bis an die Kante ist der Uferbereich flach, aber dann geht es plötzlich sehr steil nach unten. Nichtschwimmer, die hier in die Tiefe abrutschen, kommen oft nicht mehr hoch.

Allgemein gilt: Wenn man ein Gewässer nicht kennt, sollte man sich erstmal sehr vorsichtig im Wasser bewegen. Über viele Seen gibt es Informationen im Internet – auch zu den Gefahren. Auch weisen häufig Schilder direkt am Gewässer auf Gefahren hin.

Außerdem sollte man sich vor dem Sprung ins Wasser ausreichend abkühlen. Viele Unfälle passieren auch, weil der Körper auf das plötzlich kalte Wasser mit Kreislaufproblemen bis hin zum Herzstillstand reagiert.

WDR: Und wie kann man die Sicherheit vor Ort checken?

Wasserrettung durch die DLRG | Bildquelle: DLRG

Holzhause: Auf jeden Fall sollte man niemals kopfüber in ein unbekanntes Gewässer springen. Jedes Jahr enden in Deutschland rund 80 solcher Sprünge mit einer Querschnittslähmung. Also: Rantasten, erstmal an die Stelle schwimmen, wo man springen möchte. Checken, ob das Wasser dort tief genug ist, ob keine von außen nicht sichtbaren Steine unter Wasser liegen. Oft werden in Seen auch einfach größere Müllgegenstände verklappt, die ebenfalls eine Gefahr für Schwimmer darstellen können.

Gefahren lauern immer zum Beispiel an Brückenpfeilern, an strömungsreichen Stellen, an Zuflüssen oder Wehren. Wer an einem Wehr in die Wasserwalze gerät, hat auch als guter Schwimmer unter Umständen keine Chance. Solche Stellen sollte man grundsätzlich meiden.       

WDR: Die DLRG bietet sogenannte Risk Assessments an, um Badestellen sicherer zu machen. Was genau ist das?

Holzhause: Kommunen können Badestellen auf ihre Sicherheit prüfen und zertifizieren lassen. Die DLRG gibt dann Empfehlungen dazu, was es braucht, um eine Badestelle am See oder an einem Fluss sicherer zu machen. Soll die Badestelle bewacht werden, geht es zum Beispiel darum, einen Badebereich zu definieren, diesen von anderen Bereichen abzugrenzen und die nötigen Rettungsmittel zu planen. Wie zum Beispiel Wachstationen, Rettungsschwimmer oder Einsatzfahrzeuge, die bereit gehalten werden.

WDR: Wird dieses Angebot oft nachgefragt?

Holzhause: Schon. Die Badeorte an der Nord- und Ostsee streben oft die Zertifizierung "Lifeguarded Beach" an. Für sie ist es wichtig, mit der Sicherheit ihrer Strände werben zu können. In NRW sind es schonmal Freibäder, die ihre Sicherheit durch ein Risk Assessment Center checken lassen.

Oder Kommunen wollen prüfen, ob am heimischen Baggersee ausreichend Maßnahmen getroffen worden sind: Sind Warnhinweise zu Gefahren vollständig und verständlich? Gibt es ausreichend Rettungsmittel wie Rettungsringe vor Ort? Können Rettungsfahrzeuge im Notfall die Badestelle gut erreichen? Diese und viele weitere Fragen nehmen die Prüfer in den Blick. In ihrem Gutachten werden die Badestelle und mögliche Gefahren beschrieben. Und es werden Vorschläge gemacht, wie die Sicherheit verbessert werden kann.

Das Interview führte Nina Magoley.