Ungefähr 80 Euro wird David Semmelmann, Müllwerker bei der AWB Köln, in den nächsten zwei Tagen für Uber ausgeben - nur wegen des Streiks bei Bussen und Bahnen. "20 Euro pro Weg. Und ich muss Freitag und Samstag arbeiten." Bei ihm und seinen Kollegen ist das Verständnis für den ÖPNV-Streik begrenzt: "Ist echt ärgerlich. Ich finde, die streiken ein bisschen zu oft."
Wenn am Freitag und in vielen Regionen auch am Samstag Bahnen und Busse in den Depots bleiben, dann wird es sicher wieder voll auf den Straßen in NRW. Auch wenn es im dichten Verkehr nervig wird, und der Weg zur Arbeit möglicherweise länger dauert, so ist es doch ein Privileg, überhaupt die Wahl zwischen Auto und Bahn zu haben.
Wer nicht auf ein Auto umsteigen kann, hat ein Problem
"Da schlagen natürlich zwei Herzen in unserer Brust", sagt Matthias Veit dazu, NRW-Landespressesprecher vom Sozialverband Deutschland (SoVD) im Gespräch mit dem WDR. Auf der einen Seite sei das Streikrecht wichtig, um die Interessen der Arbeitnehmerschaft durchsetzen zu können. "Wir kämpfen ja für vernünftige Tariflöhne", so Veit. Auf der anderen Seite stünden da sehr viele Menschen, die die Arbeitsniederlegung deshalb hart trifft, weil sie keine Alternative zu Bahn und Bus haben.
So wie dieser junger Data-Analyst, der mit dem Namen anonym bleiben will. Er sei froh, dass er sich mit seiner Mutter zusammen ein Auto mieten kann: "Sie arbeitet bei Galeria Kaufhof, ich arbeite auch in der Innenstadt." Trotzdem wird es teuer, extra ein Auto zu leihen. "Aber einfach zu Hause bleiben geht ja auch nicht."
Auch Magdaleni Eneghabo trifft der Streik. Sie arbeitet als Reinigungskraft in einer Apotheke. Sie muss sich Urlaub nehmen wegen des Streiks, weil sie ohne Bus und Bahn nicht zur Arbeit kommt: "Das ärgert mich!", sagt sie.
Viele Menschen sind vom KVB-Streik betroffen. WDR Studios NRW. 26.02.2026. 02:13 Min.. Verfügbar bis 26.02.2028. WDR Online.
Verdi: Personalmangel würde die Situation im ÖPNV noch verschärfen
Auch die Gewerkschaft Verdi, die zum Streik aufgerufen hat, weiß, dass dieser Sreik Menschen trifft, die auf einen ordnungsgemäßen Betrieb von Bahn und Bus angewiesen sind.
Allerdings befürchtet die Gewerkschaft, dass der Personalmangel sich weiter verschärfen könnte, wenn die Arbeitsbedingungen sich nicht verbesserten. Und damit wäre sozial benachteiligten Menschen auch nicht geholfen. Die Beschäftigten benötigten daher spürbare Entlastungen, sagte der Gewerkschafter Heinz Rech, der die Verhandlungen für Verdi NRW führt.
Nahverkehr: Wo schlägt der Streik in NRW besonders zu?
Zu den kommunalen Verkehrsbetrieben, um die es in den Tarifverhandlungen geht, gehören nahezu alle großen Städte in Nordrhein-Westfalen von Bonn, Köln, Düsseldorf und Duisburg über Oberhausen, Gelsenkirchen und Dortmund bis nach Hagen und Bielefeld. Die Aachener Verkehrsbetriebe Aseag sind eine der wenigen Ausnahmen in NRW, auf die sich die Tarifverhandlungen nicht beziehen. In Wuppertal fahren Busse und Bahnen morgen auch.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Matthias Veit vom Sozialverband Deutschland (Landesverband NRW)
- Agenturen AFP, dpa
- Gespräche mit Pendlern in Köln
Sendung: Tag um 12, WDR 4, 26.02.2026, 12 Uhr.
Kommentare zum Thema
Verdi hat recht: Wenn die Betahlung zu s chlecht ist, bekommt man kein Personal mehr und das bestehende kündigt womöglich. Das war wohl auch so, jedoch haben die Verkehrsbetriebe die Kondionen dann auch verbessert. Vor allem verstehe ich nicht, wieso bei einem Arbeitnehmermermarkt die Gewerkschaft in Form von Streiks unterstützend eingreifen muss. Das ist doch nur dann erforderlich, wenn der Arbeitgeber bei Hungerlöhnen darauf freundlich hinweist, dass etliche vor,der Tür,stehen und den Job, auch zu Bedingungen des Hungerlohn, gerne annehmen würden. Na ja man kann wohl davon ausgehen, dass bei Erfüllung der Gewerkschaftsforderungen die Leistungen des ÖPNV gekürzt werden. Das Geld ist nicht mehr da. Das lindert das Problem des Fahrpersonal angels ebenfalls.
Die sollten mal zum fußballspiel streiken. Das trauen die sich nur nicht. Da würde ja echter Gegenwind entgegenkommen
Ich finde diese Streiks so sinnlos... Ich fahre Aufgrund der Unzuverlässigkeit und der Preise gar nicht mehr mit Bus und Bahn. Die Gewerkschaften sollten vielleicht mal überlegen Streiks für Preissenkungen zu machen um mehr Menschen auf ÖPNV zu bekommen, die dann wiederum die Löhne zahlen. Man hat ja gesehen was passiert wenn Gewerkschaften Unternehmen ausschlachten, Menschen verlieren ihre Jobs. Man kann nicht überall fürstlich verdienen, so funktioniert Wirtschaft nunmal nicht. Wenn ein Unternehmen nicht profitabel ist, dann kann auch nicht mehr Lohn für zahlreiche Mitarbeiter angepasst werden. Davon abgesehen sollte man sich mal ansehen woher die Gewerkschaftsmitarbeiter ursprünglich kamen, nie im Leben nen Spaten oder nen Hammer in der Hand gehabt... Aber die Arbeitnehmer die dort eintreten sind im Endeffekt selber schuld oder wissen es halt nicht besser...