Mobbing und Cybermobbing bei Erwachsenen: Warum es zunimmt | Aktuelle Stunde

Aktuelle Stunde 07.11.2025 20:16 Min. UT Verfügbar bis 07.11.2027 WDR Von Julius Hilfenhaus

Online-Befragung: Cybermobbing am Arbeitsplatz nimmt zu

Stand:

Immer mehr Menschen werden Opfer von Cybermobbing, besonders am Arbeitsplatz. Vor allem junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren sind betroffen. Wo Betroffene Hilfe finden.

Ein Junge sitzt vor einem Computer und reibt sich die Augen.

Nicht nur in der Schule ist Mobbing ein Problem

Cybermobbing nimmt immer mehr zu - und das nicht nur bei Jugendlichen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Online-Befragung vom Bündnis gegen Cybermobbing. Demnach sind 14 Prozent aller Befragten zwischen 18 und 65 Jahren bereits Opfer von Cybermobbing geworden. Das sind 2,5 Prozentpunkte mehr als bei der letzten Befragung 2021. Besonders betroffen sind junge Erwachsene.

Fast jeder Zweite zwischen 18 und 24 Jahren wurde bereits Opfer von Mobbing (45 Prozent). Betroffen von Cybermobbing war demnach jeder vierte Befragte. Laut Uwe Leest vom Bündnis gegen Cybermobbing liege das daran, dass das gelernte "negative Verhalten" aus Jugend und Schule ins Arbeitsleben übernommen werde, weil es nicht sanktioniert worden sei. Fast die Hälfte aller Mobbingfälle (43 Prozent) findet am Arbeitsplatz statt.

Betroffene von Cybermobbing oft auch Mobbing-Opfer

Ein Ausschnitt eines Facebook-Kommentars

Cybermobbing am Arbeitsplatz nimmt zu

Doch Mobbing und Cybermobbing verlagert sich laut Befragung auch immer mehr in andere Lebensbereiche. Im privaten Umfeld ist es der eigene Freundeskreis, in dem es am häufigsten zu Mobbing- und Cybermobbing-Attacken kommt. Wer Opfer von Cybermobbing wird, wird in der Regel auch Opfer von klassischem Mobbing (86 Prozent) - mit fatalen Folgen.

Fast ein Viertel der Opfer von Cybermobbing stuft sich laut Befragung selbst als suizidgefährdet ein. Betroffene leiden der Befragung zufolge unter Depressionen, Persönlichkeitsveränderungen und mangelndem Selbstvertrauen. Körperliche Beschwerden und auch die Suchtgefahr seien erhöht. Bis zu 30 Prozent haben demnach schon zu Alkohol, Medikamenten oder Drogen gegriffen.

Mobbing hat auch Folgen für die Unternehmen. Betroffene von Mobbing fielen zwei Tage mehr am Arbeitsplatz aus. Laut Befragung entsteht für Unternehmen so ein Schaden von circa 4,3 Milliarden Euro.

Was sich gegen Cybermobbing tun lässt

Fragt man die Opfer selbst, wünschen sie sich vor allem eine schärfere Gesetzgebung und bessere Beratungsmöglichkeiten. Das Bündnis gegen Cybermobbing fordert daher mehr Beratungsstellen und dass Unternehmen dazu verpflichtet werden, präventiv aktiv zu werden.

Gesetzliche Regelungen wünscht sich auch Catarina Katzer vom Institut für Cyberpsychologie, Medien- und Jugendforschung in Köln. Dies sei ein Zeichen für die Opfer, dass sie ernstgenommen werden - aber auch für die Täter. Denn Mobbing sei kein Kavaliersdelikt.

Betroffenen rät Katzer, Cybermobbing und Mobbing keinesfalls zu ignorieren. Dadurch werde das Problem in der Regel nur schlimmer und die psychische Belastung steige. Opfer sollten Beweise sammeln und die Vorfälle bei der Polizei zur Anzeige bringen. Sie fordert außerdem mehr Verantwortung für Social-Media-Unternehmen - zum Beispiel Warnmeldungen, die auftauchen, bevor Mobbing-Nachrichten abgeschickt werden oder einen "Notfall-Button" für Betroffene.

Cybermobbing am Arbeitsplatz

WDR Studios NRW 07.11.2025 02:55 Min. Verfügbar bis 07.11.2027 WDR Online


Wie man sich proaktiv schützen kann

Einen hundertprozentigen Schutz gegen Cybermobbing gibt es nicht - laut dem "Bündnis gegen Cybermobbing" lässt sich in einigen Bereichen aber proaktiv vorbeugen. Vor allem wenn es darum geht, welche Infos wir im Netz über uns selbst verbreiten.

Zum Beispiel sollte Persönliches im Internet möglichst gar nicht stattfinden, schreibt das Bündnis in einer Info-Broschüre. Egal ob in Textform, als Bildmaterial oder Video. Kontaktanfragen auf Social-Media sollte man immer gründlich prüfen. Es reiche, wenn Freunde aus dem echten Leben und die Familie das eigene Profil mit allen Posts sehen könnten. Der Verein empfiehlt außerdem, sich auch mal selbst zu googeln, um zu prüfen, was dann in den Suchergebnissen auftaucht.

Sofortmaßnahmen für Betroffene

Zu den wichtigsten Schritten für Betroffene von Cybermobbing zählt, mit dem eigenen Umfeld offen darüber zu sprechen, was gerade passiert. Gemeinsam ist man stark. Das "Bündnis gegen Cybermobbing" rät auch, zusammen Beweise wie Screenhots zu sammeln, um Zeugen zu haben. Damit ließe sich dem Vorwurf der Manipulation vorbeugen.

Betroffene sollten den Mobber aus ihren Kontakten löschen oder ignorieren, aber auf keinen Fall auf seine Kommentare oder Nachrichten antworten. Damit diffamierende Bilder, Videos und Kommentare möglichst schnell gelöscht werden können, sollten sie beim Betreiber der Seite gemeldet werden. In schwerwiegenden Mobbing-Fällen rät das Bündnis zu einer Anzeige.

Mobbing: Hilfsangebote für Betroffene

Wer Opfer von Mobbing oder Cybermobbing ist, kann sich aber nicht nur an die Polizei wenden. Weitere Hilfsangebote gibt es zum Beispiel über den Weißen Ring - einer Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer - und eben das Bündnis gegen Cybermobbing.

Unsere Quellen:

  • Online-Befragung "Mobbing und Cybermobbing bei Erwachsenen. Eine empirische Bestandsaufnahme in Deutschland" (2025)
  • Interview mit Catarina Katzer, Institut für Cyberpsychologie, Medien- und Jugendforschung, im ARD Morgenmagazin
  • Info-Broschüre des "Bündnis gegen Cybermobbing"

Über dieses Thema berichten wir am 7. November 2025 auch im WDR Fernsehen: Aktuelle Stunde ab 18.45 Uhr.

Kommentare zum Thema

3 Kommentare

  • 3 Oldtimer 08.11.2025, 15:25 Uhr

    Es gibt eher zu viel als zu wenig Regeln, auch bei Äußerungsdelikten. Die beste Hilfe wäre LMAA (Leck mich am Arsch). Resilienz klingt besser, ist dabei aber im Grunde das gleiche. Zu meiner Zeit war Mobbing und Intrigen nicht weniger aber analog. Manchmal finde ich noch heute ganz analog anonyme Zettel im Briefkasten, aber auch das geht mir daran vorbei worauf ich gerade sitze. Man sollte nicht jede Geschichte unnötig hochkochen. Das Problem wird erst groß, wenn man sich da immer weiter reinsteigert.

  • 2 Täter-Opfer-Umkehr 08.11.2025, 12:17 Uhr

    Ich habe selbst in den letzten 40 Berufsjahren x-mal erlebt, wie insbesondere Kolleginnen wahllos andere Kollegen/innen massiv gemobbt haben. Interessant dabei war, dass die Täterinnen sich oftmals selbst als Opfer ansahen und nicht erkennen wollten, dass sie das Problem waren. Einige Täterinnen kamen danach sogar stationäre in psych. Behandlung, ohne ihre Schuld zu erkennen. Gerne wurden auch Kollegen angegangen, die von Frau beruflich als Gefahr angesehen wurde, da Frau sich diesen Kollegen nicht gewachsen sahen. Auch hier wurde immer gerne die Täter-Opfer-Umkehr angewandt, wie z.B. "der Kollege kann nicht mit Frauen zusammen arbeiten" oder "der Kollege hat Probleme mit weiblichen Vorgesetzten". Und natürlich ist sex. Belästigung von Männern durch Frauen völlig i.O. ; aber bei angeblicher umgekehrter Belästigung wird ein me-too-Fass aufgemacht.

  • 1 Anonym 07.11.2025, 19:24 Uhr

    Ist mir leider auch passiert über einige Jahre an zwei verschiedenen Arbeitsstelle. Einmal vom Vorgesetzten... In der anderen Firma war es auch der Vorgesetzte und dazu noch Betriebsratsmitglied . Als ich darauf hingewiesen habe, hieß es nur, 'er wäre nunmal so." Da er er 38 Jahre da war, hatte er einen Freifahrtschein und wurde von oben noch gedeckt.....

    Antworten (1)
    • Anonym 2 09.11.2025, 05:51 Uhr

      Kenne ich ähnlich. Hier war es allerdings jemand der noch nicht so lange da war, allerdings ebenfalls von der Chefetage gedeckt wurde und noch dazu fachlich ganz miserable Arbeit geleistet hat. Die Deckung hörte dann allerdings auf als man merkte dass in der Firmenkasse etwa ein Einfamilienhaus fehlte.

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