Warum gerade so viele Pudding mit der Gabel essen

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Dortmund, Bonn - und am Samstag schon wieder in Düsseldorf: In vielen Städten treffen sich Jugendliche zum gemeinsamen Pudding-mit-Gabel-Essen. Der Trend geht viral und erreicht jetzt offenbar auch New York. Warum eigentlich? Und was hat TikTok damit zu tun?

Von Andreas Poulakos

Es sind Szenen wie diese: Hunderte junge Menschen sitzen mit Schüsseln voll Pudding auf der Bonner Hofgartenwiese. Sie treffen sich zum gemeinsamen Essen. Das Besondere: Löffel kommen nicht zum Einsatz. Erst kürzlich hatten sich ebenfalls Hunderte im Dortmunder Westpark versammelt. Sie klopften mit einer Gabel auf mitgebrachten Pudding, dann startete der Countdown: "Zehn, neun, acht ..." Alle öffnen gemeinsam ihre Puddings und beginnen zu gabeln. Löffel sind unerwünscht - nicht nur in Bonn oder Dortmund, sondern auch andernorts. Der ganze Sinn dieser Treffen ist, Milchspeise mit einem kaum geeigneten Besteck zu essen.

Die Absurdität der Situation ist Teil des Witzes - und die Menschen in dem TikTok-Video aus Dortmund vom vergangenen Wochenende haben sichtlich Spaß an dem Event. Gut gelaunt werden die Vor- und Nachteile verschiedener Gabeltypen diskutiert, es wird viel gelacht und geplaudert.

Weitere Treffen in verschiedenen Orten angekündigt

Pudding mit der Gabel in Münster | Bildquelle: WDR

Bonn und Dortmund sind nur zwei von vielen Städten in NRW, Deutschland und dem gesamten deutschsprachigen Raum, in dem solche Aktionen zurzeit stattfinden. Es gibt oder gab sie zum Beispiel auch in Wuppertal, Münster, Köln, Paderborn, Bielefeld oder Siegen. Weitere Termine und Orte kursieren bereits.

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In Münster gab es vergangenen Freitag ein großes Pudding-Gabeln, in Düsseldorf voriges Wochenende ein gut besuchtes Event in der Innenstadt. Aber offenbar haben die Fans in Düsseldorf noch nicht genug: Am Samstag, 4. Oktober, soll es das nächste Treffen geben.

Urheber ist unbekannt

Das erste dokumentierte Pudding-Event fand in Karlsruhe statt. Wer als erster auf die Idee kam, ist nicht bekannt. Im Netz kursieren zwar Gerüchte, das Konzept gehe auf eine süddeutsche Künstlergruppe zurück - bestätigt ist das aber nicht. Klar ist nur, dass die Idee sich blitzschnell in den Sozialen Netzwerken verbreitete.

Aber warum nehmen die Teilnehmer teils lange Fahrten auf sich, um dabei zu sein? "Weil es einfach witzig ist", meinen die einen. "Es ist so absurd, dass man es einfach mal gemacht haben muss", erklären die anderen. Nur eines haben alle Befragten gemein: ein strahlendes Lächeln im Gesicht.

Trend auch in den USA angekommen

Inzwischen hat der Trend offenbar sogar die USA erreicht. In einem TikTok-Video zeigt ein User einen Flyer, der zu einem "Pudding mit Gabel" Essen im Central Park in New York einlädt. Der User selbst äußert sich begeistert über den Trend, der Menschen zusammen bringt, um gemeinsam zu essen. Er findet den Trend toll, gerade in der heutigen Zeit, in der "die Welt hässlich geworden" sei.

Er sagt: "Wir wissen nicht, wie viele Menschen sich kennen oder nicht kennen, aber sie werden sich kennen, wenn es vorbei ist." Daraus könnten Freundschaften und Beziehungen entstehen, betont er und ruft die Community dazu auf, an solchen Treffen teilzunehmen.   

Jugendforscher: "Es muss keinen Sinn ergeben"

"Es ist ein Trend. Es muss nicht unbedingt einen Sinn ergeben", sagt Sozial- und Jugendforscher Kilian Hampel dem WDR am Dienstag. Auf den Treffen werde schlicht und einfach das Absurde zelebriert, erklärt der Mitautor der viel beachteten Studie "Jugend in Deutschland 2025". Wichtig sei auch, dass der Trend von den Jugendlichen in deutschsprachigen Ländern selbst ausgegangen sei. "Da gibt es niemanden, der das von oben steuert." Auch das trage seiner Ansicht nach dazu bei, dass die Treffen so viel Zulauf finden.

Natürlich könne man das Ganze auch aus einer wissenschaftlichen Perspektive erklären, so Hampel. "Junge Menschen befinden sich seit Jahren im Dauerkrisen-Modus." Hinzu komme die aktuelle politische Situation und das daraus resultierende Gefühl, dass die schweren Zeiten noch längst nicht überwunden sind. "Irgendwann sagen sie dann zu sich selbst: Natürlich ist das alles sehr wichtig. Aber lasst mich doch bitte auch mal meine Jugend genießen."

Ein Mittel gegen die Einsamkeit

Trotz aller offensichtlichen Trivialität könne man auch Bedeutsames in den Pudding-Events erkennen, meint Hampel. "Es geht um die Gemeinschaft, die sich so erzeugen lässt." Auch junge Menschen seien immer öfter von Einsamkeit betroffen. Ein Treffen mit so vielen Gleichaltrigen, die man sonst nur in der digitalen Welt trifft, könne eine befreiende Erfahrung sein. "Und es ist sogar kostenlos, das ist nicht ganz unwichtig."

Wohin könnte das Ganze noch führen? "Tiktok-Trends sind schnelllebig. Gut möglich, dass sich das Thema nächste Woche schon erledigt hat. Oder es treffen sich nicht mehr Hunderte, sondern Tausende. Alles ist möglich." Das dachte sich möglicherweise auch die junge Frau, die vor einigen Tagen ebenfalls Gleichgesinnte zum Puddingessen ans Brandenburger Tor eingeladen hatte. Ihre Idee: Pudding nicht mit der Gabel essen. Sondern mit den Füßen. Aus dem Event wurde nichts: Offenbar ist die Generation Z doch nicht für jeden Spaß zu haben.

TikTok-Trend: Über 500 Menschen essen in Münster Pudding mit der Gabel 00:33 Min. Verfügbar bis 26.09.2027

Unsere Quellen:

  • Postings auf TikTok und Instagram
  • Artikel auf BR24
  • Interview mit Kilian Hampel
  • Nachrichtenagentur dpa

Über dieses Thema berichten wir am 29. September 2025 auch in Fernsehen: WDR Lokalzeit Münsterland, 20.30 Uhr.

Kommentare zum Thema

  • Tristan 05.10.2025, 09:23 Uhr

    Ist schon traurig... jetzt braucht man einen absurden Trend um zussammen zu kommen und zu lachen, sich zu unterhalten. Vielleicht einfach mal "social"-media, oder anti-social media, wie ich es nenne, bei Seite legen. Mobile in der Tasche lassen, Rücksicht auf andere nehmen, dadurch Menschen wieder bemerken und sich wieder einfach nett unterhalten. Mit anderen Worten... be social...netter bei Effekt Leute sind dann weniger egozentrisch, höfflicher, weniger aggresive...

  • Duden 05.10.2025, 09:15 Uhr

    PAUL, es gibt nur "Schlabbern"!! Lg aus Düsseldorf!

  • Michel 03.10.2025, 22:31 Uhr

    ....mein Vorschlag wäre als nächste Disziplin Eierlikör mit Gabeln. Ist sicher etwas schwieriger zu handeln.