Warum KI-Chatbots keine sicheren Passwörter anbieten

03:17 Min. Verfügbar bis 05.03.2028 Von Jörg Schieb, Jörg Schieb

Warum KI-Chatbots keine sicheren Passwörter liefern

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Chatbots werden gern in Anspruch genommen, auch gerne in Sicherheitsfragen. Doch wer ChatGPT und Co. um ein geeignetes Passwort bittet, begeht einen Fehler: WDR-Digitalexperte Jörg Schieb erklärt, warum man von Chatbots vorgeschlagene Passwörter besser nicht verwendet – und warum Passwort-Manager besser sind.

Von Jörg Schieb, WDR-Digitalexperte.Jörg Schieb

Millionen Menschen nutzen täglich KI-Chatbots wie ChatGPT, Gemini oder Claude – zum Schreiben, Recherchieren, Programmieren oder einfach, um sich zu unterhalten. Allein OpenAI kommt mittlerweile nach eigenen Angaben auf 900 Mio. wöchentlich aktive Nutzer weltweit – und die stellen täglich geschätzt rund 18 Milliarden Anfragen.

Millionen fragen Chatbots nach Passwörtern

In Deutschland haben laut einer aktuellen YouGov-Umfrage bereits 43 Prozent der Erwachsenen ChatGPT genutzt. Und ein erheblicher Teil dieser Anfragen dreht sich um ganz praktische Dinge des digitalen Alltags.

Darunter auch solche Fragen: „Wie soll ich mein Online-Konto absichern?“, „Was sind Passkeys?“ – aber auch: „Mir fällt kein gutes Passwort ein, generiere mir bitte ein sicheres Passwort“.

Eine aktuelle Studie zeigt: Das ist eine gefährliche Fehlentscheidung.

Studie legt Schwächen bei generierten Passwörtern offen

ChatGPT. Claude und Gemin schlagen Passwörter vor, die leicht zu knacken sind

ChatGPT. Claude und Gemin schlagen Passwörter vor, die leicht zu knacken sind

Das KI-Sicherheitsunternehmen „Irregular“ („Vibe Password Generation: Predictable by Design“) hat im Februar 2026 untersucht, was dabei herauskommt, wenn man die IT-Sicherheit in die Hände von "Kollege Chatbot" legt.

Die Forscher baten ChatGPT, Gemini und Claude jeweils 50 Mal darum, ein sicheres 16-stelliges Passwort zu generieren (was dem heutigen Standard entspricht) – mit Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen.

Das Ergebnis: Auf den ersten Blick sehen die Passwörter tadellos aus. „G7$kL9#mQ2&xP4!w“ – jeder Online-Checker vergibt dafür volle Punktzahl. Nur: Das Passwort ist fundamental unsicher.

Das Problem: KI "denkt", statt zu würfeln

Der Grund dafür ist aber kein Bug, nicht mal ein Makel, sondern eine grundsätzliches Besonderheit der Technologie: Sprachmodelle wie ChatGPT, Gemini oder Claude funktionieren, indem sie immer das wahrscheinlichste nächste Zeichen vorhersagen – auf Basis von Milliarden Trainingstexten. Genau das macht sie so nützlich: Sie produzieren plausible, sinnvolle Texte.

Für Passwörter ist das aber genau der falsche Weg. Ein sicheres Passwort braucht echte Zufälligkeit – jedes Zeichen muss mit exakt gleicher Wahrscheinlichkeit gewählt werden, vollkommen unabhängig vom vorherigen.

Technisch nennt sich das CSPRNG („Cryptographically Secure Pseudorandom Number Generator“). Sprachmodelle besitzen so etwas schlicht nicht – so wenig wie ein Mensch, der gebeten wird, spontan eine zufällige Zahl zwischen 1 und 1000 zu nennen.

Chatbots nennen immer wieder ähnliche Passwörter

Die Studie belegt das mit konkreten Zahlen: Claude lieferte bei 50 Versuchen nur 30 verschiedene Passwörter – eines davon identisch gleich 18 Mal (36 Prozent!). GPT-Passwörter beginnen mit auffälliger Regelmäßigkeit mit dem Buchstaben „v“, Gemini-Passwörter fast immer mit „K“ oder „k“.

Chatbots können keinen wirklich zufälligen Passwörter generieren

Chatbots können keinen wirklich zufälligen Passwörter generieren

Und selbst wenn man die sogenannte „Temperature „des Modells – also seinen Kreativitätsgrad – auf Maximum dreht, ändert sich nichts daran. Das Muster bleibt. Die generierten Passwörter sind schlichtweg nicht zufällig genug: Ein Angreifer kann sie in wenigen Stunden knacken – sogar auf alter Hardware aus den 2000er-Jahren.

„Vibe Passwords“: Stark wirkend, leicht zu knacken

Die Forscher haben für diese Kategorie einen eigenen Begriff geprägt: „Vibe Passwords“ – Passwörter, die nach Sicherheit aussehen, es aber nicht sind. Irregular suchte im Netz nach charakteristischen Zeichenketten von KI-Passwörtern – und wurde tatsächlich fündig: KI-generierte Passwörter kommen in echten Projekten, echten Konfigurationsdateien, echten Produktionssystemen zum Einsatz.

Das Problem betrifft längst nicht nur Nutzerinnen und Nutzer, die den Chatbot im Browser nach einem Passwort fragen. Coding-Agenten wie Claude Code oder Gemini-CLI generieren solche Passwörter auch still im Hintergrund – eingebettet in Konfigurationsdateien oder Computerprogrammen.

Die besseren Alternativen

Passkeys sind deutlich sicherer als Passwörter

Passkeys sind deutlich sicherer als Passwörter

Die gute Nachricht: Das Problem ist einfach zu umgehen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt dazu klare Alternativen.

Passwortmanager nutzen: Programme wie Bitwarden (kostenlos und Open Source), 1Password oder KeePass verwenden intern echte kryptografische Zufallsgeneratoren. Sie erstellen sichere Passwörter, merken sie sich und füllen sie automatisch aus. Das BSI empfiehlt ausdrücklich den Einsatz solcher Tools.

Passkeys als beste Option: Wo immer möglich, sollte man auf Passkeys umsteigen. Das moderne Anmeldeverfahren (FIDO2/WebAuthn) kommt ganz ohne Passwort aus – stattdessen werden biometrische Daten wie Fingerabdruck oder Gesichtserkennung genutzt. Da kein Passwort übertragen wird, können Angreifer auch keines stehlen. Das BSI bezeichnet Passkeys als derzeit sicherste Option.

Zwei-Faktor-Authentisierung (2FA) aktivieren: Auch ein starkes Passwort schützt allein nicht ausreichend. Wer zusätzlich einen zweiten Faktor einrichtet – etwa einen Code per App – macht es Angreifern erheblich schwerer. Das BSI empfiehlt, 2FA zumindest beim E-Mail-Konto zu aktivieren, da darüber oft alle anderen Konten zurückgesetzt werden können.

Lange Passwörter wählen: Wer dennoch selbst ein Passwort festlegt: Das BSI empfiehlt mindestens 20 bis 25 Zeichen. Lang und weniger komplex – zum Beispiel eine Folge zufälliger Wörter – schlägt kurz und komplex. Und jedes Konto braucht ein eigenes Passwort.

Unsere Quellen:

  • Irregular (Frontier AI Security), „Vibe Password Generation: Predictable by Design“, Februar 2026

Sendung: WDR.de, "Vorsicht: KI-Chatbots empfehlen keine sicheren Passwörter", 05.03.2026, 18.30 Uhr

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