Ein Linienbus steht nachts an einer Bushaltestelle, im Vordergrung eine Karte mit den Gemeinde-Umrissen von NRW

ÖPNV in NRW am Abend: Wo Busse und Bahnen spät noch fahren

Stand:

Eine WDR-Analyse zeigt: In fast allen Gemeinden fährt auch am späteren Abend noch Bus oder Bahn. Doch nicht überall, wo ein Bus fährt, ist die Anbindung auch wirklich gut.

Von Leonhard Eckwert

Eure Themen, eure Wahl: In der Woche vor den Kommunalwahlen beschäftigen wir uns in Online-Analysen und den WDR aktuell-Radionachrichten mit den Themen, die von den Menschen in NRW bei diesen Wahlen laut NRW-Trend als wichtigste Probleme vor Ort wahrgenommen werden.

Der Großteil der Gemeinden in Nordrhein-Westfalen ist unter der Woche auch am Abend noch an den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) angebunden. Das zeigt eine WDR-Analyse von Fahrplandaten der öffentlichen Nahverkehrsmittel in NRW.

Grundlage sind Fahrplandaten für die Woche vom 25. bis 31. August 2025. In jeder der 396 Gemeinden gab es nach 20 Uhr mindestens eine planmäßige ÖPNV-Fahrt.

In acht Gemeinden fallen die Verbindungen unter der Woche spätestens um 21 Uhr weg. Marienmünster im Kreis Höxter wird beispielsweise zum letzten Mal um 20.10 Uhr von einem Bus angefahren. Erst am nächsten Morgen fahren dann wieder Busse innerhalb des Gemeindegebietes.

Verbindungen wochentags bis in die Nacht

Auch nach 23 Uhr sind unter der Woche 90 Prozent der Gemeinden in NRW angebunden. Gründe dafür dürften vergleichsweise große Gemeindegebiete und eine hohe Bevölkerungsdichte sein.

Bei einer ähnlichen Auswertung des MDR für die Länder Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt gab es dagegen in einem Drittel der Gemeinden ab 20 Uhr keine Anbindungen mehr.

Eure Themen, eure Wahl: Das sagt ihr zum Thema Mobilität und Verkehr

Wir wollen eure Meinung zu den Themen wissen, die die Menschen in NRW vor der Kommunalwahl als drängendste Probleme empfinden. Das sagt ihr zum Thema Mobilität, Verkehr und ÖPNV.

Junger Mann schaut in die Kamera

Mats, 18, aus Moers: "Ich bin Student an der Universität Duisburg-Essen. Ich komme aus Moers und habe so Probleme mit dem öffentlichen Nahverkehr, dass der halt eben unattraktiv ist und halt eben, dass der pünktlicher kommen sollte. Zum Beispiel, wenn man mit dem Bus zum Bahnhof fährt und der Bus fünf, sieben oder zehn Minuten Verspätung hat und man dann so die Hälfte seiner Vorlesung verpasst. Also ich wünsche mir, dass die Kommunalpolitik halt eben den Nahverkehr attraktiv und bezahlbar macht."

Mats, 18, aus Moers: "Ich bin Student an der Universität Duisburg-Essen. Ich komme aus Moers und habe so Probleme mit dem öffentlichen Nahverkehr, dass der halt eben unattraktiv ist und halt eben, dass der pünktlicher kommen sollte. Zum Beispiel, wenn man mit dem Bus zum Bahnhof fährt und der Bus fünf, sieben oder zehn Minuten Verspätung hat und man dann so die Hälfte seiner Vorlesung verpasst. Also ich wünsche mir, dass die Kommunalpolitik halt eben den Nahverkehr attraktiv und bezahlbar macht."

Alicia, 28, aus Erkelenz: "Ich bin sehr viel mit dem Fahrrad unterwegs, fahre auch meistens mit dem Fahrrad zur Arbeit. Und mir ist aufgefallen, dass die Fahrradfeldwege sehr uneben sind, sehr viele Schlaglöcher. Oft ist es nicht gemäht. Wenn mir ein Fahrradfahrer entgegenkommt, kann ich kaum ausweichen. Auch in der Stadt sind oft Sträucher, Bäume, die in den Fahrradweg reinwachsen, wo man nicht ausweichen kann, wo ein Helm gegen Sträucher schlägt. Und ich würde mir wünschen, dass einfach für Erkelenz oder generell Kreis Heinsberg mehr darauf geachtet wird, damit auch noch mehr Leute aufs Fahrrad steigen und halt nicht mehr so viel Verkehr ist."

Christian, 46, aus Leverkusen: "Ich nutze die Busverbindung auf dem Weg zur Arbeit, da haben wir in den letzten Jahren auch schon einige gebaut. Aber im Augenblick ist natürlich halt die Haushaltslage nicht so wirklich berauschend und mein Wunsch wäre, dass die Politik auch weiterhin erkennt, dass ein gutes ÖPNV-Angebot wichtig ist und auch entsprechende Haushaltsmittel dafür bereitstehen."

Jörg, 67, aus Meckenheim: "Mein Vorschlag für die Lokalpolitik wäre die Einführung eines Senioren-Shuttle-Service, weil die älteren Leute halt nicht mehr so mobil sind und Bushaltestellen und so weiter, die auch nicht immer 100 Prozent fahren die Busse - da wäre einfach so ein Rufservice ganz gut."

Chantal, 28, aus Hattingen: "Ich habe keinen Führerschein und ziehe auch nicht in Betracht, jetzt einen zu machen, weil der mittlerweile 3.000 bis 4.000 Euro kostet, mir ist das einfach viel zu viel. Deswegen bin ich auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Da kostet allerdings auch eine Kurzstrecke an die 6 Euro und das ist auch schon sehr teuer."

Michael, 60, aus Oberhausen: "Ich fahre Auto, ich fahre aber auch innerhalb der Stadt Fahrrad. Aber dadurch, dass ich auch zwei kaputte Knie habe, muss ich ein bisschen mehr Auto fahren. Irgendwie fühle ich mich hier so ein bisschen aus der Stadt mit meinem Auto verbannt. Weil die Radwege werden immer breiter, die Fahrwege für Autos immer schmaler. Und irgendwie wird das nicht so angenommen oder kann das nicht angenommen werden, wie das erdacht wurde. Ich hoffe, dass die Politik einfach mal ein bisschen realistischer denkt."

Am Wochenende wird das Netz dünner

Am Wochenende bleibt der Großteil der Anbindungen bestehen. Auch dann können etwa 90 Prozent der Gemeinden in der Nacht noch erreicht werden. Teilweise gibt es durch Nachtlinien mehr spätere Fahrten. Für einzelne Gemeinden fallen abendliche Verbindungen weg.

In der Gemeinde Stemwede im Kreis Minden-Lübbecke etwa. Hier fährt am Wochenende vor 16 Uhr der letzte Bus durch das Gemeindegebiet – und das nur mit Anmeldung. Solche Rufbusse wie in Stemwede fahren auf bestimmten Linien nur bei Bedarf. In der Regel muss ein Fahrtwunsch vorher per Telefon oder App angemeldet werden.

In der Gemeinde Waldfeucht im Kreis Heinsberg kann man am Wochenende lange auf einen Bus warten. Als einzige Gemeinde in NRW fährt hier am Samstag und Sonntag nichts.

Ländlicher Nahverkehr von Ruf- und Schulbussen abhängig

Viele Verbindungen der ländlichen Gemeinden übernehmen Ruf- und Schulbusse. Die Landkreise müssen den Transport von Schulkindern ermöglichen. In den Schulferien und am Wochenende sind manche Orte deshalb deutlich schlechter angebunden.

Dagegen profitieren viele der kleineren Gemeinden mit Bahnhof vom regionalen Zugverkehr. Die meisten der kleineren Gemeinden mit Anschlüssen nach 23 Uhr haben einen Bahnhof, an dem eine Regional- oder S-Bahn fährt.

Gemeindestrukturen verschleiern schlechte ÖPNV-Anbindungen

Die Analyse der späten Anbindung an den Nahverkehr zeigt für die meisten Gemeinden zwar ein positives Bild. Sie ist aber nur ein erster, grober Überblick zur ÖPNV-Versorgung.

Denn die Ortsteile innerhalb einer Gemeinde sind häufig unterschiedlich gut angebunden. Gerade in großen ländlichen Gemeinden können Ortsteile mehrere Kilometer auseinanderliegen. Wenn Bus oder Bahn dann abends das Gemeindegebiet erreichen, kann die Haltestelle trotzdem mehrere Kilometer vom eigenen Wohnort entfernt sein.

Auf schwach frequentierten Strecken fehlt oft eine direkte Verbindung zum Ziel oder eine geeignete Umsteigemöglichkeit. Wenn der Bus selten und zu unpassenden Zeiten fährt, bleibt dann trotz Deutschlandticket für viele das Auto die einzige Option.

Die Frequenz ist entscheidend

Die Umweltorganisation Greenpeace hat im Frühjahr mithilfe von Fahrplänen auch bundesweit die Anbindung an den Nahverkehr untersucht. Die Studie berücksichtigt auch die Anzahl und Frequenz der Verbindungen.

Abseits von Berlin und Hamburg schneidet NRW am besten ab. Der Anteil der Menschen mit einer sehr schlechten Anbindung lag bei rund 18 Prozent. Zum Vergleich: In Bayern und Niedersachsen lag dieser Wert bei knapp 40 Prozent. Bonn, Herne und Düsseldorf zählten bundesweit zu den Städten mit dem geringsten Anteil der Bevölkerung, der vom ÖPNV abgehängt ist.

Laut Studie hilft die hohe Bevölkerungsdichte, ein vergleichsweise dichtes und eng getaktetes Bus- und Bahnnetz anzubieten.

Im Kreis Borken und im Oberbergischen Kreis hat dagegen etwa die Hälfte der Einwohner ein schlechtes ÖPNV-Angebot.

Immer weniger Züge pünktlich

Auch Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit sind wichtig. Die Soll-Fahrpläne aus der Analyse sagen nichts darüber aus, wie störungsfrei Fahrgäste vorankommen.

Besonders Bahnfahrer müssen mit Verspätungen und Zugausfällen rechnen: Der WDR hat den Bahnverkehr für NRW ausgewertet. Die Analyse zeigt, dass immer mehr Regionalbahnen zu spät kommen. Demnach kam 2024 jeder vierte abgefahrene Zug im Regionalverkehr zu spät – der Höchstwert, seitdem die Daten erfasst werden.

Nahverkehr ist kommunale Aufgabe

Der ÖPNV ist eine Aufgabe der Kommunen – und daher auch eine Kostenfrage für die Gemeinden. Denn die reinen Ticketverkäufe decken in der Regel nicht die Kosten für Bus und Bahn. Deshalb müssen die Gemeinden neben den Bundes- und Landesmitteln auch in die eigene Tasche greifen, wenn sie ihr Nahverkehrsangebot verbessern möchten.

Eure Themen, eure Wahl: Mehr lesen

In der Reihe "Eure Themen, eure Wahl" liefern wir euch Fakten und geben Raum für eure Meinungen zu den Themen, die die Menschen in NRW vor der Wahl am meisten beschäftigen.

ÖPNV in NRW: Reicht das Angebot an Bussen und Bahnen?

WDR Studios NRW 12.09.2025 52 Sek. Verfügbar bis 12.09.2027 WDR Online


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