Spritpreise an Tankstellen eilten zuletzt von Rekord zu Rekord. Nur am Ostermontag hatte es eine kleine Verschnaufpause gegeben. An einer Tankstelle in Köln nutzten daher viele Autofahrer das günstigere Preisniveau, was laut Tankstellenbetreiber zu leeren Tanks führte. Da über die Ostertage auch keine Belieferung stattfand, musste der Verkauf eingestellt werden.
Am Dienstag schossen die Preise noch in die Höhe. Am siebten Tag seit Einführung der neuen Regeln für Spritpreise kostete der Diesel im bundesweiten Durchschnitt mehr als 2,50 Euro. Am Mittwochmorgen um 9 Uhr fiel der mittlere Dieselpreis um 5 Cent auf 2,45 Euro. Für Superbenzin der Sorte E10 zahlten Autofahrer am Morgen im Mittel 2,18 Euro pro Liter, für Super-Benzin sind 2,45 Euro fällig.
Das Allzeithoch bei den Benzinpreisen dürfte sich auch trotz der Ankündigung einer zweiwöchigen Waffenruhe zwischen den USA und Iran und der Öffnung der Straße von Hormus erstmal nicht ändern. Zwar ist der Preis für Rohöl unmittelbar günstiger geworden - um bis zu 16 Prozent. Bis das an den Zapfsäulen spürbar ist, dürfte noch dauern. Das Bundeskartellamt hat dabei in der Vergangenheit den sogenannten Rakete-und-Feder-Effekt beobachtet. Er besagt, dass Kostensteigerungen schnell in die Preise einfließen, sinkende Kosten aber nur langsam.
Auch trotz der Spritpreisbremse hat sich damit die Situation für Autofahrer mit Verbrennermotoren nicht verbessert. Die Tankstellen dürfen seit dem 1. April die Spritpreise nur noch einmal am Tag um 12 Uhr anheben - Preissenkungen sind jederzeit erlaubt. Seitdem gehe es nur nach oben, erklärte der ADAC. In der vergangenen Woche habe man die Preiserhöhungen noch einigermaßen nachvollziehen können, weil auch der Rohölpreis auf dem Weltmarkt gestiegen sei. Am Osterwochenende habe es so eine Entwicklung wegen geschlossener Handelsplätze aber nicht gegeben.
Hat die neue Tankstellen-Regel also schon kurz nach der Einführung versagt? Ja, erklärte Wirtschaftswissenschaftler Korbinian von Blanckenburg von der Technischen Hochschule Ostwestfalen Lippe dem WDR am Montag: "Die Preiserhöhung zu begrenzen, klingt zunächst plausibel, wirkt sich aber nicht positiv auf die Preisentwicklung aus." Tatsächlich sorge die gesetzliche Begrenzung auf eine einzige Preiserhöhung am Tag dafür, dass die Betreiber vorsichtshalber den Preis weit mehr erhöhen als nötig. Die Preissenkungen, die vielleicht im Lauf des Tages folgten, könnten den hohen Einstiegspreis nicht kompensieren, so von Blanckenburg.
Vorbild Österreich: Keine langfristigen Preissenkungen
Auch in Österreich, wo die Tankregel schon vor längerer Zeit eingeführt wurde, habe sie nicht zu den gewünschten Ergebnissen geführt, so Ramona Pop vom Verbraucherzentrale-Bundesverband. "Die Erfahrung aus unserem Nachbarland zeigt: Kurz nach der Einführung sanken die Kraftstoffpreise in Österreich vorübergehend, pendelten sich aber rasch wieder auf dem gewohnten Niveau ein." Dennoch sei die Regel nicht völlig sinnlos, so Pop. "Wir werden nach aller Voraussicht weniger Preisgezappel sehen. Es wird vielleicht leichter, die niedrigen Preise an einem Tag an der Tankstelle auch zu erwischen. Und das lohnt die Sache doch schon."
Wissenschaftler: Andere Maßnahmen nötig
Um Autofahrer wirklich zu entlasten, seien andere Maßnahmen nötig, meint Wirtschaftswissenschaftler von Blanckenburg. Möglich sei zum Beispiel, Steuern und Abgaben auf Kraftstoffe zu senken - was aber eine relativ teure Lösung sei und darüber hinaus nicht nur die Bürger, sondern auch die Mineralölkonzerne entlasten würde. Sinnvoller wäre es, gezielt die unteren Einkommensklassen zu unterstützen, die von den hohen Spritpreisen besonders hart getroffen werden - zum Beispiel durch Tankgutscheine.
Kritik an höherer Pendlerpauschale
Daran denkt die Bundesregierung aber offenbar nicht. Stattdessen hatte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) eine temporäre Erhöhung der Pendlerpauschale ins Gespräch gebracht. Widerspruch kommt aber auch aus ihrer eigenen Partei: Maßnahmen wie eine höhere Pendlerpauschale "kommen am Ende nicht unmittelbar im Geldbeutel der Menschen, sondern erst im nächsten Jahr im Rahmen der Steuererklärung". sagte der Bundesvorsitzende des CDU-Arbeitnehmerflügels, Dennis Radtke, am Mittwoch im WDR.
"Die Menschen haben aber jetzt akut ein Problem im Geldbeutel und dann nutzen sozusagen virtuelle Erleichterungen im nächsten Frühjahr herzlich wenig", kritisierte Radtke. Wer wenig verdiene, zahle auch weniger Steuern und profitiere entsprechend weniger von steuerlichen Maßnahmen.
Stattdessen schlägt er vor, das Mobilitätsgeld nicht nach dem Prinzip Gießkanne, sondern zielgerichtet auszuzahlen. In jeder Krise gebe es Menschen, die nicht zwingend entlastet werden müssten, andere hingegen schon. "Ein solches Mobilitätsgeld wäre eine Direktzahlung, dass wir das koppeln an bestimmte Einkommensklassen und dass wir auch noch mal einen Bonus auszahlen für Menschen, die Kinder haben, weil da natürlich die finanzielle Belastung auch noch mal eine andere ist."
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Korbinian von Blanckenburg
- WDR-Gespräch mit Dennis Radtke (CDU)
- ADAC
- Nachrichtenagenturen dpa, AFP
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 08.04.2026, 18.45 Uhr
Kommentare zum Thema
Die Kasse von Klingbeil klingelt u klingelt wird voll u voller Dank der 12.00 Uhr Regelung
Herr Merz befürwortet also eine Erhöhung der Pendlerpauschale. Also gibt es wieder ein Steuergeschenk eher für Gutverdienende. An Menschen mit geringem Einkommen, die u.U. keine bis kaum Steuern zahlen, kommt hiervon nichts bis kaum was an, von z.B. Rentnern und anderen Bürgern, die diese Pauschale nicht geltend machen können, aber vielleicht dringend auf ein Auto angewiesen sind, weil es z.B. keine vernünftige ÖPNV,Verbindungen zum dringend benötigten Arzt gibt, ganz zu schweigen. Aber was kann man von einem Millionär schon erwarten, über den Tellerrand hinaussehen wohl kaum und über Alternativen nachdenken auch nicht. So schützt und mehrt man Vermögen auf Kosten aller. Umverteilung nach oben nennt man das wohl. Tja, leider vergessen Politiker gerne, daß sie Angestellte aller Bürger sind. Aber während in der freien Wirtschaft der Arbeitgeber schlecht arbeitendem Personal sofort kündigen kann, bleibt uns nur, auf die nächste Wahl zu warten. Aber wer macht es besser ?!?
@Lisa, Rentner werden kaum jeden Tag zum Arzt fahren oder ständig viel Autofahren. Der jeden Tag evtl, bis zu 80 Km zur Arbeitsstätte fahren "mus", dass kostet enorm viel Sprit also Geld. Da hat mit gutverdienende Arbeiter eigentlich nichts zu tun, der Arbeiter zahlt jedoch mehr Steuern als ein Rentner mit normaler Rente, wo manche keine Steuer zahlen müssen. Wer keine Steuer zahlt, hat keinen Anspruch auf Rückzahlung. Man sollte da keinen Neid hervorrufen, wegen der Pendlerpauschale für die Arbeiter.
@Paul S, ich sehe nicht, eine Neiddebatte losgetreten, sondern meine Meinung zur Erhöhung der Pendlerpauschale gesagt zu haben. Ich kenne so einige Rentner, die öfter zum Arzt müssen, negieren Sie dies also nicht pauschal. Sowohl im entsprechenden Artikel hier auf wdr.de als auch auf anderen Nachrichtenseiten wird erläutert, daß die Erhöhung gerade bei einkommensschwachen Bürgern, die entsprechend wenig oder keine Steuern zahlen, keine Entlastung bringt. Auf der anderen Seite: wenn ich hier auf einem kilometerlangen Straßenzug über die Stadtgrenze hinaus sehe, wie sich die Autos stauen mit weit überwiegend 1 Person im Fahrzeug, frage ich mich, ob die Spritpreise noch nicht hoch genug sind, um sich z.B. Fahrgemeinschaften zu suchen oder die hier sehr guten Busverbindungen zu nutzen. Ich war übrigens viele Jahre 50 km zur Arbeit in einer Fahrgemeinschaft unterwegs, was super klappte.
@ Lisa, ich kann Ihren Frust verstehen, trotzdem weiß doch jeder das Gutverdienende rauf bis zu den Millionäre mehr Steuern zahlen, als bei einen kleinen Einkommen. Davon profitieren viele sozial im Land, mal die eine Bessere, mal die andere schwächere Seite. Ihre Frage"Aber wer macht es besser", dass weiß leider keiner vor einer Wahl. Jede neue Regierung, egal welche Partei will es besser machen, wenn aber Krisen wie jetzt dazwischen kommen, muss sie an die arbeitende Menschen denken, damit die Wirtschaft nicht abstürzt. Bei der Umverteilung hoffe ich, meinen Sie nicht den Plan der höheren Pauschale. Davon wird keiner reicher, falls die Energiekrise noch lange andauert. Bis 9000 Km kann ein Rentner im Jahr fahren, mit einer billigeren Autoversicherung ohne Nachteile. (Nur ein Hinweis, falls Rentner sie nicht beanspruchen). Das wären im Monat 750 Km, dass fährt bestimmt nicht jeder Rentner im Monat. Es gibt einige Vorteile im öffentlichen Bereich, Informationen darüber gibt es!
Einige Hinweise die hier gegeben werden wegen den hohen Spritpreis, die verändern nicht die Höhe. Weder ein jetzt eingeführtes Tempolimit noch eine unbedachte Telefon -Krankmeldung um Geld zu sparen, trotz Gesundheit. Letzteres ist krass. Ein oder zwei Tage zuhause bleiben, nützt doch gar nichts, falls es ernst hier gemeint ist)! Über ein oder zwei Wochen, dass würde was eher bringen, ob allerdings der Arbeitgeber mitspielt ist die große Frage und kollegial ist es auch nicht. Ich würde es nicht tun! Wer vom Finanzamt Steuern zurück bekommt, warum nicht generell für schlechte Zeiten es sparen? Wer dem Finanzamt noch Steuern nachzahlen muss, der hat als Arbeiter was falsch gemacht beim Abschreiben, als Autofahrer. Jeder ist zur Zeit gefordert was den Spritpreis betrifft. Mit krumme Dinge, kommt keiner an billigen Sprit in der Energiekrise!