Die Ortsdurchfahrt dauert selbst auf dem Fahrrad eigentlich nur wenige Sekunden. Aber viele Radfahrer steigen ab und schauen sich Clermont-sur-Berwinne ganz in Ruhe an. Denn rund um die mit Kopfsteinpflaster gebaute Hauptstraße stehen viele alte Steinhäuser. Das Besondere an ihnen sind die vielen unterschiedlichen Architekturstile. Eins der Häuser ist aus rotem Backstein und hat viele weiße Streifen - ein typischer Vertreter des maasländischen Renaissance-Stils.
Heiraten in Belgien direkt über der Straße
Mitten über die Straße gebaut wurde ein 1888 ein Gebäude, das gleich mehrere Stile vereint. Es ist das ehemalige Rathaus. In dem Gebäude befindet sich die Tourist-Information. Und im Raum nebenan, in dem einst der Herzog die Bürger des Ortes empfing, ist gerade eine Kunstausstellung. "Wenn man sich bei der Gemeinde anmeldet, dann kann man in diesem Raum auch heiraten", erzählt Clémence Dethier von der Tourist-Information. Etwa zehn Mal pro Jahr wird sozusagen direkt über der Straße geheiratet.
Ein kleiner Spaziergang an der Kirche vorbei führt zu einem kunstvollen Tor, das zum Schloss von Clermont gehört. Dahinter liegt ein kleiner Park, der Pré Desonay. Er wurde vor wenigen Jahren von einem gemeinnützigen Verein angelegt, um den Bürgern, den Touristen und der Natur einen Rückzugsort verschaffen.
Hier findet man neben einem Teich und Insektenhotels auch eine Schwanenskulptur und einen kleinen Abenteuerspielplatz aus Holz. Ein ruhiger Ort, an dem manchmal nur das Plätschern von Wasser zu hören ist. Das stammt aus einer Trinkwasserquelle. Es fließt durch eine steinerne Rinne, an der vor vielen Jahren die Frauen des Ortes ihre Wäsche gewaschen haben.
Obstbäume für den bekannten Sirup der Wallonie
Zu dem Park gehört auch eine große Obstwiese. Ein Mann ist gerade dabei, die Wiese von Disteln zu befreien. Roger Baguette ist einer der Mitbegründer dieses Parks und der Plantage. "Wir haben hier 179 Obstbäume angepflanzt", erzählt er. Alles traditionelle, heimische Arten - Äpfel, Birnen, Pflaumen und Kirschen. Auf der Info-Tafel am Eingang der Wiese ist genau verzeichnet, welche Frucht an welchem Baum wächst.
Wenn die Früchte reif sind, werden sie regionalen Betrieben zu Fruchtsaft, alkoholischen Fruchtgetränken und Sirup verarbeitet. "Dieser Sirup ist hier sehr erfolgreich", sagt Roger Baguette, "wenn man ihn mit dem Herver Käse aus der Region isst, dann schmeckt das besonders gut." Alle Früchte, die nicht höher als 1,80 m wachsen, dürfen für den Privatgebrauch gepflückt werden.
Leicht mit dem Fahrrad zu erreichen
Besonders an Wochenenden kommen einige Touristen nach Clermont-sur-Berwinne. Kehren ein im Café des Ortes, direkt neben dem Rathaus, oder folgen der offiziellen Touristenrunde durch den Ort von Info-Tafel zu Info-Tafel.
Die meisten Besucher kommen mit dem Fahrrad. Kein Wunder, denn nur wenige hundert Meter vom Ortskern entfernt führt der RAVeL entlang, ein Radwege-Netz zwischen Aachen und dem belgischen Liège (Lüttich). Tatsächlich sind es nicht mal 30 Kilometer von Aachen nach Clermont-sur-Berwinne. Eines der schönsten Dörfer der Wallonie, das sich darum bestens für einen Tagesausflug eignet.
Unsere Quellen:
- Tourist-Infos der Gemeinde Thimister-Clermont
- Gespräche und Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Clermont: Das schönste Dorf der Wallonie?, 04.08.2026, 05:08 Uhr