Altkleider-Chaos macht Kommunen zu schaffen

Bildquelle: Purvi Patel / WDR

3 Min. 13 Sek. Verfügbar bis 25.08.2028

Altkleider in Aachen & Region Viel Müll, aber wenige Schätze

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Altkleider sollen Gutes tun – in der Praxis bleiben Berge aus Müll und hohen Kosten. Ein Blick nach Aachen, Düren und Würselen.

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Purvi Patel

Wann habt ihr das letzte Mal euren Kleiderschrank ausgemistet – und was ist mit den aussortierten Klamotten passiert? In der Theorie sollen Altkleider Ressourcen sparen und Menschen helfen. In der Praxis werden sie für Städte und soziale Organisationen zur Kostenfalle – und landen oft im Müll. In der Altkleidersammelstelle der Wabe in Aachen-Brand türmen sich die Plastiktüten mit Spenden bis zur Decke.

Zwei Frauen diskutieren über Kleidung an einem Kleidungsständer

Im Sozialkaufhaus der Wabe wird gut erhaltene Kleidung verkauft.

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Ehrenamtliche wie Daniela Nelles stehen jeden Tag davor und sortieren – mit geschultem Blick. Sie nimmt ein Hemd in die Hand, dreht es hin und her und sagt: Sie achte auf Flecken, auf die Knöpfe, "ob alle da sind", und auf die Nähte. Dieses Hemd, meint sie, "sieht gut aus, das würde ich behalten".

Alles, was brauchbar ist, landet im Sozialkaufhaus. Dort können Menschen mit wenig Geld günstig einkaufen. Der Haken: Von dem, was abgegeben wird, ist nur ein Bruchteil wirklich noch zu gebrauchen. Detlev Heinen, Leiter des Altkleiderprojekts, macht die ernüchternde Rechnung auf:

Heinen mit einem Arm voll Klamotten
"Wir können nur 20 oder 25 Prozent der Altkleider verwenden und verkaufen, der ganze Rest sei unbrauchbar." Detlev Heinen, WABe e.V.

Der Rest komme "in den Müll oder zu einem Vertragspartner, wo es zur Weiterverwertung genutzt wird". Drei von vier Teilen sind also Schrott. Trotzdem muss weiter gesammelt werden – auch, weil die Kommunen gesetzlich dazu verpflichtet sind.

Seit Januar 2025 sind Städte und Gemeinden als verpflichtet, Alttextilien getrennt zu erfassen. Wie sie das Lösen, ist sehr unterschiedlich. Ein Blick in drei Städte der Region zeigt, wie groß die Herausforderung ist:

Aachen: Keine Altkleider-Container mehr auf der Straße

In der Stadt Aachen gibt es keine Altkleidercontainer im öffentlichen Raum mehr. Die Stadt hat sie im Januar 2025 abgeschafft. Seitdem können Bürger ihre Altkleidung direkt zu Sammelstellen gemeinnütziger Verbände bringen, die Container auf den Recyclinghöfen nutzen oder die mobilen Sammelstellen im Stadtgebiet ansteuern. Auf dem Papier klingt das nach einer klaren, aufgeräumten Lösung. Auf der Straße hört man etwas anderes: Viele wissen offenbar noch nichts von diesen Angeboten. Ihnen fehlen die Container „um die Ecke“.

Ein Berg Mülltüten

So ein Berg voller Altkleidertüten türmt sich innerhalb weniger Tage auf.

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Eine junge Frau erzählt, sie vermisse die Container, im Sauerland gebe es aber noch welche, "dorthin habe ich Altkleider mal mitgenommen, weil ich sie in Aachen nicht entsorgen konnte". Ein anderer Passant erzählt, wie er mehrere Container, die in der Karten-App oder der Aachener Abfallwirtschafts-App eingezeichnet sind, vergeblich gesucht habe: "Als ich dort war, gab es gar keine Container mehr. Das war mega frustrierend." Eine ältere Radfahrerin stimmt ihm zu, man müsse mittlerweile danach suchen. Sie fahre deshalb "über die Grenze nach Kelmis, dort gibt es noch Container".

Düren: Altkleider-Container in eigener Regie – und teuer

Die Stadt Düren hat sich für die Maximal-Lösung entschieden: eigene Container, eigene Fahrzeuge, eigene Touren. Der Dürener Service Betrieb kümmert sich darum, dass die Container an 120 Standorten nicht überlaufen. Das klingt nach Kontrolle – ist aber teuer. Die jährlichen Kosten sind noch nicht exakt bezifferbar.

Die vorläufige Prognose des Dürener Service Betriebes: "Die Kosten tendieren insbesondere aufgrund der hohen Sammelmengen und der hohen Fehlwürfe in Richtung 400.000 bis 500.000 Euro." „Fehlwürfe“ – damit sind all die Dinge gemeint, die in Altkleidercontainer geworfen werden, aber mit Kleidung so gar nichts zu tun haben: Müllsäcke, Hausabfall, kaputte Spielsachen. Das macht die Sammlung aufwendig und teuer.

Würselen: Container bleiben – aber die Müllberge auch

In Würselen zeigt sich, wie unrentabel das Geschäft mit Altkleidern geworden ist. Ein gewerblicher Dienstleister hat quasi über Nacht aufgehört, die Container zu leeren. Wegen wirtschaftlicher Probleme. Die Stadt konnte die Lücke zwar schnell füllen, die Sammelstellen versinken jedoch im Müll.

Ohlmann vor einem Altkleidercontainer

Heike Ohlmann, technische Beigeordnete der Stadt Würselen

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Die Technische Beigeordnete Heike Ohlmann beschreibt die Lage so: Im Durchschnitt fahre der Baubetriebshof "jeden Standort einmal die Woche ab und hat einen halben Pritschenwagen Altkleider, einen halben Pritschenwagen Müll." In Würselen will man erstmal an den Containern im Stadtgebiet festhalten – trotz des hohen Aufwands. Denn sie bieten Bürgerinnen und Bürgern zumindest eine niedrigschwellige Möglichkeit, ihre Altkleider loszuwerden.

Sozialkaufhaus Aachen: Zwischen Schrott und Schätzchen

Nelles mit einem Strampler vor einem Berg an Mülltüten

Die ehrenamtliche Mitarbeiterin Daniela Nelles sortiert die Kleidung mit Kennerblick - manchmal sind kleine Schätzchen dabei.

Bildquelle: WDR / Purvi Patel

Zurück im Sozialkaufhaus der Wabe in Aachen-Brand: In der Altkleidersammelstelle arbeitet sich Daniela Nelles weiter durch den Berg aus Plastiktüten. Zwischendurch findet sie echte Highlights. Plötzlich hält sie eine Jacke hoch, strahlt und sagt: "Das ist mega toll, ein niedlicher Baby-Strampler. Super!" Solche Fundstücke machen den Job ein bisschen leichter. Aber das Grundproblem bleibt: Aus einer Tonne Altkleider pro Woche wird nur ein kleiner Teil weiter genutzt – der Rest kostet Zeit, Geld und Nerven.

Der richtige Umgang mit alter Kleidung

Altkleider sollen Ressourcen schonen und Menschen helfen. Damit das klappt, müsste aber die Qualität der Spenden besser sein. Peter Brendel, Vorstand der WABe e.V., gibt folgende Tipps:

Portraitfoto von Brendel
"Nur saubere, tragbare Kleidung spenden, keine Müllsäcke oder Hausmüll in Altkleidercontainer werfen und informieren, wo Sammelstellen und Recyclinghöfe sind." Peter Brendel, Vorstand der WABe e.V.

Denn am Ende entscheiden wir mit jedem ausrangierten T-Shirt, ob es ein zweites Leben bekommt – oder nur den Müllberg wachsen lässt.

Unsere Quellen:

  • WDR-Gespräch mit Peter Brendel, Vorstand WABe e.V. Diakonisches Netzwerk Aachen
  • WDR-Gespräch mit Detlev Heinen, Leiter des Altkleiderprojektes der WABe e.V. Diakonisches Netzwerk Aachen
  • Stadt Aachen
  • Dürener Service Betrieb
  • WDR-Gespräch mit Heike Ohlmann, Technische Beigeordnete der Stadt Würselen

Sendung: WDR.de, Altkleider in Aachen & Region: Viel Müll, wenig Schätze, 25.08.2026, 18:17 Uhr

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