Für Aachen ist es ein Riesen-Event: Neben den Wettbewerben gibt es in der Stadt ein großes Programm mit Konzerten, Talk-Runden mit Reiterinnen und Reitern und Public Viewings der Wettbewerbe. Die Weltmeisterschaft selbst findet bis zum 23. August auf dem traditionsreichen Turniergelände in der Aachener Soers statt. Die Kategorien reichen vom Springen bis Voltigieren.
Auch im größten Reitstadion der Welt mit 40.000 Plätzen dürfte es in den nächsten Tagen richtig heiß werden. Die WDR-Wetterredaktion erwartet am Freitag für Aachen Temperaturen von um die 35 Grad. Ist das zu viel für die Pferde?
Schon Ende Juni war wegen der Hitze über den Schutz von Tieren im Pferdesport diskutiert worden - und darüber, ob Turniere stattfinden sollten oder nicht. Während einige Veranstaltungen ausfielen, wurde woanders auf zusätzliche Schutzmaßnahmen gesetzt.
NRW-Tierschutzbeauftragte äußert sich besorgt
Im WDR hat sich die Tierschutzbeauftragte des Landes NRW, Gerlinde von Dehn, zu den erwarteten hohen Temperaturen bei der Reit-WM in Aachen geäußert. Die Hitze mache ihr immer Sorgen, sagte von Dehn - insbesondere wenn Leistung verlangt werde. Dass in der Vergangenheit bei Temperaturen um die 40 Grad bereits Reitsport-Wettbewerbe abgesagt wurden, begrüßt sie.
Peta kritisiert Pferdesport-Turniere
Die Tierschutzorganisation Peta ist überzeugt: Pferden bei solchen Spitzen-Temperaturen Höchstleistungen abzuverlangen, bringe die Tiere in Lebensgefahr. Das zeige "abermals, dass sie von den Veranstaltern und menschlichen Teilnehmenden nur als ersetzbare Sportgeräte angesehen werden", kritisiert Peta-Referent Peter Höffken auf WDR-Anfrage.
Die Reit-WM in Aachen läuft.
Bildquelle: IMAGO/Stefan LafrentzEin verantwortungsvoller Pferdehalter lasse seine Tiere bei diesem Wetter zu Hause, "denn die Hitze kann bei ihnen zu massiven Kreislaufbelastungen, einem Hitzschlag und somit auch zum Tod führen". Pferde würden bis zu zehn Mal schneller überhitzen, warnt Peta.
"Pferde sind keine Sportgeräte." Peter Höffken, Fachreferent bei Peta
Peta kritisiert, dass für Teilnehmer und Veranstalter der wirtschaftliche Aspekt im Vordergrund stehe. Deshalb habe die Organisation das Veterinäramt Aachen aufgefordert, "zumindest sämtliche Wettbewerbe ab Mittwochmittag bis Freitagabend abzusagen".
Wie kommen Pferde mit Hitze klar?
"Pferde vertragen Hitze relativ gut", teilt der Deutsche Tierschutzbund auf WDR-Anfrage mit. Eine Ausnahme seien zum Beispiel alte oder kranke Tiere. Die Organisation bezieht sich dabei in erster Linie auf den „Normalzustand“, also ohne körperliche Anstrengung. Und auch dann suchten Pferde, wenn sie die Wahl haben, den Schatten auf.
Im Falle von Turnieren werde den Pferden aber körperliche Anstrengung abverlangt. "Daher sollte man das durchaus sehr kritisch betrachten, findet die Tierschutzorganisation - "auch wenn gut trainierte Pferde besser zurechtkommen als untrainierte". Nichtsdestotrotz sollten in gewissem Umfang "Prüfungen in die kühleren Morgen- und Abendstunden verlegt werden", auch wenn das in der Praxis nicht immer möglich sei.
"Aus Tierschutzsicht sollten dann einige Prüfungen besser ganz ausfallen", teilt der Deutsche Tierschutzbund dem WDR mit. Sollte der Veranstalter dazu nicht bereit sein, müsse er auf jeden Fall Abkühlungsmöglichkeiten wie Tränkwasser, Duschen und Schatten für die Pferde bereitstellen.
Veranstalter der Reit-WM verweist auf umfassende Möglichkeiten zur Abkühlung
Unternehmen die Veranstalter der Reit-WM also genug , damit es den Pferden bei der Hitze möglichst gut geht? Der WDR hat beim Presse-Team der Reit-WM nachgefragt. In der Antwort des Aachen-Laurensberger Rennvereins heißt es: "Die Gesundheit und das Wohl der Pferde sowie die Sicherheit aller Beteiligten haben jederzeit höchste Priorität".
Erfahrene Tierärzte und Offizielle des Weltverbands FEI begleiteten die Veranstaltung und überwachten den Gesundheitszustand der Pferde kontinuierlich. Es gebe bei dem Turnier außerdem zahlreiche Maßnahmen zur Kühlung der Pferde:
- Eis und Kühlpacks,
- Ventilatoren mit Wasservernebelung sowie weitere Ventilatoren in den Stallbereichen,
- eigens eingerichtete Bereiche zum Abkühlen der Pferde,
- überdachte Trainingsbereiche,
- disziplinspezifische Kühlmaßnahmen, insbesondere für die Geländeprüfung der Vielseitigkeit und die Marathonprüfung im Fahrsport und
- eine durchgehende tierärztliche Notfallversorgung sowie eine nächtliche Überwachung der Pferde während der gesamten Weltmeisterschaften.
Reit-WM in Aachen: Nicht alleine die Temperatur entscheidend
Der Weltverband FEI verfüge über etablierte Verfahren für den Umgang mit hohen Temperaturen. In der Stellungnahme des Veranstalters heißt es weiter: Grundlage der Bewertung sei "der international anerkannte Wet Bulb Globe Temperature Index", der neben der Lufttemperatur auch Sonneneinstrahlung, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und die Wärmereflexion des Bodens berücksichtige. "So lässt sich die tatsächliche Wärmebelastung für Pferde und Menschen deutlich präziser beurteilen als anhand der Temperatur allein."
Auf dieser Grundlage bewerteten die Offiziellen gemeinsam mit dem Organisationsteam die Bedingungen fortlaufend. Bei Bedarf könnten "entsprechende organisatorische Maßnahmen bis hin zu Anpassungen des Zeitplans getroffen werden". Entscheidungen orientierten sich dabei stets an der Gesamtsituation und nicht an einem einzelnen Temperaturwert.
Außerdem heißt es auf WDR-Anfrage: Wegen der erwarteten Hitze würden nicht nur für Pferde umfangreiche Maßnahmen getroffen, sondern auch für Athletinnen und Athleten, Mitarbeitende, Volunteers sowie Besucherinnen und Besucher. Dazu zählten ausreichende, kostenfreie Trinkwasserstellen, schattige Aufenthaltsbereiche sowie Informationen und Empfehlungen zum Verhalten bei hohen Temperaturen.
Unsere Quellen:
- WDR-Anfrage beim Presse-Team der Reit-WM in Aachen
- WDR-Anfrage bei Peta und Deutschen Tierschutzbund
- WDR5-Interview mit der NRW-Tierschutzbeauftragten Dr. Gerlinde von Dehn
- Nachrichtenagentur dpa
- Information der WDR-Wetterredaktion
Sendung: wdr.de, Ist die Hitze bei der Reit-WM für Pferde gefährlich?, 11.08.2026, 16 Uhr.
3 Kommentare
Kommentar 3: Cavallo schreibt am 12.08.2026, 09:36 Uhr :
.... ich bin Freizeitreiterin - meine Pflegepferde waren meine Freunde. Bei extremer Hitze haben wir die Pferde nicht geritten. Wir haben sie abgeduscht (uns bei extremer Hitze gleich mit ;)) und in Ruhe gelassen. Ich habe Turniere und sonstige Veranstaltungen schon als Kind nicht gemocht - was ich ab da ab und an erlebte, wie mit den Pferden umgegangen wurde, hätte ich so manchen Reiter gern vom Pferd getreten (Eine Hallenrunde - 70- siebzig! - Gertenschläge 🤬). Ich kannte einen Pferdehof, da durften die wertvollen Pferde nicht mal auf die Weide (wunderte mich jedes Mal, so viel Weiden, warum nie ein Pferd zu sehen war?) , weil, Begründung: "Sie sich verletzen könnten. Bewegung hätten sie beim Reiten". Und ab in die Box. Und da wundern sich manche, warum die Tiere, die sich nicht frei bewegen durften, durchdrehen? Aber Hauptsache Schleifchen oder am besten Pokal daheim. Wofür? Könnte Romane schreiben, was Pferde erdulden mussten, aber denke, viele Pferdebesis wissen das ...
Kommentar 2: Franziska 1 schreibt am 11.08.2026, 20:27 Uhr :
Ich bin überzeugt bei der Reit- WM, dass sie die Pferde trotz evtl. Hitze starten lassen, obwohl Pferde auch sehr schwitzen. Sie müssen viele Liter zu trinken bekommen. Es gibt die Möglichkeit einen Tag vorher mit Elektrolyte - Paste, Pulver flüssig sie zu füttern. Tatsache ist, eine starke Hitze belastet auch Pferde sehr. Wäre keine RReit-WMMeBesitzer würden ihre Pferde im Schatten stehen lassen aaormalerweise macht man einen anstrengenden Ritt bei großer Hitze erst abends und nicht Mittags. Aus Erfahrung weiß man, bei WM sieht man vieles anders, auch bei Pferde.
Kommentar 1: molpadia schreibt am 11.08.2026, 18:16 Uhr :
nach 40 Jahren Pferdehaltung bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Pferde heute weniger zum Reiten taugen als je. Turniersport ist nur für die Menschen ein Vergnügen, wenn überhaupt. Sicher gibt es einige wenige Pferde, die das ganz gern mit machen. Aber nicht bei diesen Temperaturen. Selbst unsere trainierten Youngster, 4-10-Jahre alt, sind nach einem Spazierritt von 1 Stunde ziemlich fertig. Wie es dann einem Leistungspferd nach gründlichem Aufwärmen und der Turnieraufgabe geht, kann ich mir ganz gut vorstellen. Kühlmittel hin oder her: es bleibt eine extreme Belastung, die nicht ohne Folgen sein wird.