Alkoholfreie Alternativen boomen

Aktuelle Stunde 02.08.2026 12:41 Min. Verfügbar bis 02.08.2028 WDR Von Laura Weigele

Bewusster Konsum in NRW

Wie alkoholfreie Drinks den Markt verändern

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Eine gute Zeit ohne Rausch: Alkoholfreie Alternativen werden immer beliebter. Ein Besuch bei Rheinland Distillers in Bornheim-Roisdorf und in der Kölner Bar Rosebud zeigt, wie Hersteller und Gastronomie den Trend umsetzen und welche Erwartungen Gäste an die neuen Drinks haben.

Von Laura Weigele

Arbeiter stellen Flaschen auf das Band. Eine Maschine befüllt sie, die nächste setzt den Korken ein, danach geht es direkt weiter zur Etikettierung. Der Geruch von Gin liegt in der Luft.

Arbeiter stellen Flaschen aufs Band. | Bildquelle: WDR/ Laura Weigele

In der Produktionshalle in Bornheim-Roisdorf deutet alles auf eine ganz normale Spirituosenproduktion hin: Innerhalb weniger Tage laufen hier rund 20.000 Flaschen vom Band. Mit einem entscheidenden Unterschied - der Gin ist alkoholfrei.

Was für Raphael Vollmar heute Alltag ist, war vor zehn Jahren noch undenkbar. 2016 machte er mit seiner Firma "Rheinland Distillers" einen Aprilscherz und behauptete, alkoholfreien Gin auf den Markt zu bringen. "Das war damals das Absurdeste, was man in der Spirituosenszene machen konnte", erinnert sich der Geschäftsführer.

Produktion von alkoholfreiem Gin im Rheinland

Doch auf den Scherz folgten überraschend viele ernst gemeinte Anfragen, wo man den alkoholfreien Gin kaufen könne. "Da haben wir gemerkt: Da ist etwas am Köcheln", erzählt Vollmar.

Als seine Frau zum zweiten Mal schwanger wird, nimmt die Idee schließlich Fahrt auf. Doch die Entwicklung ist komplizierter als gedacht.

"Alkohol ist nicht nur Geschmacksträger, sondern auch ein hervorragendes Desinfektionsmittel. Da das bei alkoholfreien Produkten fehlt, muss man sich sich viel tiefer in die Materie einarbeiten. Das erklärt auch, warum nicht jede Brennerei einfach eine alkoholfreie Variante auf den Markt bringen kann." Raphael Vollmar, Geschäftsführer Rheinland Distillers

Alkoholfrei produzieren? Gar nicht so einfach

Den typischen Gin-Geschmack liefern die sogenannten Botanicals, zum Beispiel Gewürze, Beeren oder Kräuter. Für die alkoholfreie Variante werden ihre Aromen unter anderem mithilfe von Wasserdampfdestillation gewonnen.

Ein weiterer entscheidender Schritt ist die Pasteurisierung. Während Spirituosen durch ihren Alkoholgehalt von selbst haltbar bleiben, muss alkoholfreier Gin in einem extra Produktionsschritt haltbar gemacht werden.

Nach neun Monaten Entwicklungszeit – genauso lange wie die Schwangerschaft seiner Frau – kommt im August 2018 der erste alkoholfreie Gin auf den Markt. Die Reaktionen fallen zunächst skeptisch aus.

Geschäftsführer Raphael Vollmar vor der Pasteurisierungsanlage, die den alkoholfreien Gin haltbar macht. | Bildquelle: WDR/ Laura Weigele

"Aus den Gin-Fankreisen, aber auch vom Wettbewerb und aus der Industrie wurde dem Ganzen mit Skepsis begegnet. Man hat uns einen Vogel gezeigt und uns für verrückt erklärt", erinnert sich Vollmar.

Trend zu weniger Alkohol in Deutschland

Bereits ein Jahr später verkauft Vollmar genauso viel alkoholfreien Gin wie klassischen Gin. Heute bietet sein Unternehmen mehr alkoholfreie Produkte als Spirituosen mit Alkohol an. 80 Prozent der Produktion sind mittlerweile alkoholfrei.

Das passt zu einem bundesweiten Trend: Die Deutschen trinken seit Jahren immer weniger. Auch im vergangenen Jahr ging der Absatz von Bier, Wein und Spirituosen im Vergleich zum Vorjahr erneut zurück. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach alkoholfreien Alternativen.

Alkoholfreie Alternativen haben sich 2025 im Vergleich zum Vorjahr gesteigert. | Bildquelle: WDR/ Laura Weigele

Während alkoholfreies Bier schon etabliert ist, gelten alkoholfreier Wein und alkoholfreie Spirituosen noch als Nischenprodukte – allerdings mit großem Wachstumspotenzial. Im vergangenen Jahr stieg der Absatz alkoholfreier Destillate und Aperitifs um knapp acht Prozent, bei alkoholfreiem Wein sogar um 25 Prozent.

So funktionieren alkoholfreie Cocktails in der Kölner Bar Rosebud

Auch in der Gastronomie ist dieser Trend angekommen. In der Kölner Bar Rosebud ist inzwischen rund ein Drittel der Cocktailkarte alkoholfrei. Das stellt das Team allerdings vor Herausforderungen. Alkohol ist ein wichtiger Geschmacksträger – und die Gäste erwarten mehr als gemischte Fruchtsäfte.

Cedric Golze-Schlieper, Barchef im Rosebud | Bildquelle: WDR/ Laura Weigele

"Die Herangehensweise ist immer eine andere", sagt Barchef Cedric Golze-Schlieper. "Wir versuchen, besondere Geschmacksrichtungen aufzugreifen. Ziel ist es, das Gefühl sowie den Geschmack und Geruch eines Cocktails nachzuempfinden. Eins zu eins kopieren funktioniert aber natürlich nicht."

Für einen alkoholfreien Negroni kombiniert er beispielsweise alkoholfreien Wermut mit Bitterstoffen, Sirup, Soda und Orange. Zucker dient zwar häufig als Ersatz für den fehlenden Alkohol als Geschmacksträger, doch Golze-Schlieper versucht bewusst, mit anderen Zutaten zu arbeiten, damit die Cocktails nicht zu süß werden.

Die alkoholfreien Cocktails "Green Flag" und "Negroni 0.0" | Bildquelle: WDR/ Laura Weigele

Ein weiteres Thema ist der Preis. Viele Gäste seien nicht bereit, für einen alkoholfreien Cocktail genauso viel zu bezahlen wie für einen mit Alkohol.

"Der Arbeitsaufwand ist aber genau derselbe wie bei einem Cocktail mit Alkohol, die Ersatzprodukte sind nicht günstiger. Dadurch, dass man einen höheren Aufwand in der Entwicklung hat, verdient man weniger daran." Cedric Golze-Schlieper, Barchef im Rosebud

Trotzdem lohnt sich das Angebot: Mittlerweile ist jeder fünfte bis sechste Drink, der in der Bar bestellt wird, alkoholfrei.

Warum Gäste auf Alkohol verzichten

Tobias Bauer und sein Partner Samuel Raul Greaves probieren hier zum ersten Mal einen alkoholfreien Cocktail – und sind begeistert. "Das ist wirklich sehr erfrischend, gerade jetzt bei der Hitze", sagt Tobias. Für Samuel sind alkoholfreie Drinks vor allem eine Möglichkeit, einen entspannten Abend zu verbringen. "Ich habe das in meiner Jugend sehr viel gemacht – feiern und ausgehen. Irgendwann kam aber der Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass mir das nicht mehr gefällt." Heute sei er einfach nicht mehr so eine "Partymaus".

Tobias Bauer und sein Freund Samuel Raul Greaves trinken gerne alkoholfreie Cocktails. | Bildquelle: WDR/ Laura Weigele

Devin Çokokur hat sich aus ganz pragmatischen Gründen für einen alkoholfreien Cocktail entschieden: "Ich habe schon zwei Cocktails mit Alkohol getrunken und finde die Drinks hier richtig lecker. Deshalb dachte ich, ich nehme jetzt einen ohne Alkohol, damit ich nicht irgendwann einfach vom Stuhl kippe."

Die Gründe, auf Alkohol zu verzichten, sind also ganz unterschiedlich. Für die Gäste in der Bar ist am Ende vor allem eines wichtig: Dass am Tisch für jeden das passende Getränk dabei ist.

Wie alkoholfreie Drinks den Markt verändern

WDR 30.07.2026 02:08 Min. Verfügbar bis 29.07.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Deutscher Brauer-Bund
  • Deutsches Weininstitut
  • Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure
  • Marktforschungsinstitut NielsenIQ
  • WDR-Interview mit Raphael Vollmar, Rheinland Distillers
  • WDR-Interview mit Cedric Golze-Schlieper, Barchef Rosebud
  • Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort

Sendung: wdr.de, Wie alkhoholfreie Drinks den Markt verändern, 2.8.2026, 5:00 Uhr