Warum wird der Täter nicht gestoppt?
WDR. 01:59 Min.. Verfügbar bis 28.07.2037.
Der Lotsenpunkt der katholischen Gemeinde Sankt Sebastian in Solingen ist eigentlich ein Ort der Hilfe. Hier werden Menschen mit finanziellen Sorgen unterstützt und bei Behördengängen begleitet. Doch seit Mitte März beschäftigt die Einrichtung ein anderer Fall: Ein 42-jähriger Mann soll dort insgesamt achtmal eingebrochen sein. Die Schäden summieren sich inzwischen auf rund 18.000 Euro.
Erst Bratwurst und Kaffee - dann Verwüstung
Sabina Vermeegen, Engagementförderin der Gemeinde Sankt Sebastian in Solingen
Die ersten Einbrüche wirkten beinahe skurril. Sabina Vermeegen, Engagementförderin der Gemeinde, erzählt, der Mann habe sich nachts Zugang zum Gebäude verschafft, sich Bratwürste aus der Tiefkühltruhe in der Mikrowelle warm gemacht und dazu Kaffee getrunken.
Doch die Taten wurden schwerwiegender. Später brach er Türen auf, verwüstete Büroräume und zündete Kerzen an. Die Einbrüche ereigneten sich zwischen dem 14. März und dem 17. Juli, meist in den Nachtstunden. Mehrmals wurde er sogar von der Polizei festgenommen, kam aber immer wieder frei - wohl wegen der Geringfügigkeit der Delikte.
Der Täter tauchte auch tagsüber auf
Die Schäden summieren sich inzwischen auf rund 18.000 Euro
Zweimal erschien der mutmaßliche Täter auch während des regulären Betriebs im Lotsenpunkt. Beim ersten Mal bat er um einen Lebensmittelgutschein. Sabina Vermeegen kam der Bitte nach und erfuhr im weiteren Gespräch, dass der Besucher offenbar der gesuchte Eindringling ist.
Eine Woche später kam der Mann erneut tagsüber und wollte dort Kaffee trinken. Auf Empfehlung der Polizei erhielt er jedoch Hausverbot.
Angst, Mitgefühl und neue Sicherheitstechnik
Die wiederholten Einbrüche belasteten die Mitarbeitenden erheblich. Sabina Vermeegen berichtet von Angst und großer Unsicherheit. Inzwischen seien Kameras, Türspione und zusätzliche Sicherungen installiert worden. Ihre Sicht auf den Täter habe sich verändert:
"Dieser Mensch ist krank, der braucht Hilfe." Sabina Vermeegen, Engagementförderin der Gemeinde Sankt Sebastian in Solingen
Auch der Kirchenvorstand fordert eine Lösung für den Mann, dessen Verhalten auf eine psychische oder Suchterkrankung hindeuten könnte.
Staatsanwaltschaft prüft Haftbefehl
Laut der zuständigen Wuppertaler Staatsanwaltschaft ist der mutmaßliche Einbrecher auch schon anderweitig in Erscheinung getreten, hat u.a. in Geschäften geklaut. Für eine Einweisung in eine Psychiatrie müsse ihm erst eine entsprechende Krankheit nachgewiesen werden, sagt Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert, aber: "er scheint sich nicht für Gesetze zu interessieren". Weil der Mann mit dem Einbrechen offenbar nicht aufhöre, werde aktuell geprüft, ob jetzt doch ein vorläufiger Haftbefehl ausgestellt wird.
Unsere Quellen:
- Polizei Wuppertal
- Staatsanwaltschaft Wuppertal
- WDR-Gespräch mit Sabina Vermeegen
Sendund: WDR 2 Bergisches Land, Acht Einbrüche im Lotsenpunkt in Solingen, 28.07.2026, 16:30 Uhr
