Das Solinger Modellprojekt war lange vorbereitet worden. Eltern mussten mit einbezogen werden und vertraglich zusichern, dass sie auch zuhause ihre Kinder nicht an TikTok & Co. lassen. Mehr als ein Jahr hat es gedauert, bis alle weiterführenden Schulen in Solingen ihre Kooperation vereinbart hatten.
In einer ersten Bilanz heißt es, dass sich weit mehr als 90 Prozent der betreffenden Familien an dem Modellprojekt beteiligen. Doch bis jetzt scheint in Solingen Schule ohne Social Media zu funktionieren. 1.400 Schüler betrifft das Verbot insgesamt. Nach Angaben der Schulen machen weit über 90 Prozent der Eltern mit, sagt Tim Heide, der Digitalisierungsbeauftragte am Solinger Humboldtgymnasium.
"Gerade bei den Eltern nimmt man wahr, dass so ein bisschen Druck genommen wird aus den Gesprächen über die Nutzung von Social Media. Und dadurch, dass es jetzt einheitlich ist und auch stadtweit, hat man nicht das Gefühl, dass manche bevorzugt werden, die schon was dürfen, was andere nicht dürfen. Und das ist so die erste Rückmeldung gewesen." Tim Heide, Digitalisierungsbeauftragter Solinger Humboldtgymnasium
Weniger Mobbing, weniger Depressionen
Laut Forschungen sind soziale Medien häufig eine Gefahr für die psychische Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen. Ziel des Solinger Projekts ist, dass die Elf- bis Zwölfjährigen noch nicht den negativen Folgen des Konsums von sozialen Medien ausgesetzt sind. Diesen Stress und die Unzufriedenheit erleben müssen, die die sozialen Medien oft verbreiten, also weniger Mobbing unter Schülern, weniger Kontakt mit Gewaltvideos, weniger Depressionen.
Andreas Hopf, der seine Tochter im Sommer auf dem Solinger Humboldtgymnasium angemeldet hat, ist froh, dass diese Überforderung mit sozialen Medien zeitlich noch ein bisschen verschoben wird. "Ich würde das sogar noch länger weiter unterstützen, aber irgendwann ist es ja so weit. Und dann muss man sich dieser Sache stellen, und ich glaube, je offener man mit den Kindern spricht und ihnen die Vor- aber auch die Nachteile dieser sozialen Medien rüberbringt, ist es in Ordnung."
Großer Aufwand für die Schulen
Dabei hat natürlich auch seine zehnjährige Tochter Emilia schon Erfahrung mit TikTok und anderen sozialen Medien. Manchmal schaut sie dort Videos, zusammen mit ihrer älteren Schwester. "Da wissen wir natürlich Bescheid, und wir achten auch darauf, was das für Inhalte sind“, sagt Andreas Hopf.
Gern würde die Schulleitung am Solinger Humboldtgymnasium das "Tabu" von sozialen Medien zum Beispiel auch auf die sechsten Klassen ausweiten. Aber der Aufwand sei einfach zu groß. Ganze Lehrpläne für die fünften Klassen wurden auf die Social-Media-Abstinenz angepasst. Es gibt auch Unterricht in Medienkompetenz, die Eltern mussten mit eingebunden werden.
Außerdem sei es wichtig, dass die vielen Beteiligten zunächst das Projekt in der fünften Klasse wirklich akzeptierten. Auch das Verbot auf weitere Apps wie WhatsApp oder Youtube auszuweiten, sei derzeit nicht geplant.
Positive Bilanz nach Social-Media-Verbot an Solinger Schulen
WDR Studios NRW. 08.10.2025. 00:46 Min.. Verfügbar bis 08.10.2027. WDR Online.
Unsere Quellen:
- Recherche WDR-Reporter
- Humboldtgymnasium Solingen
- Schulpsychologischer Dienst Solingen
Über dieses Thema berichten wir am 08.10.2025 auch im Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 19:30 Uhr.
Kommentare zum Thema
Ich bin jetzt 19 Jahre alt und habe mich schon seit 3 Jahren von dem Short - form scroll content getrennt. Da merkt man am Ende richtig wie diese kurzen Dopamin Schübe einem Schaden, deswegen finde ich die Ansätze in dem Artikel schon sehr gut. YouTube oder WhatsApp finde ich aber sinnvoll da der nutzen viel größer als bei tiktok und co ist ( Informationsquellen, Zugriff auf internationalen content) so könnt ich auch meine Englisch Kenntnisse deutlich verbessern
Ist hier mit Social Media auch WhatsApp gemeint?
Also... Das ganze ist ein zweischneidiges Schwert. Ich gebe dem Artikel recht und gehe soweit, dass Social Media auch für viele Erwachsene etwas ist mit dem sie nicht umgehen können. Es gibt zu dem Thema ein tolles Lied von Nachtblut "Das Leben der anderen". Es geht nicht um Neid! Wenn man Kindern etwas verbietet, tun sie es erst recht und zwar bei ihren Freunden oder sonstwo, wo man keine Kontrolle hat. Die meisten kennen das vielleicht selbst... Du sollst keine bösen Filme schauen oder Ballerspiele spielen, also haben wir es beim Kumpel gemacht. Viel besser als verbieten ist deshalb erlauben und dabei aber an die Hand nehmen. Aber es gibt auch Dinge da muss der Staat ran... Die illegale Bewerbung (§ 184 StGB) von pornografischen Inhalten und Normalisierung über suggestiven Content und Link Aggregatoren auf für Kinder zugänglichen Seiten wie YouTube, etc. Da hilft keine Verantwortungsverschiebung.