Wenn Carsten Gnipp in diesen Tagen durch Wuppertal fährt, hat er die Bäume am Straßenrand fest im Blick. Gerade hält er wieder an, in Vohwinkel an einem Spielplatz hat er einen abgestorbenen Baum entdeckt. Gnipp ist Leiter der Abteilung Grünflächen und Forst bei der Stadt Wuppertal.
Bei dem abgestorbenen Baum handelt es sich um eine Ulme. "30 Meter hoch, die ist komplett tot, ist aufgrund der Trockenheit einfach spontan ausgefallen“, so Gnipp. Er runzelt besorgt die Stirn und verständigt die Kollegen vom Grünflächenamt. Die Ulme muss schnellstmöglich weg. "Direkt am Spielplatz und an der Straße, viel zu gefährlich, dass hier etwas passiert.“
Vertrocknete Bäume überall: Klimawandel trifft Ulmen und Eschen
Überall in Wuppertal werden gerade Bäume gefällt. Heute begutachtet Carsten Gnipp eine Fällaktion an der Osterholzer Straße in Wuppertal-Vohwinkel. Hier haben die Folgen des Klimawandels Eschen getroffen.
"Die haben Pilzerkrankungen, die von oben von der Krone in den Baum reinkommen, so stark, dass vom Boden andere Pilze dazukommen und die dafür sorgen, dass der Baum gefällt werden muss“, erklärt Carsten Gnipp.
An dem gefällten Baum ist ein schwarzer Schatten zu erkennen, der den Stamm komplett zerstört hat. Dabei sind Eschen seit Tausenden von Jahren hier ansässig. "Jeder gefällte Baum tut weh“, sagt der Fachmann. Neben den Eschen trifft es aber auch Buchen: In den Wuppertaler Grünanlagen fallen diese derzeit in großer Anzahl dem Klimawandel zum Opfer.
"Die mehr als 80 Jahre alten Buchen in unseren Grünanlagen sind doch immer dran gewöhnt gewesen, dass die Sommer feuchter und kühl waren im Bergischen, mit der Hitze und der Trockenheit kommen sie gar nicht zurecht und vertrocknen rasant.“ Carsten Gnipp, Stadt Wuppertal
Wuppertaler fürchten um ihr Stadtbild: Alleen verlieren alte Bäume
Auf den Elberfelder Höhen treffen wir auf eine Frau, die mit einer Gießkanne die Bewässerungssäcke an den Bäumen in ihrem Vorgarten und dem ihrer Nachbarn befüllt. Wenige Meter weiter musste auch hier ein uralter Baum gefällt werden, weil er nicht mehr standsicher war.
"Das Baumsterben verursacht mir Gänsehaut, weil ich ja hier runtergehe in die Jägerhofstraße, in die Augustastraße und diese Baumallee. Ich wohne jetzt 50 Jahre hier und dieser Anblick der Alleen ist mir sehr lieb. Ich mache mir große Sorgen“, sagt sie.
Auch Carsten Gnipp erhält immer häufiger Beschwerden von Anwohnern, dass ihre Bäume gefällt werden mussten. "Wir versuchen zu erklären, warum das so ist, dass wir die Sicherheit gewährleisten müssen und nicht riskieren können, dass Menschen gefährdet werden", erklärt er. Gnipp kann die Sorge der Anwohner aber verstehen.
„Für die Bürger ist es immer schlimm. Viele Leute identifizieren sich mit dem Baum vor ihrem Haus. Der ist ja auch wichtig, weil er Schatten bringt und Kühlung. Ein Baum macht auch einfach ein schönes Bild in der Straße. Wenn dieser Baum gefällt wird, sind viele Leute traurig und viele reagieren mit Unverständnis. Wir versuchen immer zu erklären, warum das nötig ist, das ist aber schwierig." Carsten Gnipp, Stadt Wuppertal
Warum Gießen nicht ausreicht: Große Stadtbäume leiden unter Grundwassermangel
Immer mehr Anwohner versuchen die Bäume durch tägliches Gießen zu retten. Dies bringe aber nichts, erklärt Carsten Gnipp. Denn die großen Bäume holen sich ihr Wasser aus großen Tiefen - wenn dort kein Grundwasser mehr ist, geht es ihnen schlecht. Von oben gegossenes Wasser würde die Bereiche gar nicht erreichen.
Überall in der Stadt würde man nachpflanzen. Für die jungen Bäume versucht die Stadt beste Bedingungen zu schaffen, damit die Nachfolger eine bessere Überlebenschance haben. In der Elberfelder Fußgängerzone versucht die Stadt den neugepflanzten Bäumen auch mit speziellen unterirdischen Bewässerungssystemen zu helfen.
Hitzeresistente Bäume: welche Arten Wuppertal jetzt nachpflanzt
Außerdem setzt die Stadt auf hitzeresistente Bäume, wie beispielsweise die europäische Hopfenbuche, den Amberbaum oder auch die Esskastanie. In städtischen Grünanlagen hingegen setzt man auf Walnuss- und Tulpenbäume.
Klimawandel: Gießen nützt nix
WDR. 03.08.2026. 00:47 Min.. Verfügbar bis 03.08.2028. WDR Online.
Unsere Quellen:
- Interview mit Carsten Gnipp, Grünflächenamt Stadt Wuppertal
- Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, Fast 1000 Bäume sterben durch Klimawandel, 03.08.2026, 05:01 Uhr