Bordell-Affäre in Köln : Ermittlungen gegen Volksbank-Vorstand
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Wegen des Verdachts der Bestechlichkeit ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ein Vorstandsmitglied der Volksbank Köln Bonn. Der Bankmanager steht im Verdacht, bei der Vergabe eines umstrittenen Millionen-Kredits für eine Rotlicht-Immobilie eine fragwürdige Rolle gespielt zu haben.
Die sogenannte Bordell-Affäre um die Vergabe eines Millionenkredits für eine Kölner Rotlicht-Immobilie hat nun auch Strafverfolger auf den Plan gerufen. Nach Informationen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" (SZ) hat die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr eingeleitet, unter anderem gegen ein Vorstandsmitglied der Volksbank Köln Bonn.
Staatsanwaltschaft Köln prüft Zuständigkeit der Ermittlungen
Eingeleitet wurde das Verfahren in Düsseldorf. Dort wird bereits gegen den Kölner Anwalt Claus B. als einen der Hauptbeschuldigten in der sogenannten Luxus-Schleuseraffäre für reiche Chinesen ermittelt. B. soll auch eine Schlüsselrolle beim Verkauf des Kölner Bordell-Hauses gespielt haben.
Die fragwürdigen Vorgänge rund um den Immobilien-Kredit bilden nun einen neuen Ermittlungskomplex. Aufgrund des Tatortes in Köln haben die Düsseldorfer Strafverfolger den Fall an die Kölner Staatsanwaltschaft geschickt. Hier wird noch geprüft, ob die Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft Köln tatsächlich gegeben sei und das Verfahren hier übernommen werde, heißt es aus der Behörde.
Verteidigung des Volksbank-Managers: "Unzutreffende Vorwürfe"
Der Verteidiger des Volksbank-Managers bestätigte ein Ermittlungsverfahren gegen seinen Mandanten. Da man noch keine Akteneinsicht habe, könne man sich zu den "unzutreffenden Vorwürfen" derzeit inhaltlich nicht äußern.
Der Anwalt von Claus B. ließ eine aktuelle Anfrage bislang unbeantwortet. In einer früheren Stellungnahme gab sich der Anwalt überzeugt, dass sich aus der "angesprochenen Kreditvergabe" kein Verdacht einer Straftat gegen seinen Mandanten ergeben könne. Die Volksbank Köln Bonn erklärte auf Anfrage, das laufende Ermittlungsverfahren richte sich nicht gegen die Bank.
Ermittlungen rund um Verkauf der Pascha-Immobilie
Im Juli hatten WDR, NDR und SZ die ungewöhnlichen Abläufe rund um den Millionenkredit aufgedeckt, in dem es um Europas größtes Bordell, chinesische Investoren und mögliche Bargeldzahlungen geht. Ihren Anfang nahm der Fall im Frühjahr 2021. Der damalige Eigentümer der "Pascha"-Immobilie suchte einen Käufer für das elfstöckige Haus, nachdem die Corona-Krise den Bordellbetrieb zum Erliegen gebracht hatte.
Der Kölner Anwalt Claus B. soll schließlich chinesische Investoren vermittelt haben. Doch es gab Probleme bei der Zahlung des Kaufpreises von elf Millionen Euro. Fünf Millionen Euro seien, so die Aussage von Claus B. gegenüber Ermittlern, in Hongkong festgesetzt worden.
Volksbank Köln Bonn gab Kredit
Um den Deal abzuschließen, brauchte man deshalb dringend einen Überbrückungskredit. Claus B. nutzte offenbar seine Kontakte zu einem Volksbank-Vorstandsmitglied. Die Volksbank Köln Bonn gab den Kredit, besichert mit einer eingetragenen Grundschuld und einer Bürgschaft in Kredithöhe.
Die Recherchen legten offen, dass der Kredit offenbar just zu jener Zeit in den Vorstand eingebracht wurde, als das eigentlich zuständige Vorstandsmitglied, das dem Kredit kritisch gegenübergestanden haben soll, gerade nicht anwesend war. Das Geld floss kurze Zeit später.
Die Hauptfiliale der Volksbank Köln Bonn
Bildquelle: WDR/Massimo BognanniOffenbar enge Verbindung zwischen Claus B. und Volksbank-Manager
WDR, NDR und SZ haben interne E-Mails und Dokumente eingesehen, die auch der Staatsanwaltschaft Düsseldorf und der Bundespolizei vorliegen. Darüber hinaus hat das Team mit Beteiligten des Deals gesprochen. Zutage kam eine offenbar enge Verbindung zwischen dem Kölner Anwalt Claus B. und dem jetzt beschuldigten Vorstandsmitglied der Volksbank Köln Bonn.
In beschlagnahmten Mails des Anwalts Claus B. an sich selbst ist auch von 75.000 Euro in bar die Rede, die für den Volksbank-Manager bestimmt gewesen seien sollen. Daraus ergibt sich die Frage, ob dieser persönliche Vorteile erhalten hat. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Banker bestreitet Vorwürfe in Bordell-Affäre
Das Volksbank-Vorstandsmitglied bestreitet jegliche Vorteilsnahme: Er habe von Claus B. oder anderen "keinerlei persönliche Zahlungen - weder in bar noch auf anderem Weg - erhalten".
Claus B. ließ im Juli Fragen dazu unbeantwortet. Sein Verteidiger verwies stattdessen auf das Verfahren der Staatsanwaltschaft Düsseldorf wegen Schleuserei: Es liege keine Anklage vor, die Ermittlungen seien "nicht mal ansatzweise" abgeschlossen. Auch für seinen Mandanten gelte die Unschuldsvermutung.
Volksbank: "Entspricht Governance-Anforderungen"
Die Volksbank Köln Bonn hatte damals mitgeteilt, zu einzelnen Kreditentscheidungen und internen Entscheidungsprozessen dürfe man sich nicht öffentlich äußern. Jeder Kredit werde "in einem regulären, transparenten Kreditprozess geprüft, der den internen Governance-Anforderungen der Volksbank Köln Bonn entspricht".
Volksbank Köln Bonn beauftragte externe Prüfer
Mitte Juli beurlaubte die Bank dann das betroffene Vorstandsmitglied und beauftragte einen externen Prüfer, den Sachverhalt zu klären. Die Prüfung dauere noch an. "Die Untersuchung wird derzeit mit der gebotenen Sorgfalt und notwendigen Unabhängigkeit durchgeführt. Nach Abschluss der Sonderprüfung und Bewertung der Ergebnisse durch den Aufsichtsrat werden wir dazu informieren", erklärte eine Sprecherin.
Neben der internen Prüfung werden nun auch Ermittler dem Kredit auf den Grund gehen.
Unsere Quellen:
- Staatsanwaltschaft Köln
- Staatsanwaltschaft Düsseldorf
- Anwalt des Volksbank-Managers
- Anwalt von Claus B.
- Volksbank Köln Bonn
- interne E-Mails und Dokumente
Sendung: WDR.de, Ermittlungen gegen Volksbank-Vorstand bei Bordell-Affäre, 21.08.2026, 06:00 Uhr