Birgit und Klaus Elsner aus Schwerte sind Fans der Steckdosen im Bordstein. Wenn sie nach Dortmund fahren, laden sie ihr Auto regelmäßig damit. Das Einstecken des Steckers in den Boden übernimmt Birgit Elsner, ihr Mann kommt wegen seiner Behinderung nicht runter. "Ich kann mich ja noch bücken. Und mittlerweile bekomme ich den Registriervorgang mit der App auch hin", sagt sie schmunzelnd.
Starkstromstecker im Erdboden, die Regen und Schmutz ausgesetzt sind. Viele hatten am Anfang Bedenken, ob das funktionieren kann. Klaus Elsner hat gute Erfahrungen gemacht: "Es ist bis jetzt immer alles glatt gegangen."
Den Eindruck bestätigt Jan Brechmann, der zuständige Bereichsleiter beim örtlichen Versorger DEW21. 4.000 Ladevorgänge wurden in den ersten zwölf Monaten gezählt. "Wir hatten keine technischen Ausfälle und von den Autofahrern nur positives Feedback", sagt Brechmann. Wegen der starken Nachfrage wurde die Zahl der Ladepunkte sogar kurzfristig von sechs auf zehn erhöht.
Robuste Rüstungstechnik von Rheinmetall
Dass die Technik so robust bei Wind und Wetter funktioniert, hat vielleicht auch mit dem Hersteller Rheinmetall zu tun. Der Rüstungsproduzent hat offenkundig Erfahrung mit Produkten, die auch unter extremen Bedingungen ihren Dienst tun. "Deshalb suchen wir jetzt weitere Orte für Bordsteinlader", sagt DEW21-Bereichsleiter Brechmann.
Das geht aber nur in Kooperation mit der Stadt Dortmund. Und die hat konkrete Vorgaben: "Wenn an schönen Orten das Straßenbild nicht gestört werden soll, dann sind die unauffälligen Bodenlader besser als die üblichen Ladesäulen, die im Straßenraum stehen," so Stadtsprecher Christian Schön.
Strom aus Straßenlaternen ist einfachere Lösung
Aber die Rheinmetall-Stecker haben Einschränkungen, die sie aus Sicht des Betreibers unwirtschaftlich machen. Das beginnt beim aufwändigen Einbau. Am besten ist es, wenn die Ladepunkte dicht beieinander sind.
So wie in der Betenstraße in der Dortmunder Innenstadt. Hier liegen zehn Parkboxen nebeneinander. "Die können spielend vom Verteilerkasten nebenan versorgt werden", erklärt DEW21-Vertreter Brechmann. Mehr sollten es aber nicht sein, denn dann wäre ein zusätzlicher Trafo für die Versorgung nötig. Das würde die Angelegenheit teurer machen.
Immer mehr Elektroautos in Dortmund
Die Zahl der zugelassenen E-Autos steigt langsam. In Dortmund liegt ihr Anteil aktuell bei knapp über vier Prozent. Für sie gibt es etwa 1.320 Ladepunkte, darunter mehrere Schnelladeparks in den Randbereichen nahe Autobahnen und großen Durchgangsstraßen.
Aktuell betreibt die DEW21 660 Ladepunkte im Stadtgebiet. Den Großteil machen die konventionellen Ladesäulen aus und vor allem Stecker an Laternenmasten. "Das ist die ideale Lösung für Wohngebiete mit vielen Mietshäusern", sagt Brechmann. Bordsteinlader wie in der Innenstadt sind aus Sicht von Stadt und DEW21 nur ein ergänzendes Angebot und nur an wenigen, ausgesuchten Stellen möglich.
Ehrgeizige Ausbauziele: 1.500 Laternenstecker bis 2034
Deshalb sollen die Laternenstecker auch ausgebaut werden: Bis 2034 wird die DEW21 im gesamten Stadtgebiet weitere 750 Laternen mit je zwei Ladepunkten installieren - jeweils mit einer Leistung von 11 kW Wechselstrom, ideal für das Laden über Nacht.
Das freut auch die Mobilitätsplaner der Stadt. Pressesprecher Schön sagt: "Für die Stadt ist der richtige Mix der verschiedenen Ladearten entscheidend: Schnelladeparks mit hoher Ladeleistung für Kurzbesucher; Laternenstecker für Mieter, die es nicht eilig haben."
Wie der genau aussieht, entscheidet sich nach der politischen Sommerpause. Bis zum Jahresende will der Stadtrat eine Strategie für die Ladeinfrastruktur beschließen.
Strom aus dem Bordstein bei Autofahrern begehrt
WDR. 30.07.2026. 00:39 Min.. Verfügbar bis 29.07.2028. WDR Online.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit der Stadt Dortmund, Koordination Verkehrswende
- Gespräch mit Jan Brechmann von DEW21, Bereich Technische Lösungen und Services
- Beobachtungen des WDR-Reporters
Sendung: WDR 2, WDR 2 für das Ruhrgebiet, 30.07.2026, 15.30 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Dortmund, 30.07.2026, 19.30 Uhr