Sie waren zu siebt an einer Dortmunder Bushaltestelle, die Mitglieder der "Knappi-Gang", als zwei andere Jugendliche dort auftauchten. Die beiden Gruppen gerieten in einen Streit, es soll Beleidigungen gegeben haben. Dann kam es zu der brutalen Attacke.
Mehrere Mitglieder der Jugendbande haben sogar dann noch zugetreten, als die anderen am Boden lagen - und das sogar gefilmt. Das wurde ihnen letztendlich zum Verhängnis, weil das Video Auslöser für die Ermittlungen war. Die Bande soll in Dortmund schon öfter Menschen angegriffen haben.
SEK stürmt Wohnungen in Dortmund
Die Festnahme der Jugendlichen im Alter von damals 16 bis 20 Jahren verlief im Dezember vergangenen Jahres spektakulär. Die Bande wird "Knappi-Gang" genannt, weil alle Mitglieder in der Nähe des Dortmunder Knappschaftskrankenhauses wohnen. Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei stürmte in Dortmund mehrere Wohnungen und nahm die Männer fest. Ein weiterer konnte später durch die Aussagen der anderen gefunden werden.
Urteil nicht wegen Totschlags
Den meisten Angeklagten wurde im Prozess gefährliche Körperverletzung und sogar versuchter Totschlag vorgeworfen. Letztendlich hat sich das Gericht am Freitag dafür entschieden, sie ausschließlich wegen gefährlicher Körperverletzung zu verurteilen.
Der Grund dafür: Als die Verurteilten von ihren Opfern abgelassen haben, waren sie davon überzeugt, dass diese die Attacken überleben würden. Einen "strafbefreienden Rücktritt," nennt Gerichtssprecherin Nesrin Öcal das. Auch das dokumentiert das Handy-Video.
Einer muss mehr als vier Jahre ins Gefängnis
Für die brutale Attacke müssen jetzt drei der jungen Männer ins Gefängnis: einer für vier Jahre und sechs Monate, einer für vier Jahre und einer für zwei Jahre und neun Monate. Drei weitere wurden auch wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt, aber zur Bewährung. Die höchste Strafe liegt hier bei zwei Jahren, die geringste bei neun Monaten.
Ein weiteres Gangmitglied hat die Tat gefilmt und die anderen weiter angestachelt. Er steht jetzt zwei Wochen unter Arrest und muss 100 Sozialstunden leisten.
Manche Jugendliche wurden am Freitag nicht nur für die brutale Attacke im vergangenen Jahr verurteilt, sondern gleichzeitig auch für frühere Taten in anderen Fällen.
Öffentlicher Prozess eskaliert und wird geschlossen
Das öffentliche Interesse an dem Fall war groß, trotzdem wurden Zuschauer und Pressevertreter später ausgeschlossen. Der Grund: Von Zuschauern gab es Anfeindungen gegen den Staatsanwalt. Das Gericht setzte die Verhandlungen ohne Zuschauer fort - um die Jugendlichen davor zu schützen, sich wegen des Publikums in einer "jugendtypischen" Weise selbst darzustellen, so Gerichtssprecherin Öcal am Freitag gegenüber dem WDR.
Unsere Quellen:
- Landgericht Dortmund, unter anderem Gespräch mit Gerichtssprecherin Nesrin Öcal
- Nachrichtenagentur dpa
Sendung: WDR2, WDR 2 für das Ruhrgebiet, 07.08.2026, 15:30 Uhr
