Komplett in Gips: Die Felsformation Mintrop'sche Spitzfalte in Essen
Bildquelle: WDR/Jan AkkermannEs sieht ein bisschen aus wie ein großes Spitzdach mitten im rötlich-braunen Fels. Am Pastoratsberg im grünen und hügeligen Essener Süden verbirgt sich ein ganz besonderes Stück Natur im Ruhrgebiet: die Mintrop'sche Spitzfalte, benannt nach einem Bochumer Geologen.
Vor rund 300 Millionen Jahren wurden die Gesteinsschichten hier durch Druck von oben zu dieser auffälligen Form zusammengeschoben. Es sind die Schichten, aus denen später auch Kohle gefördert wurde.
Seltene Gesteinsformation im Ruhrgebiet
Vor allem ist es eine seltene Gesteinsform. Deshalb ist die Spitzfalte ein Naturdenkmal. Und bald auch ein Stück zum Anfassen und Untersuchen für Studierende. Die Felsformation wird nämlich von Wissenschaftlern des Bergbaumuseums und der Technischen Hochschule Georg Agricola (THGA) in Bochum exakt kopiert.
Rund sechs Meter hoch und vier Meter breit. "Hier handelt es sich um einen Zeitzeugen der Erdgeschichte und einen Zeitzeugen der Entstehung des Ruhrgebiets", sagt Benedikt Ahrens, Geologie-Professor an der THGA.
Genauer Abdruck von Felsformation in Essen
Der Weg zum exakten Modell des Gesteins ist ein steiniger. Im ersten Schritt mussten Professoren und Studierende die Brombeerbüsche wegschneiden, die im Laufe der Jahre über den Felsen gewuchert sind. Der zweite Schritt war harte Handarbeit: Mit Wurzelbürsten wurde der komplette Fels abgeschrubbt und sauber gemacht.
Besondere Felsformation in Essen-Werden: die Mintrop'sche Spitzfalte
Bildquelle: GeoPark RuhrgebietEs folgte Schritt drei: Der Felsen wurde mit einer knallgrünen Silikonmasse eingeschmiert. Sie sorgt dafür, dass der Abdruck später gut vom Fels abgelöst werden kann. Dann konnten die Experten endlich eine Masse aus Glasfasermatten und kunststoffhaltigem Gips auftragen.
Modell von Fels für Studierende in Bochum
Am Donnerstag haben die Wissenschaftler schließlich angefangen, den großen Gipsabdruck abzulösen. Nicht im Ganzen, sondern Stück für Stück. Es ist ein besonderer Moment für die Wissenschaftler, auf den sie lange hingearbeitet haben. Ein Jahr Vorbereitung war nötig, sagt Geologe Ahrens. Entsprechend nervös ist er. Die Ablösung des Abdrucks vergleicht er mit einer Kuchenform: "Heute ist der kritische Punkt, wir sehen, ob der Kuchen aufgeht oder nicht."
Der Abdruck wird in mehreren Teilen vom Felsen gelöst
Bildquelle: WDR/Jan AkkermannAm Freitag sollen weitere Stücke abgelöst werden. Anschließend wird der Abdruck in eine Werkstatt gebracht, wo das exakte Modell entsteht. Mit allen Hebungen und Senkungen, allen Strukturen und Abbrüchen. Dazu wird er in Originalfarbe angemalt.
Studierende der THGA sollen an dem Modell später geologische Strukturen untersuchen und vermessen können. "Es geht ums Erfühlen und darum, ein Gespür zu bekommen", sagt Ahrens. Außerdem soll das Modell auch öffentlich ausgestellt werden.
Unsere Quellen:
- Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
- Technische Hochschule Georg Agricola
- Regionalverband Ruhr
Sendung: WDR.de, Riesiger Abdruck von Felsformation in Essen, 27.08.2026, 10:35 Uhr
