Kinder spielen im Sandkasten

Seltener Hitzeschutz: Sonnensegel in den Ruhrgebiets-Kitas

Backofentemperaturen Essener Kita in der Hitzefalle

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Drinnen unerträglich heiß, draußen kaum Schatten. Viele Kitas sind schlecht gegen Hitze geschützt und brauchen mehr kühle Orte.

Es ist 10 Uhr morgens, so langsam heizen sich die Räume in der Essener Kita Mölleneystraße wieder auf. 100 Kinder werden in einem Altbau auf drei Etagen betreut. Wegen unerträglicher Hitze wird ab mittags die obere Etage "evakuiert", die 50 Kinder ziehen ins Erdgeschoss.

"Das größte Problem ist, dass wir unsere Fenster nicht verdunkeln können", sagt Kitaleiterin Mirjam Provitina. "Wir haben nur innen Jalousien, aber die bringen nicht viel. Und Stoßlüften können wir nicht, wenn die Kinder da sind. Zu groß ist die Gefahr, dass eins aus dem Fenster krabbelt".

Damit es im Erdgeschoss nicht zu voll wird, verbringen die Kinder so viel Zeit wie möglich im Freien. Zum Glück gibt es Bäume auf dem großzügigen Außengelände, auch Sonnensegel schützen vor UV-Strahlung, aber die Hitze staut sich natürlich trotzdem darunter. Die Kinder wissen, wie gefährlich zu viel Sonne für ihre Haut sein kann, für sie ist es schon ein Ritual: Vor dem Spielen draußen immer eincremen. Das macht auch die fünfjährige Sophia selbständig, "damit ich keinen Sonnenbrand bekomme".

Unerträgliche Hitze: Eltern sollen Kinder früher abholen

An heißen Tagen bittet die Kitaleiterin Mirjam Provitina die Eltern darum, ihre Kinder - wenn möglich - früher abzuholen. Nachmittags sei es kaum auszuhalten in den stickigen Räumen.

Eine Frau steht vor einem Gebäude

Mutter Hanna Blumenthal fordert mehr Hitzeschutz in Kitas

Für viele Eltern, die berufstätig sind, ist das eine zusätzliche Belastung. In der Kita Mölleneystraße arbeiten meist beide Elternteile - und häufig in Vollzeit. Auch den Stress für die Kinder dürfe man nicht unterschätzen, sagt Hanna Blumenthal, die zwei Kinder in der Kita betreuen lässt.

"Es ist für die Kleinen wie ein Arbeitstag, sie lernen hier vieles und sind beansprucht. Bei 30 Grad ist das hier kein Lernraum mehr, sondern eine Hitzeverwahrung und das wird weder den Kindern noch der Kita mit ihrem pädagogischen Profil gerecht". Hanna Blumenthal, Mutter von zwei Kita-Kindern

Kommunen müssen mehr für den Hitzeschutz in Kitas tun


Nicht nur die Stadt Essen, auch die anderen Kommunen im Ruhrgebiet sind verschuldet. Mal eben Außenjalousien oder Klimaanlagen einbauen? Zu teuer und nicht so einfach umzusetzen, heißt es aus vielen Rathäusern.

Die Stadt Mülheim kann nur dank einer Spende von zwei Stiftungen in den kommenden Monaten in 44 Einrichtungen und Kitas in städtischer und freier Trägerschaft fest installierte Markisen in den Außenbereichen anbringen.

Ein Mann mit seinem sechsjährigen Sohn

Alex Liefermann und sein Sohn Liam beklagen sich über Hitze in der Kita

Auch die Stadt Essen will mehr für den Hitzeschutz in Kitas und Schulen tun. Sie hat Bauleitlinien für Kitas und Schulen entwickelt, die Klimaanpassungen berücksichtigen, so Essens Pressesprecherin Silke Lenz. Demnach sollen bei allen Neubauten von Kindertagesstätten und Schulen Lamellen an den Fenstern und umweltfreundliche Lüftungssysteme Standard werden. Dafür gebe es auch Mittel vom Land NRW. Bei älteren Gebäuden soll individuell geprüft werden, ob Hitzeschutz-Folien an den Fenstern, Sonnenschirmen und mehr Bäume sinnvoll sind.

Kinder erschöpft: Eltern werden lauter

Eine Frau steht an einer Eismaschine

Kitaleiterin macht Wassereis für die Kinder

Eltern fordern von der Politik langfristige Konzepte zum Hitzeschutz in Kitas. Die Politik wolle schließlich, "dass beide Eltern arbeiten gehen", meint auch Mutter Sarah Jansen aus Essen. Alex Liefermann ist Vater eines sechsjährigen Sohnes in Düsseldorf. Sein Sohn sei häufig nass geschwitzt und völlig erschöpft, wenn er ihn aus der Kita abhole. "Ich habe keine Lust in die Kita zu gehen, da ist es so heiß", habe Liam schon mehrfach gesagt. Der Vater fordert, Kinder und Erzieherinnen hätten ein Recht auf eine Kita, die dem Klima angepasst werde.

Die Kita Mölleneystraße ist noch eine Woche auf. Alle sind froh, wenn es in die Sommerpause geht. So lange müssen die Erzieherinnen improvisieren. Sie haben sich eine Eismaschine angeschafft und im Keller einen "Painting room" eingerichtet, in dem die Kinder Bilder malen können und so Abkühlung bekommen.

Hitzewelle macht Ruhrgebiets-Kitas zu schaffen

WDR 30.07.2026 00:24 Min. Verfügbar bis 29.07.2028

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Unsere Quellen:

  • Kita Mölleneystraße in Essen
  • Stadt Essen
  • Stadt Mülheim
  • Beobachtungen und Gespräche der Reporterin mit Erzieherinnen und Eltern

Sendung: WDR.de, Hitzewelle macht Ruhrgebiets-Kitas zu schaffen, 30.07.2026, 16:27 Uhr

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