Streetworkerin Emeli Kaebler schiebt einen Bollerwagen gefüllt mit Sonnencreme und Wasser

Streetworkerin Emeli Kaebler verteilt Sonnencreme und Wasser an Obdachlose

Bildquelle: wdr/ Marie Vandenhirtz

Hitze So helfen Ehrenamtliche und Streetworker Obdachlosen in Essen

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Die Sonne knallt. Für Obdachlose, die viel Zeit im Freien verbringen, sind die heiße Tage eine besondere Herausforderung. Wie sie unterstützt werden und was sie nun brauchen.

In der Einkaufsstraße vor dem Limbecker Platz in Essen sitzen zwei Männer. Sie lehnen an einer Hauswand, vor ihnen ein schwarzer Hund. Marlene Fockenberg, 28, geht auf die beiden zu, fragt, wie es ihnen geht und wie sie durch die Hitze kommen. Immerhin sind es an diesem Freitagmorgen schon 30 Grad, der Asphalt ist heiß.

Die drei kommen ins Gespräch. Der eine Mann, etwas älter mit grau-weißem Haar, spricht nicht viel mit ihr. Der andere, etwas jünger, mit vielen Tattoos und geschorenen Haaren, bei dem er eine Stelle am Hinterkopf lang wachsen und zu einem Zopf gebunden hat, übernimmt das Gespräch. Der Mann gestikuliert mit den Händen und nickt häufig.

Worüber sie sich genau unterhalten; wissen wir nicht. Fockenberg möchte alleine mit ihnen reden. Es sei schwierig gewesen, eine Vertrauensbasis mit dem jüngeren der beiden Männer aufzubauen.

Eine Weile später läuft sie zurück zu dem Bollerwagen, an dem ihre Kollegin Emeli Kaebler, 25, steht. Der Wagen ist prall gefüllt mit Dingen, die Menschen bei der Hitze helfen können: Wassereis, Erfrischungstücher, nachfüllbare Flaschen, Traubenzucker, Fächer, Sonnencreme, Eiskaffe, Sonnencreme und besonders wichtig - viel Wasser.

Der Bollerwagen, aus dem die Streetworker Spenden verteilen ist bis oben hin gefüllt

Der Bollerwagen ist gefüllt mit Wassereis, Traubenzucker, Getränken und Hygieneartikeln

Bildquelle: wdr/ Marie Vandenhirtz

Fockenberg greift nach drei Stangen Wassereis, einem Fächer, Traubenzucker und Wasser. Dann läuft sie zurück zu den zwei Männern und ihrem Hund.

Wohnungslose sind der Sonne schutzlos ausgesetzt

Rund 2.173 Menschen wurden bei der Wohnungslosenhilfe der Diakonie in Essen 2025 gemeldet. Sie alle trifft die Hitze in dieser Juni Woche besonders hart. "Viele von ihnen müssen draußen sein, um zu betteln und sich zu finanzieren", sagt Janina Bever, Bereichsleiterin der Wohnungslosen- und Gefährdetenhilfe der Diakonie Essen.

"In der Innenstadt halten sich mehr Menschen auf, die sie ansprechen können." Daher suchen sie sich zum Beispiel Einkaufsstraßen oder Bahnhöfe.

Außerdem gibt es in der Stadt mehr Hilfsangebote: Beratungsstellen, Suppenküchen oder eben den Bollerwagen, mit dem die Diakonie und Caritas Essen jeden Morgen durch die Straßen läuft.

Auch andere Organisationen unterstützen Wohnungslose in der Stadt, etwa Ehrenamtliche von Lebens(t)raum, die mit einem Suppenfahrrad durch die Stadt radeln und bei der Hitze auch Kaltgetränke, Kappen oder Sonnencreme verteilen.

Mehr gesundheitliche Probleme durch Hitze

Gleichzeitig sind die Straßen zwischen Einkaufsläden und Bürogebäuden gerade die Orte, die wenig Schatten bieten. Wohnungslose Menschen sind der Hitze und der Sonne deswegen oft schutzlos ausgesetzt. Das Risiko eines Sonnenbrands oder Hitzeschlags ist höher.

Auch das Schwitzen kann gefährlich werden. Etwa, wenn Wunden auf der Strßae nicht richtig versorgt werden können und sie sich durch den Schweiß entzünden. Hinzu kommen Suchtmittel, wie Alkohol oder Drogen.

"Wir sehen auf der Straße auch Menschen mit dicken Jacken oder langen Hosen. Andere schlafen in der Sonne ein. Durch den Einfluss von Suchtmitteln funktioniert ihr Wärmeempfinden nicht mehr. Auch einen Sonnenbrand spüren sie nicht sofort" Emeli Kaebler, Streetworkerin Diakonie Essen

"Auf der Straße sind wir die Gäste."

Während die Streetworkerinnen durch die Straßen gehen, grüßen sie immer wieder Wohnungslose - und beobachten sie: ist ihr Gang stabil, ihre Sprache klar und wie bewegen sie sich.

Einer kommt auf sie zu, jung, Glatze, zerrissenes Hemd, keine Schuhe. Sie bieten ihm ein Wasser an, dann wird er laut und fängt an, die beiden anzuschreien. Sie entscheiden sich dazu weiterzugehen - ruhig, ohne noch einmal auf den Mann einzugehen, "um zu deeskalieren", sagt Fockenbenberg.

Wie Wohnungslose unterstützt werden können

"Wir beobachten die Menschen, drängen uns nicht auf und grüßen aus der Ferne. Wenn Menschen etwas brauchen, dann kommen sie auf uns zu", sagt Fockenberg. "Auf der Straße sind wir die Gäste."

Respekt, Rücksicht und Freundlichkeit sind hier genauso wichtig wie überall anders auch. Bei wohnungslosen Menschen gebe es trotzdem Berührungsängste, sagen die Streetworker. Auch wenn ihnen die Hilfsbereitschaft bei besonders heißen Tagen größer vorkomme.

Wer eine wohnungslose Person auf der Straße sehe, die wirkt, als wäre sie von der Hitze belastet, sollte auf sie zugehen und Hilfe anbieten, wie bei jedem anderen auch. Wasser werde am häufigsten nachgefragt.

Auch Fächer seien beliebt. "Und vor allem Zucker. Wenn zum Beispiel nach einem Kaffee gefragt wird, dann auch meistens mit viel Zucker - für den Kreislauf. Wir haben aber auch manchmal Cola oder Süßkram dabei", sagt Emeli Kaebler. Ist eine Person nicht ansprechbar, bewusstlos oder wirke verwirrt, sollte man einen Krankenwagen rufen.

Organisationen suchen nach Spenden

Wer unabhängig davon unterstützen will, kann an die Organisationen Spenden. Sowohl Geld-, als auch Sachspenden helfen ihnen dabei, Obdachlose bei den heißen Temperaturen zu unterstützen.

Für Marlene Fockenberg und Emeli Kaebler ist der Tag nach ihrer Morgenrunde noch nicht vorbei. Über den Tag hinweg schauen sie noch einmal nach denjenigen Menschen, die ihnen bei ihrer Morgenrunde erschöpft oder hilflos vorgekommen waren. Am Abend, gegen 20 Uhr, gehen die beiden dann noch einmal mit ihrem Bollerwagen durch die Stadt.

Wie die Hitze Obdachlose trifft

WDR 26.06.2026 40 Sek. Verfügbar bis 25.06.2028

Unsere Quellen:

  • Betty van Loon, Lebens(t)raum
  • Janina Bever, Diakonie Essen
  • Marlene Fockenberg, Streetworkerin
  • Emeli Kaebler, Streetworkerin
  • Deutsches Rotes Kreuz Kreisverband Essen
  • Caritasverband für die Stadt Essen

Sendung: WDR2 Rhein und Ruhr, Lokalzeit, 26.6.2026, 6:30 Uhr

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