Nico (18) gibt nach schwerem Motorradunfall nicht auf

Bildquelle: WDR, Carmen Krafft

WDR 03:17 Min. Verfügbar bis 07.08.2028

Nach schwerem Motorradunfall Nico (18) kämpft sich zurück ins Leben

Stand:

Ein schwerer Motorradunfall hätte Nico Poßner fast das Leben gekostet. Seine Ausbildung will er auch auf Krücken fortsetzen.

Von seinem Motorrad bleib nur ein Haufen Schrott übrig. Nico selbst überlebte knapp. Sein Leben möchte der Essener nach seinem Unfall möglichst so genießen wie andere in seinem Alter.

Auf dem Weg zu seinem Ausbildungsplatz als Automechatroniker - einer Werkstatt in Essen - kollidierte er im November 2025 mit einer Autofahrerin. "Die kam aus einer Einfahrt, muss mich übersehen haben."Traumatische Sekunden. "Ich spürte einen Schmerz wie nie zuvor und mein Atmen hörte sich merkwürdig an."

Junger Mann an Krücken von Pflegern gestützt auf dem Krankenhaus Flur

Direkt nach dem Aufwachen aus dem künstlichen Koma wird Nico mobilisiert.

Bildquelle: Carmen Krafft WDR

Komplexe Verletzungen

Ein Loch in der Lunge, zwei offene Brüche am rechten Bein, zerstörte Nervenbahnen - Nico musste bisher ein Dutzend Operationen über sich ergehen lassen. Acht Monate danach trainiert er jeden Tag in einer ambulanten Reha in Essen.

"Manchmal fließen nachts Tränen, weil ich alles von vorne lernen: atmen, essen, laufen", sagt Nico. Er ist genervt und gleichzeitig voller Energie. Er geht aufs Laufband, stemmt Gewichte mit der Beinpresse. "Die Fortschritte scheinen klein und sind doch unglaublich wichtig", so sein Physiotherateut Sven Szkucik.

Gerade wegen der komplexen Verletzungen helfe nur dranzubleiben. Das Sprunggelenk muss trainiert werden. Die Taubheit im rechten Fuß hingegen lässt sich nicht wegtrainieren. Vielleicht müssen gesunde Nerven aus dem gesunden Fuß transplantiert werden.

Motivation im Alltag

Draußen steht ein Teil seiner Motivation. Nico hat nach dem Unfall den Führerschein fertig macht, sein Oltimer-Mercedes wurde umgerüstet. "Für mich ist das ein Stück Freiheit." Die hofft er auch zurückzugewinnen, wenn er seine Lehre in der Autowerkstatt fortsetzen kann.

Kopf eines jungen Mannes im Krankenbett neben dem Kopf einer Frau

Nico wacht neben Mutter Katarzyna aus dem Koma auf

Bildquelle: WDR, Carmen Krafft

Wann das sein wird ist offen. Vorerst besucht er die Berufsschule, geht zur Reha oder macht Touren mit der Freundin und seiner Clique mit dem Mercedes-Oldtimer. Seine Mutter Katarzyna hat Mühe, die traumatische Zeit in der Klinik und Nicos künstliches Koma zu verarbeiten."Aber als er im dritten Tag nach Trockenshampoo fragte, wusste ich, es geht nur noch bergauf."

Als Nebenkläger bei der Gerichtsverhandlung

Im September steht für Nico als Nebenkläger allerdings erst mal ein Gerichtstermin an. Die Autofahrerin ist wegen "fahrlässiger Körperverletzung" angeklagt. Gemeldet habe sie sich bei ihm nicht.

Junger Mann am Steuer eines alten Mercedes

Große Leidenschaft: Für Nico ist sein Oldtimer "ein Stück Freiheit".

Bildquelle: WDR, Carmen Krafft

Aber auch hier will sich Nico nicht entmutigen lassen. Sollte er Schmerzensgeld bekommen, will er eine Reise nach Japan machen. Auch das sei Freiheit. Er nimmt seine Krücke, verstaut sie im Kofferraum es Mercedes, setzt sich hinters Lenkrad. Ein 18-Jähriger der wie seine Freunde immer mal wieder ein ganz normales Leben führt.

Unsere Quellen:

  • Reporterin im Gespräch mit Nico Poßner und Mutter Katarzyna Poßner
  • Reporterin im Gespräch mit Physiotherapeut Sven Szkucik Contilia Reha

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 07.08.2026, 19:30 Uhr

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