Hans-Gerhard Surey in seinem Arbeitszimmer. Er blick direkt in die Kamera. Er trägt eine Brille und einen kurzen Bart. Im Hintergrund laufen auf zwei Bildschirmen Videospiele.

Gerd Sureys Videospiele gehen in die ganze Welt.

Bildquelle: WDR/Lennard Halfmann

Amiga-Comeback Essener entwickelt Videospiele für Retro-Rechner

Stand:

Gerd Surey aus Essen entwickelt Videospiele für einen fast 40 Jahre alten Heimcomputer: den Commodore Amiga 500. Seine Spiele haben Fans auf der ganzen Welt. Auf der Gamescom hat Surey einen eigenen Stand.

"Behalte deine Munition im Auge", rät Hans-Gerhard "Gerd" Surey. Auf einem alten Monitor im ersten Stock eines Reihenhauses in Essen-Katernberg flimmert "Dr. Dangerous". In dem Pixel-Game, das der Essener im Jahr 2024 veröffentlicht hat, finden sich die Spielerinnen und Spieler in der Haut eines Wissenschaftlers wieder, der die Ruine eines alten Tempels im Amazonas erforscht - und dabei auf allerlei Gegner trifft: Skelette beispielsweise oder fliegende Augäpfel.

Zwei Commodore Amiga 500 erwachen wieder zum Leben

Der Commodore Amiga 500 – in Gerd Sureys Arbeitszimmer stehen gleich mehrere Exemplare

Bildquelle: WDR/Lennard Halfmann

Essener erschafft Fantasy-Welten

Unter dem Namen "hoogames2017" hat der Essener bis heute weitere Titel veröffentlicht: "Phantom Leap", das in einem verwunschenen Wald spielt, oder "Arc4Nerd", bei dem eine riesige Currywurst als Endgegner wartet. "Für die Amiga-Ruhrpott-Convention", erklärt Gerd Surey. Das alljährliche Treffen der Amiga-Fans im Ruhrgebiet.

Surey arbeitet in der Essener Stadtverwaltung. Programmieren macht er in seiner Freizeit.

"Für mich ist das Entspannung." Gerd Surey, Spieleentwickler aus Essen

Warum der Amiga 500 noch immer begeistert

Wer keinen Amiga hat, kann Sureys Games via Emulator auch auf dem Laptop oder auf dem Handy spielen. Viel Leistung braucht es für heutige Verhältnisse nicht, um loszulegen: Der Heimcomputer des Herstellers Commodore aus dem Jahr 1987 kommt mit nur einem Megabyte Arbeitsspeicher aus. Für Gerd Surey liegen die Vorteile des alten Geräts auf der Hand.

"Ich mache die Kiste an und brauche keine Updates zu ziehen. In drei Sekunden ist das Ding geladen - trotz Floppy - und ich kann losspielen." Gerd Surey, Spieleentwickler aus Essen
Eine Hand steuert einen roten Joystick. Der Joystick gehört zum Commodore Amiga 500, einem legendären Heimcomputer aus dem Jahr 1987.

Stilecht spielen sich Retro-Games nur mit Joystick.

Bildquelle: WDR/Lennard Halfmann

Zugleich sieht er in der begrenzten Leistung des Geräts eine willkommene Herausforderung beim Programmieren: "Ich sage immer aus Spaß, meine Taschenlampe im Handy hat mehr Megahertz als der Amiga. Aber das sind halt die Hürden", lacht Surey. Für Surey ist auch das ein Grund, warum Retro-Games wieder gefragt sind:

"Mit den Spielen verbinden viele die Zeit der 90er. Und viele verbinden die Zeit der 90er mit weniger Stress - es gab kein Internet, kein Instagram - und mit Kindheitserinnerungen. Das ist es, was viele wollen: dieses Einfache, Unbeschwerte." Gerd Surey, Spieleentwickler aus Essen

Retro-Games aus Essen gehen in die ganze Welt

Über zu wenig Nachfrage kann sich Gerd Surey nicht beschweren: "Ich habe mich echt erschrocken, wo die überall hingegangen sind: England, Frankreich, Amerika …", zählt Surey auf. Auf Wunsch seiner Community sind Spiele aus dem Hause hoogames2017 mittlerweile nicht nur als Download auf itch.io, sondern auch in einer Sammelbox erhältlich: "Was ich gemerkt habe, ist, dass viele Leute sagen: Das Spiel ist toll. Aber das digital zu besitzen, das gefällt mir irgendwie nicht. Ich möchte das in den Schrank stellen."

Seit einiger Zeit arbeitet er bei der Veröffentlichung seiner Spiele deshalb mit dem Publisher APC & TCP zusammen. Der bringt seine Spiele mittlerweile sogar auf Diskette heraus.

Vorfreude auf die Gamescom 2026

In wenigen Tagen trifft Surey einen Teil seiner Community auf der Gamescom in Köln. Gerade weil die Retro-Videospiel-Szene so familiär ist, kenne man sich häufig schon: "Früher habe ich Spiele für Apple und für Android gemacht, aber das war nie so mein Ding. Da fehlte mir der persönliche Kontakt, die Leute, die die Spiele gespielt haben, auch mal kennenzulernen. Das habe ich beim Amiga viel, viel mehr", hebt Gerd Surey hervor. In Halle 10.2 wird er mit einem eigenen Stand im Retro-&-Family-Bereich vertreten sein.

Ein Bildschirm zeigt eine mittelalterliche Welt in Pixel-Graphik.

So könnte "Lost in the Middle Ages" einmal aussehen.

Bildquelle: WDR/Lennard Halfmann

"Es wird eine harte Zeit, aber es wird auch eine schöne Zeit", schwärmt Surey, der sich für die größte Videospielmesse der Welt extra Urlaub nimmt. Wenn alles klappt, kann er auf der Gamescom auch schon sein neues Spiel vorstellen: "Lost in the Middle Ages". Es handelt von einem unbekannten Ritter, der ein Königreich retten muss. "Da freue ich mich schon drauf, dass die Leute sich das mal angucken."

Essener entwickelt Videospiele für Retro-Rechner Amiga 500

WDR 23.08.2026 00:51 Min. Verfügbar bis 22.08.2028

Download

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Hans-Gerhard Surey

Sendung: WDR.de, Essener entwickelt Videospiele für Retro-Rechner Amiga 500, 24.08.2026, 10:08 Uhr

Weitere Beiträge aus Essen

1 / 2