Gletscher auf der ganzen Welt schmelzen immer schneller. Nach Informationen eines 2025 veröffentlichten UNESCO-Berichts verloren sie innerhalb von drei Jahren mehr Eis als je zuvor seit Beginn der Messungen. Allein im Jahr 2024 schmolzen demnach in den 19 Gletscher-Regionen der Welt 450 Milliarden Tonnen an Eismasse.
Zum Vergleich: Seit Beginn der Messungen 1975 gingen 9.000 Milliarden Tonnen Eis verloren. "Dies entspricht in etwa einem Eisblock von der Größe Deutschlands mit einer Dicke von 25 Metern", so Michael Zemp, Direktor des in der Schweiz ansässigen World Glacier Monitoring Service zu dem Bericht.
Gletschersterben hat Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft
Diese Entwicklung hat laut Wissenschaftlern drastische Folgen. "Die Erhaltung der Gletscher ist nicht nur eine ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Notwendigkeit. Es ist eine Frage des Überlebens", kommentierte Celeste Saulo, Generalsekretärin der Weltwetterorganisation, die Entwicklung.
Welche extremen Auswirkungen das Abschmelzen von Gletschern hat, wird sich auch in NRW zeigen. "Die Folgen des Klimawandels haben dramatische Auswirkungen auf das Ökosystem Rhein", so Holger Sticht, NRW-Landesvorsitzender des BUND.
Gletscherwasser stabilisiert den Rheinpegel im Sommer
Damit, nämlich, wie genau diese Folgen aussehen, beschäftigt sich die Internationale Kommission für die Hydrologie des Rheingebietes (KHR), der unter anderem Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) und des Schweizer Bundesamtes für Umwelt angehören.
"Die Gletscher speichern riesige Mengen Wasser, das im Sommer durch Schmelze in unsere Flüsse gelangt und besonders für den Rhein von großer Bedeutung ist", erklärt Martin Labadz im März 2025 im "Gewässerwissen"-Podcast der BfG. Denn gerade in den trockenen Monaten stabilisiere dieser Zufluss aus den Alpen den Wasserpegel der wichtigsten Wasserstraße Deutschlands. Demnach kann dieser Anteil in den Sommermonaten im zweistelligen Prozentbereich liegen.
Weitreichende Folgen für die Wirtschaft
Je kleiner jedoch die Eismasse der Gletscher wird, desto weniger Wasser steht zur Verfügung, das gerade während besonders trockener Phasen im Rhein gebraucht wird. Phasen, in denen der Rheinpegel drastisch fällt, könnten somit länger und intensiver werden.
Die Folgen sind dann in vielen Bereichen zu spüren. Unter anderem ist der Rhein eine wichtige Wasserstraße. Können darauf wegen Niedrigwassers keine Schiffe fahren und Rohstoffe sowie andere Güter transportieren, hat das wiederum Einfluss auf zahlreiche Industriezweige. Nach Berechnungen des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel, kostete das Niedrigwasser im Jahr 2018 Deutschland etwa 0,4 Prozent an Wirtschaftsleistung.
Prognosen sagen dramatische Verschärfung voraus
Auch 2026 erreicht der Rhein schon Anfang August neue Rekord-Pegeltiefstände durch anhaltende Trockenheit und die Schiffe müssen ihre Ladungen reduzieren - das sollte eigentlich erst später im Jahr passieren. "Bis September deutet sich eine leichte Entspannung an", so Martin Helms, Experte bei der Bundesanstalt für Gewässerkunde. "Wir bleiben aber im Niedrigwasserbereich und die Anfälligkeit für den Herbst ist hoch."
Es ist das zweite Jahr in Folge, in dem das Wasser schon früh ausbleibt. "Es ist auffällig, dass wir jetzt drei Jahre hatten mit ausgeprägter Frühjahrs-Trockenheit", so Helms mit Blick auf 2022, 2025 und eben 2026. "Wir hatten zwischendurch aber auch andere Jahre."
Niedrigwasser und trockenster Juli seit Wetteraufzeichnung
WDR. 31.07.2026. 02:30 Min.. Verfügbar bis 30.07.2028. WDR Online.
Für eine dauerhafte Klimawandel-Folge sei es eigentlich noch zu früh, sagt Helms: "Nach den Prognosen wird am Rhein angenommen, dass es sich bis Mitte des Jahrhunderts noch nicht dramatisch verschärft, sondern erst gegen Ende des Jahrhunderts."
Umwelt und Teile des Trinkwassers sind bedroht
Neben der Wirtschaft wirkt sich der Wassermangel im Rhein auch auf die Umwelt aus. "Dauerhaft weniger Wasser im Rhein bedeutet höhere Temperaturen und steigende Schadstoffkonzentrationen", so Holger Sticht vom BUND. Das sei nicht nur für die Tierwelt fatal, auch die Trinkwasseraufbereitung werde dadurch beeinträchtigt.
Denn Rheinwasser wird in NRW auch als Trinkwasser genutzt. In den meisten Fällen wird es laut dem NRW-Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) als Uferfiltrat mit Grundwasser gemischt, bevor es - nach der entsprechenden Aufbereitung - in die Leitungen eingespeist wird. Auch diese Ressource wäre bei länger anhaltendem Niedrigwasser bedroht.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagenturen dpa, AFP
- WDR-Interview mit Dr. Martin Helms, Referat Hydrologische Grundsatzangelegenheiten, Hydrometrie, Gewässerphysik bei der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG), August 2026
- "Gewässerwissen"-Podcast der BfG, März 2025
- Institut für Weltwirtschaft (IfW) Kiel
- Trinkwasserbericht des LANUV NRW 2025
- Pressemitteilung des BUND NRW, März 2025
Sendung: WDR2, "Das Mittagsmagazin", 31.07.2026, 13:40 Uhr