Das zunehmende Hitze-Problem infolge des Klimawandels beschäftigt die Kommunen schon seit Langem. Trotzdem hat bislang nur ein kleiner Teil der Städte und Gemeinden in NRW einen eigenen Hitzeaktionsplan erarbeitet, der insbesondere Schutzbedürftige wie alte und obdachlose Menschen in den Blick nimmt. In den Fokus gerückt ist aber auch der Schutz aller, denn die Hitze ist für viele eine Belastung - und ein Gesundheitsrisiko.
In den Hitzeaktionsplänen wie dem der Stadt Oberhausen geht es zum einen um die "Sensibilisierung der Bevölkerung", einschließlich Konzeptentwicklungen für Pfleegeeinrichtungen. Zum anderen geht es um "langfristige Anpassungsmaßnahmen", zum Beispiel "bauliche Möglichkeiten zur Klimaanpassung". Außerdem sind dort auch sehr konkrete Hitzeschutz-Aktionen für den Ernstfall zu finden. Auch darüber hinaus lassen sich Städte einiges einfallen. Was konkret? Und reicht das aus?
Trinkwasserbrunnen: Mal mehr, mal weniger
Ein Klassiker zum Schutz vor Hitze sind öffentliche Trinkwasserbrunnen. Denn ausreichend Wasser zu trinken, wirkt wie ein Kühlmittel für den Körper. Die Aufstellung der Brunnen ist allerdings nicht ad hoc bei einer Hitzewelle möglich, sondern benötigt monatelangen Vorlauf.
Mit 33 Trinkwasserbrunnen gibt es in Dortmund vergleichsweise viele in NRW. Im deutlich größeren Köln sind es lediglich 16. Im viel kleineren Oberhausen gibt es nur fünf. Geplant war dort mal die Aufstellung vieler weiterer Brunnen. Weil der Stadt aber das Geld fehlt, werden es wohl lediglich ein paar mehr.
Ein flächendeckendes Netz an Trinkwasserbrunnen gibt es übrigens in Rom. Allein in der Altstadt stehen nach Angaben des Wasserversorgers Acea 200 der berühmten nasenförmigen "Nasoli". Stadtweit sind es mehr als 3.000 Trinkwasserbrunnen.
Hitze-Stress in NRW: So kämpfen Städte um jedes Grad weniger
Bildquelle: picture alliance/dpa/ Rolf VennenberndWDR. 23.06.2026. 01:16 Min.. Verfügbar bis 22.06.2028.
Kostenlos Trinkwasserflaschen befüllen kann man auch in den Hunderten sogenannten Refill-Stationen in NRW. Das sind Geschäfte, Cafés oder auch städtische Einrichtungen wie die VHS Siegen und das Rathaus im sauerländischen Marsberg, die sich am gemeinnützigen Projekt Refill Deutschland beteiligen. Einen Überblick mit allen Stationen gibt es auf der dazugehörigen Website.
Um eine Wasserflasche aufzufüllen, wird aber erst einmal eine benötigt. Im Mai verteilte die Stadt Münster hochwertige Wasserflaschen an Obdachlose. Anlass war die Einweihung der Trinkwasserzapfanlage am Haus der Wohnungslosenhilfe.
Kühle-Orte-Karten für zahlreiche Städte in NRW
Wer die Möglichkeit hat, den Ort zu wechseln, weil er nicht ans Büro gebunden ist oder etwa zu Hause Kinder versorgen muss, findet Online Anregungen zur Abkühlung mit den sogenannten Kühle-Orte-Karten. Mindestens 34 Städte in NRW informieren in solchen Karten, wo es zum Beispiel Parks oder kühle Gebäude wie Museen und Kirchen gibt.
Darüber hinaus können Bürgerinnen und Bürger dort ganz persönliche Empfehlungen ergänzen. Mal sind die Karten reich befüllt wie in Essen, mal weniger wie in Duisburg.
Pocket Parks mit Schatten spendenden Bäumen
Abkühlung verschaffen auch die sogenannten Pocket Parks, die in den vergangenen Jahren in mehreren Städten in NRW entstanden sind und künftig noch entstehen sollen. Das sind von Bebauung befreite und somit entsiegelte Flächen, so dass wieder Wasser in den Boden sickern kann. Diese wieder begrünten Areale können die großen Parks in Miniatur ergänzen.
Vor vier Jahren wurde so ein kleiner Park an der Riemker Straße in Bochum-Hofstedt eröffnet. In Düsseldorf-Flingern wurde vor zwei Jahren an der Albertstraße ein Pocket Park mit 120 Bäumen eingeweiht.
Brumisateure und Wasserschläuche
Für Abkühlung sorgen die Städte natürlich auch mit ihren Hallen- und Freibädern. Wer es weniger nass mag, kommt mit etwas Glück in den Genuss eines Brumisateurs, sprich einer Sprühnebelanlage. Über zwei davon verfügen zum Beispiel die Stadt Düsseldorf und die dortigen Stadtwerke. Aktuell im Einsatz ist allerdings keiner von beiden.
Problem beim stadteigenen Brumisateur: Er muss laut einer Stadtsprecherin dauerhaft betreut werden, weil die frei zugänglichen Vernebelungsdüsen sehr empfindlich seien. Die sogenannte Kühlbox der Stadtwerke bedarf hingegen keiner Überwachung. Sie soll in den Sommerferien in der Innenstadt installiert werden.
Einen Wassernebel erzeugen auch die großen, mit vielen Düsen bestückten Wasserschläuche in Köln, die erstmals vor vier Jahren im Rahmen des Hitzeaktionsplans getestet wurden. Der Wasserverbrauch liegt bei etwa 16 Kubikmetern pro Stunde - nach Ansicht des Versorgers Rheinenergie "eine winzige Menge verglichen mit den mehr als 300.000 Kubikmetern, die an heißen Tagen in Köln insgesamt genutzt werden".
In Einkaufszonen dürften spritzende Wasserschläuche nicht alle begeistern. Daher wehen in der Hohen Straße in Köln aktuell wieder Tücher über den Köpfen der Passanten. Das Projekt eines Gebäudeeigentümers und des Stadtmarketings wurde städtisch gefördert und von der Uni Köln wissenschaftlich begleitet. Demnach hat die künstliche Verschattung einen "signifikanten Kühleffekt" von zwei bis drei Grad Celsius.
Ob Trinkwasserbrunnen, Refill-Stationen, Kühle-Orte-Karten, Brumisateure oder künstliche Verschattung: Solche Hitzeschutz-Maßnahmen erreichen nicht alle Menschen und schon gar nicht ständig, wenn es heiß ist. Daher setzen die Städte vor allem auf Informationskampagnen, damit jeder Hitzeschutz in seinen Alltag integrieren kann.
Die Stadt Münster ruft in diesem Sommer zum Beispiel mit Postkarten und Plakaten dazu auf, sich für Hitzewarnungen beim Deutschen Wetterdienst (DWD) oder der Warn-App NINA anzumelden. "Wer sich frühzeitig über Hitze informiert ist, kann sich besser schützen", sagt ein Stadtsprecher dem WDR.
Außerdem verteilt die Stadt Münster "Hitzewarner". Das sind Aufkleber für Innenräume. Steigt die Temperatur auf mehr als 28 Grad, verwandelt sich die schwarze Fläche darauf in einen Warnhinweis mit QR-Code, mit dem man zu Verhaltenstipps bei Hitze gelangt.
Auch viele andere Städte und Gemeinden informieren ausführlich auf ihren Websites, wie sich jeder ganz konkret schützen kann. In Bielefeld, Essen und Köln zum Beispiel nennt sich das Hitzeportal.
Dort sind auch Informationen zu weiteren Aktionen zu finden. Zum Beispiel gibt es vielerorts ein Hitzetelefon. Dabei können nicht nur individuelle Fragen zum Umgang mit der Hitze geklärt werden. Es gibt auch eine längerfristige Betreuung: Persönliche Anrufe von der Stadt, wenn die Tage mal wieder heiß sind.
Noch persönlicher ist die Betreuung durch sogenannte Hitzepaten. Das Programm bietet etwa die Stadt Bielefeld an. Dafür können sich Freiwillige melden, die dann an heißen Tagen Hilfsbedürftige aufsuchen, kleine Besorgungen machen oder sie zu Terminen und an kühle Orte begleiten - um niemanden mit der Hitze allein zu lassen.
Ex-Gesundheitsminister Lauterbach: Immer noch zu wenig Hitzeschutz
Es wird also einiges getan von den Kommunen, um die Menschen vor der Hitze zu schützen. Nach Einschätzung von Karl Lauterbach (SPD), der sich früher als Bundesgesundheitsminister für einen besseren Hitzeschutz eingesetzt hatte, sind die Städte bei dem Thema heute tatsächlich etwas besser aufgestellt als früher. "Aber es ist nicht genug passiert", sagte er am Mittwoch im WDR-Interview.
Nötig sind seiner Ansicht nach umfangreiche kommunale Hitzeschutzprogramme wie in Frankreich. "Wir sind noch weit davon entfernt", so Lauterbach. Entwickelt wurden die Hitzeschutzprogramme in Frankreich nach der Hitzewelle 2003, als besonders viele Menschen an den Folgen der hohen Temperaturen ums Leben kamen.
Unsere Quellen:
- Auf WDR-Anfrage: Antworten der Städte Düsseldorf, Bielefeld, Münster, Oberhausen, Essen.
- Online-Hitze-Angebote von Köln, Essen, Bielefeld und weiteren NRW-Städten
- Römischer Wasserversorger Acea zu Trinkwasserbrunnen
- Online-Informationen des Projekts Refill Deutschland
- Rheinenergie: Informationen zum Wassernebel
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Sendung: WDR.de, Hitze-Stress in NRW: So kämpfen Städte um jedes Grad weniger, 24.06.2026, 09:45 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Düsseldorf, 25.06.2026, 19:30 Uhr
Kommentare zum Thema
49 Mill. Autos stehen mit teilweise 70° C Innentemperatur in den Straßen unserer Städte, so können unsere Städte nicht abkühlen. Jeder Autobesitzer*in muss ein feuchtes Tuch bei Temperaturen ab 30°C über sein Auto legen, so eine Idee! Eine Frage an das Quarks Team:" Um wieviel Grad würden unsere Städte abkühlen, wenn jedes Auto 3 l /pro Tag Wasser mittels feuchtem Tuch über dem Auto, die auf unseren Straßen und Stellplätzen in den Innenstädten zur Verdampfungskühlung bereitstellen müssten?
Dieser Kommentar wurde mehrfach abgegeben und daher an dieser Stelle gesperrt. (die Redaktion)
Warum wird bei dieser Witterungslage nicht eine Art "Notstand" ausgerufen?!?