13 Uhr mittags am Bauaufzug des Kölner Doms. Direkt nach der Mittagspause macht sich Bauleiter Dr. Albert Distelrath auf den Weg nach oben. Per Bauaufzug fahren er und Mitarbeiter Uwe Schäfer erst mal auf 45 Meter Höhe. Oben angekommen, stehen die beiden direkt zwischen massiven Bögen und filigranen Figuren.
Zurzeit wird dort das Strebewerk im südlichen Querhaus ausgetauscht. Das ist extrem wichtig, weiß der Bauleiter: "Die Strebebögen übernehmen die Schubkräfte des Gewölbes, sie sind das statische Gerippe des Doms. Durch die enorme Schadensbildung, die wir hier haben, mussten wir hier Teile komplett austauschen."
Jahrelange Arbeit für einen neuen Dom-Bogen
Um nur einen der massiven und riesigen Steinbögen auszutauschen, benötigt die Kölner Dombauhütte viele Jahre. Vom Bestellen der Steine im Steinbruch über die finale Fertigung in der Dombauhütte und das Einsetzen vor Ort. Das Ziel ist immer der Erhalt und nicht der Austausch.
Deshalb arbeitet der 56-jährige Dombauhütten-Mitarbeiter Uwe Schäfer auch gerade mit Pinsel und Staubsauger an einem Drachen-Wasserspeier aus dem 19. Jahrhundert. "Wir haben hier bauschädliche Salze, die schlagen sich als weißes Salz nieder. Die sauge ich alle einzeln ab, um den Stein zu sichern." Eine wahre Sisyphusarbeit, die nie aufhört.
"Die wichtigste Aufgabe ist der Erhalt des Domes." Dr. Albert Diselrath, Bauleiter und stellvertretender Dombaumeister
Ob der Austausch riesiger Steine oder die Salzreduzierung historischer Wasserspeier - die Kölner Dombauhütte bietet das ganze Spektrum an. Vor über 200 Jahren gegründet, können hier alle Arbeiten für den Kölner Dom aus einer Hand beziehungsweise einer Hütte umgesetzt werden.
Alle Infos zur Kölner Dombauhütte
- Die Kölner Dombauhütte wurde 1248 gegründet und ist die größte in Deutschland.
- Zurzeit arbeiten rund 85 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in zig Gewerken. Ob als Steinmetz, Gerüstbauer, Dachdecker, Steinrestaurator, Bildhauer oder Glasmaler. Alle anfallenden Arbeiten am Dom können von der Mannschaft komplett umgesetzt werden.
- Eingerichtet wurde die Kölner Dombauhütte vom ersten Dombaumeister Gerhard. Wahrscheinlich wurden dazu Steinmetze versammelt, die ihre Erfahrungen beim Bau der zahlreichen romanischen Kirchen im Kölner Raum gesammelt hatten.
- Die Kölner Hütte entwickelte in den ersten 100 Jahren einen hohen Qualitätsstandard und bestand aus rund 100 Personen.
- Neben der Kölner Dombauhütte gibt es in NRW noch drei weitere aktive Dombauhütten - in Aachen, Xanten und Soest.
Insbesondere die Kooperation mit Xanten ist eng
Die Kooperation mit den anderen Dombauhütten in NRW ist eng. Vor allem mit der kleinen Schwester in Xanten, da am dortigen Dom das gleiche Material verwendet wurde wie in Köln: mittelalterliches Trachyt vom Drachenfels.
Für Albert Distelrath geht es heute aber noch ein bisschen höher. Denn auf rund 100 Metern werden gerade die riesigen, 30 Meter hohen Fialaufbauten an den Ecken des Domes auf Schäden überprüft. Damals wurden dort Eisendübel verwendet und das ist ein Problem. "Eisen dehnt sich aus, sprengt den Stein weg. Dann können Stücke abstürzen und das muss unbedingt vermieden werden."
An dünnen Seilen in 100 Metern Höhe am Kölner Dom
Und dafür ist Ludgar Weichhaus zuständig. Der 24-Jährige ist gelernter Steinmetz und Industriekletterer. Er baumelt nun an einem dünnen Seil mit Blick auf den Rhein und die Domplatte unter sich. Seine Aufgabe: lose Teile identifizieren und sichern. "All das, was lose ist und gefährdend sein könnte, wird abgenommen." Angst hat er dabei keine, aber großen Respekt.
"Für mich als Kölner ist die Arbeit in dieser Höhe ein echtes Highlight." Ludgar Weichhaus, Steinmetz und Industriekletterer
Insgesamt gibt es am Dom vier dieser sogenannten Eckfialen. Wer genau hinschaut, entdeckt in jeder Fiale auch vier riesige, wunderschöne Engel. Hier darf sich auf keinen Fall ein Steinstück lösen, denn das würde direkt auf die Domplatte fallen. Deshalb sind diese Einsätze des Teams unglaublich wichtig. "Wenn irgendetwas absturzgefährdet ist, muss es sofort raus", so Bauleiter Distelrath.
Ganzjähriges Baumonitoring für maximale Sicherheit
Regelmäßig fliegt eine Spezialfirma den Dom deshalb auch mit Drohnen ab. So können die schlimmsten Schäden im Vorfeld entdeckt und zeitnah beseitigt werden. Für Bauleiter Diselrath eine Arbeit, die nie endet. Denn man kann immer nur einzelne Teile fertigstellen. "Es ist wie bei einem Staffellauf, man gibt den Staffelstab immer weiter."
Seine Arbeit macht der 57-Jährige deshalb mit großer Demut. Denn er weiß, dass er und seine Kollegen nur ein kleiner Teil eines großen Ganzen sind. Ist eine Baustelle fertig abgeschlossen, werden zeitgleich schon zig neue eingerichtet.
"Es heißt ja: Wenn der Dom fertig ist, geht die Welt unter. Das wird aber ganz sicher nicht passieren." Dr. Albert Distelrath, Bauleiter und stellvertretender Dombaumeister
Und so werden sich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Kölner Dombauhütte auch in den nächsten Jahrhunderten um Kölns ewige Baustelle kümmern. So, dass auch die späteren Generationen das gotische Wahrzeichen und das UNESCO-Weltkulturerbe weiterhin bewundern können.
Alle Beiträge aus dieser Serie:
Unsere Quellen:
- Dombauhütte Köln
- WDR-Gespräch mit Dr. Albert Distelrath, stellvertretender Dombaumeister
- WDR-Gespräch mit Uwe Schäfer, Mitarbeiter Kölner Dombauhütte
- WDR-Gespräch mit Ludger Weichhaus, Mitarbeiter Kölner Dombauhütte
- Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, So tickt NRW - 13 Uhr: So wichtig ist Deutschlands größte Dombauhütte, 03.08.2026, 12:58 Uhr