Als ehemalige Anliegerin versteht Lisa Marie Tubies die wiederkehrenden Probleme.

WDR 02:26 Min. Verfügbar bis 31.07.2028

Feierlust gegen Anwohnerfrust

So arbeitet Münsters Nachtbürgermeisterin

Stand:

Die einen wollen Party, die anderen ihre Ruhe: Münsters Nachtbürgermeisterin Lisa Marie Tubies sucht die Balance im Nachtleben.

Von
Marco Poltronieri

Lisa Marie Tubies ist seit Oktober 2022 Nachtbürgermeisterin in Münster. Anfangs teilte sich die 31-Jährige die Stelle als Halbtagskraft mit einem Kollegen, mittlerweile aber ist sie alleine dafür verantwortlich. Was ihre Aufgaben sind und was den Charme ihrer Arbeit ausmacht, erzählt sie im Interview mit dem WDR.

Lisa, du bist seit bald vier Jahren Nachtbürgermeisterin in Münster - ist der Job schon bloße Routine oder macht er noch Spaß?

Lisa Marie Tubies: Es ist ungelogen nach wie vor mein Traumjob! Ich hab mich damals so gefreut, als ich die Stelle bekam und dachte: das passt zu mir! Natürlich denk ich manchmal auch, okay, das ist jetzt nicht perfekt gelaufen, aber ich liebe die Themen, die ich bearbeiten darf. Und dass ich was leisten kann für die Stadt.

In Münster ist sie verantwortlich für das Nachtleben: Nachtbürgermeisterin Lisa Marie Tubies | Bildquelle: WDR/ Marco Poltronieri

Wir sollten mal grundsätzlich klären: Was macht eine Nachtbürgermeisterin eigentlich genau ?

Tubies: Ich bin für die Konflikte zuständig, die sich ergeben, wenn in der Stadt irgendjemand mit seinen Freunden feiern möchte. Sei es im Club oder im öffentlichen Raum. Laut feiern wollen aber nicht alle, Anwohner zum Beispiel wollen dann vielleicht schlafen und ihre Ruhe haben. Ein klassischer Zielkonflikt: beide sind am selben Ort! Diese Konflikte auszuhandeln, das ist eine dauerhafte Aufgabe. Da muss man einfach dran bleiben.

In beliebten Kneipenvierteln, wie hier in der Kreuzstraße, treffen manchmal die Interessen der Feiernden und der Anwohner aufeinander. | Bildquelle: WDR/Marco Poltronieri

Kannst Du ein konkretes Beispiel geben?

Tubies: Kneipe XY dreht die Musik ein bisschen lauter - das nervt die Nachbarn. Dann stehen auch noch Raucher draußen rum und grölen. Da fragt sich mancher Anwohner: soll ich jetzt den Ordnungsdienst rufen? Oder die Polizei? Es wäre aber auch möglich, mich zu kontaktieren. Ich würde dann erst mal jeweils mit den Parteien sprechen und versuchen, zu vermitteln. Gibt es da vielleicht einen tiefer sitzenden Beziehungskonflikt? Sind die schon verkracht oder gibt es Ansätze, das Ganze konstruktiv zu lösen? Das sind so die Fragen!

Stell ich mir nicht einfach vor...

Tubies: Na ja, aber meine Freiheit endet nun mal da, wo andere davon betroffen sind und ich sie einschränke. Das muss man manchmal einfach vermitteln. Es gibt halt nun mal ne Nachtruhe, und die muss ich als Feiernder auch einhalten. Andersherum werbe ich auch um Verständnis.

Heißt das denn, Deine Arbeitszeit ist nachts?

Tubies: Nein, das ist ein großes Missverständnis, das werde ich immer wieder gefragt. Viele denken, ich ziehe nachts von Club zu Club, von Bar zu Bar und gucke, dass alles in Ordnung ist (lacht). Das mach ich eher selten. Es ist viel Arbeit am Schreibtisch. Ich bin eine Schnittstelle zwischen Verwaltung, Kulturakteuren der Nacht und der Stadtgesellschaft. Ich muss gut vernetzt sein mit allen, um möglichst früh mitzukriegen, wenn es irgendwo Probleme gibt.

Das heißt ja, Du musst mit anderen Akteuren eng zusammenarbeiten. Alleine ist das ja nicht zu schaffen. Oder?

Tubies: Nee! Deshalb arbeite ich auch eng mit dem Kommunalen Ordnungsdienst zusammen. Ich bekomm dann manchmal das Protokoll eines Vorfalls zugesteckt, damit ich weiß: da könnte ich mal genauer hingucken! Ich bin aber auch mit dem Jugendamt und der Polizei in Kontakt. Wir tauschen uns aus. Regelmäßig!

Obwohl der Name anderes vermuten lässt, arbeitet Lisa Marie meistens tagsüber. | Bildquelle: WDR/ Marco Poltronieri

Hast Du denn auch Weisungsbefugnisse, wenn Du versuchst, zu schlichten? Wenn Appelle allein nichts nutzen?

Tubies: Nein! Also, ich könnte jetzt kein Bußgeld verhängen oder so was, wenn jemand komplett uneinsichtig ist oder so. Und ich bin auch nicht die Instanz, die einem Club sagt: So, Leute, wir machen euch jetzt den Laden dicht! So geht das nicht. Im Gegenteil: Es ist einfach wichtig, dass es ein Vertrauensverhältnis gibt. Und dass das bleibt!

Wie sieht es eigentlich mit dem Thema "Sicherheit" aus, beim nächtlichen Feiern? Bist Du dafür auch zuständig, neben dem Konfliktmanagement?

Tubies: Ja. Ich bin zum Beispiel mit dem Frauennotruf im Austausch. Es gibt auch immer wieder Schulungen. Wobei ich sagen muss: die Clubs zum Beispiel, die sind in Sachen Sicherheitskonzepte hier in Münster schon ganz gut aufgestellt. Aber klar: wir müssen uns immer wieder vor Augen führen, dass Übergriffe und Grenzverletzungen vorkommen. Das kann zwar immer und überall passieren, aber wenn dann nachts auch noch Alkohol im Spiel ist....

Viele Clubs in Münster haben bereits gute Sicherheitskonzepte, trotzdem können nicht alle Übergriffe verhindert werden. | Bildquelle: WDR/Marco Poltronieri

Letzte Frage: Wie sieht das denn bei Dir persönlich aus? Gehst Du selbst noch abends gern feiern und in Clubs? Oder ist das zu sehr "Arbeit"?

Tubies: Nee, ich geh gerne feiern, nach wie vor. Ich leg ja nebenbei auch noch als DJ auf. Ich bin praktisch überall zuhause (lacht). Aber klar, wenn ich feiern geh', so hundert Prozent privat ist das nie, kann ich nicht leugnen. Da schwingt der Beruf halt immer mit, da ertapp ich mich dann schon dabei. Aber das Feiern hab ich mir deshalb nicht verdorben. Auf keinen Fall!

Das Interview wurde geführt von WDR-Reporter Marco Poltronieri.

Nachtbürgermeisterin vermittelt, wenn Partys ausarten

WDR 17.07.2026 01:01 Min. Verfügbar bis 16.07.2028 WDR Online

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Sendung: WDR.de, Nachtbürgermeisterin vermittelt, wenn Partys ausarten, 31.07.2026, 17.01 Uhr
Sendung: 
WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 31.07.2026, 19:30 Uhr