Immer mehr Wohnungslose in Deutschland: Schicksal oder Systemfehler?

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Die Zahl wohnungsloser Menschen in Deutschland hat einen neuen Höchststand erreicht. 2024 hatten über eine Million Menschen keine eigene Wohnung. Die Ursachen hierfür sind vielseitig. Im WDR-Podcast "nah dran" sprechen wir mit dem WDR-Journalisten und Reporter Sabit Kajtazaj. Er hat Menschen getroffen, die hinter dieser Statistik stehen.

Laut Hochrechnungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) waren im vergangenen Jahr mindestens 1.029.000 Menschen in Deutschland wohnungslos. Verglichen mit dem Vorjahr ist das ein Anstieg von elf Prozent - und ein neuer Höchststand. Allein 56.000 Menschen gelten als obdachlos und leben dauerhaft auf der Straße.

Die BAG W definiert „wohnungslos” jedoch viel breiter: Als wohnungslos gelten alle Personen, die keine eigene angemietete Wohnung oder Wohneigentum besitzen. Dazu zählen auch Menschen in Unterkünften für Geflüchtete oder Betroffene, die bei Freunden unterkommen. Der Großteil des Anstiegs betrifft Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft. Alarmierend ist jedoch auch die Tatsache, dass rund ein Viertel (264.000) der Wohnungslosen Kinder und Jugendliche sind.

Wohnungslos: Der Weg in die Abwärtsspirale

Der starke Anstieg bei der Zahl der Wohnungslosen verdeutlicht die Probleme auf dem deutschen Wohnungsmarkt aber auch in unserem sozialen Sicherungssystem. Typische Auslöser für den Verlust der Wohnung sind beispielsweise Miet- und Energieschulden, Trennung oder Scheidung sowie Konflikte im Wohnumfeld. Dann geraten Wohnungslose schnell in eine Abwärtsspirale. Der WDR-Journalist Sabit Kajtazaj hat sich für eine Reportage mit Betroffenen unterhalten, die aus unterschiedlichen Gründen in diesen Teufelskreis geraten sind. Er beschreibt, wie schnell das Leben außer Kontrolle geraten kann.

Es kann jedem passieren. Es braucht nur eine falsche Situation, einen Schicksalsschlag oder eine Krankheit und dann kann man dahinkommen. Sabit Kajtazaj, WDR-Journalist
Eine Porträtaufnahme von Sabit Kajtazaj. Er schaut in Richtung der Kamera. | Bildquelle: WDR/Kajtazaj

Wer einmal wohnungslos geworden ist, für den wird es oft extrem schwierig, aus eigenen Stücken wieder in ein stabiles Leben zurückzukehren. Die ständige Unsicherheit ist zudem eine große Belastung für die Psyche. Ohnehin haben viele Betroffene schon mentale Probleme. Eine notwendige niedrigschwellige psychologische und medizinische Versorgung ist jedoch kaum vorhanden. Bürokratische Hürden bei bestehenden Hilfsangeboten erschweren die Situation für Wohungslose zusätzlich, berichtet Sabit Kajtazaj.

Immer mehr Wohnungslose: Schicksal oder Systemfehler? I nah dran

Bildquelle: WDR

nah dran – die Geschichte hinter der Nachricht 21.11.2025 18:12 Min. Verfügbar bis 21.11.2026 WDR Online

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Appelle an die Politik von der Wohnungslosenhilfe

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe warnt, dass ohne entschiedenes Gegensteuern noch mehr Menschen ihr Zuhause verlieren könnten. Die BAG W fordert die Politik daher dringend auf, den Sozialwohnungsbau massiv anzukurbeln und Präventionsmaßnahmen zu stärken. Nur so könne das von der Bundesregierung erklärte Ziel "Die Überwindung von Wohnungslosigkeit bis 2030" überhaupt noch erreicht werden.

Im Podcast "nah dran - die Geschichte hinter der Nachricht" erzählen unsere Reporterinnen und Reporter, was sie bei ihren Recherchen erlebt haben. Sie werfen einen Blick hinter die Nachrichten, hören Betroffenen zu und erleben selbst mit, wovon die meisten nur kurz in den wöchentlichen Schlagzeilen lesen. Näher ran als sie kommt niemand - egal ob im Ausland, in der Hauptstadt oder direkt vor unserer Tür in der Region.